Wir erinnern uns. Zuerst war "Scary Movie" von den, bis dahin, noch relativ unbekannten Wayans-Brüdern, der einschlug wie eine Bombe und hier und da sogar als die Mutter aller Horrorparodien gefeiert wird, obwohl dieser Zusatz, trotz wunderbarem Ergebnis, vielleicht nur bedingt zutrifft (Horrorparodien gab es schließlich schon früher in Form von "Freitag der 713" etc.). Ein Jahr später "Scary Movie 2", erneut von den Brüdern und eigentlich immer noch genauso witzig und treffsicher wie der Vorgänger, doch (fast) keiner lachte mehr. Also hieß es Zwangspause für die Reihe und einen neuen Macher gesucht, gefunden in Comedygenie David Zucker, der aber beim dritten Aufguss der Reihe nur noch jeden zweiten Gag zünden ließ, wenn überhaupt. Dennoch war das allgemeine Interesse wieder riesig und somit ist es kein Wunder, dass nun auch noch ein vierter Teil in unsere Kinos kommt, der angeblich "vierte und letzte Teil der Trilogie"(!). Nach Ansicht kann ich nun mit Freuden sagen, dass der Film den Tiefflug der Reihe nicht fortsetzt, mit Bedauern aber auch, dass er ihn leider auch nicht wieder in die andere Richtung lenkt.
"Scary Movie 4" ist im Grunde genauso gut bzw. schlecht wie sein Vorgänger. Ähnlich wie schon da, so gibt es auch dieses mal wieder relativ familienfreundliche PG-13-Comedy, wenn auch alles in allem dennoch nicht gerade von der zimperlichen Sorte. Die Story dreht sich dabei natürlich wieder um Cindy Campbell, die dieses mal u.a. in einem Spukhaus eine pflegebedürftige Frau versorgen muss, um anschließend mit dem schnuckeligen Nachbarn von nebenan die Welt vor Aliens zu retten und zwischendurch mal einen Abstecher in ein Village-artiges Dorf am Rande der Stadt unternimmt, bis sie sich letztendlich irgendwann in einem viereckigen Raum wiederfindet, in dem sie nur wenig Zeit hat, um die perfiden Rätsel eines merkwürdigen Phantoms zu entschlüsseln... Wie schon bei allen Vorgängern ist die Story somit auch hier wieder mehr als dünn ausgefallen und bietet nicht viel mehr, als eine Rahmengeschichte zum völlig gaga gewordenen Handlungsverlauf, der sich munter durch die letzten großen und kleinen Hollywood-Blockbuster zieht. Logik und Verstand sollten dabei tunlichst von der Erwartungsliste gestrichen werden, sofern es wirklich noch jemanden gibt, der so etwas bei einem "Scary Movie" erwartet.
Wie schon immer, so geht es natürlich auch hier wieder um die Gags und die Parodien und davon gibt es mal wieder mehr als reichlich. Neben Filmen wie "Saw", "The Grudge" oder "The Village" hat es dieses mal vor allem Stephen Spielbergs "Krieg der Welten" erwischt, der hier mehr als nur ausreichend durch den Kakao gezogen wird. Ja, im Vergleich zu den Vorgängern gibt es in "Scary Movie 4" wohl alles in allem noch die wenigsten Parodien zu zählen. Zwar wird auch anspruchsvolle Kost wie z. Bsp. "Million Dollar Baby" oder "Brokeback Mountain", Dokumentarfilme wie "Fahrenheit 9/11" und selbst Serien wie "Lost" nicht verschont, doch im Großen und Ganzen hat man sich vor allem auf "Krieg der Welten" und "The Grudge" konzentriert und das mit mal mehr und mal weniger gelungenen Persiflagen.
Denn die Gags halten sich auch dieses mal (leider oder auch Gott sei Dank) wieder vollkommen die Waage. Natürlich gibt es einige richtige Brüller, so sind z. Bsp. die Parodien auf "The Grudge" nahezu durchgängig gelungen, abgesehen vielleicht von der "Pippi im Gesicht"-Szene. Egal ob es nun der die völlige Veräppelung der japanisch gesprochenen Passagen des Films sind, der Gag mit Cindys Chef in der Wanne oder der Rassier-Joke unter der Dusche, das fluchbelastete Grusel-Remake kriegt hier voll und ganz sein Fett weg und das auf richtig komische Art und Weise. Dazu wirklich alle Szenen in denen Leslie Nielsen den völlig verblödeten US-Präsidenten mimt, allen voran jene, in der die komplette UN-Versammlung plötzlich nackt in den Bänken sitzt und sich Nielsen genüsslich hin und her biegt, natürlich ebenfalls nackt. Und auch der ständige Running Gag, bei dem stehts und ständig irgend jemand etwas gegen die Birne kriegt, kann, durch die völlige Auswalzung des Gags, schon wieder gefallen.
Anders verhält es sich dagegen, wenn Zucker "The Village" oder "Krieg der Welten" parodiert. Während sich bei Letzterem die meisten Jokes eher auf Schmunzelniveau halten, so ist die Parodie auf den feinen Gruselschocker von M. Night Shyamalan wirklich komplett misslungen. Da kackt eine blinde Frau mal mir nichts dir nichts in die Kongresshalle, ein anscheinend völlig hirnloser Bewohner knallt ständig gegen die Glocke und macht auch sonst nur ekligen Quatsch (der Butler aus Teil 2 läßt schön grüßen, nicht nur weil beide Rollen von Chris Elliott gespielt werden) und auch sonst sind die meisten Gags hier eher müde Kalauer, als pointinierte Lacher. Schade!
Nicht vergessen sollte man aber dafür wiederum die "Saw"-Parodie, die man größtenteils wieder als gelungen bezeichnen kann. Schon die ersten Minuten brillieren, in dem sich eines der Opfer den falschen Fuß abschneidet, während sein Gegenüber ein Freiwurf nach dem anderen (in einen Baskettballkorb) völlig versemmelt. Im späteren Verlauf kommen dann auch einige Waffen zur Geltung und die schöne raue Stimme (im Deutschen anscheinend die Gleiche wie im Originalfilm) des Killers wird komplett durch den Kakao gezogen, genauso wie die merkwürdige Figur auf dem Rad, die uns schon im Original das Fürchten lehrte. "Saw" jedenfalls bringt uns auch hier wieder auf angenehme Weise zum Gruseln, wenn auch dieses mal natürlich deutlich komischer.
Was die Inszenierung angeht, so hat sich Zucker dieses mal nicht lumpen lassen und präsentiert bei seiner "Krieg der Welten"-Parodie ein mitunter recht aufwändiges Special-Effekts-Theater, das dem Original durchaus das Wasser reichen kann. Man hat sich sichtlich Mühe gegeben, um die Tripots auch hier recht zerstörerisch wirken zu lassen und die einzelnen Zerstörungsfasen der Stadt machen durchaus Laune. Dazu eine gute Kostümauswahl, vor allem bei den "Village"-Szenen und eine schön trist gewordene Ausleuchtung, die ebenfalls ganz den Originalen nach empfunden wurden, auch wenn sie hier natürlich nicht unbedingt für Atmosphäre sorgen sollen. Kenner der parodierten Filme dürften jedenfalls einen hohen Wiederkennungsgrad nicht leugnen können.
In punkto Darstellerauswahl lassen sich Anna Farris und Regina Hall auch dieses mal nicht zweimal bitten, um ihre längst vertrauten Rollen, der schusseligen Cindy Campbell und der flippigen Brenda, darzustellen. Im Gegensatz zu den Vorgängern haben sie mittlerweile doch einiges dazugelernt, wenn sie auch immer noch bei weitem keine großen Darstellerinnen sind. Große Darsteller halten sich sowieso auch dieses mal eher zurück. Zu erkennen sind u.a. Bill Pullmann als Dorfprediger bei der "Village"-Parodie, erneut Altmeister Leslie Nielsen als verblödeter Präsident, Michael Madsen, in einer völlig verschenkten Rolle als Helfer in der Not beim "Krieg der Welten", und auch Charlie Sheen ist, in einem Kurz-Cameo ganz am Anfang, wieder mit dabei. Ansonsten viele Darsteller die man nicht kennt, abgesehen vielleicht noch von einem schwachen Chris Elliott und Conchita Campbell als gelungene Dakota Faning-Kopie. Na ja, alles in allem kann man aber dennoch zufrieden sein.
Fazit: Auch "Scary Movie 4" hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle möglichen und unmöglichen Hollywood-Filme der letzten Jahre zu parodieren, auch wenn es dieses mal vergleichsweise nicht ganz so viele sind, wie in den Vorgängern, sondern eher einzelne, die dafür großartig ausgewalzt wurden, wie eben z. Bsp. "Krieg der Welten". Die Story ist dabei natürlich wieder einmal ein Hauch von Nichts und die Gags treffen auch dieses mal wieder nur ab und an ins Schwarze, wenn auch das Meiste immer noch für viel Schmunzelware gut ist, nebst einigen Blindgängern, die vor allem auf das Konto von "The Village" gehen. Gebraucht hat es diesen Streifen sicherlich nicht, doch wenn er nun schon mal da ist kann man ihn sich, als ständiger Kinogänger, auch anschauen. Und "Scary Movie 5" scheint wohl, nach dem immensen US-Erfolg, auch schon beschlossene Sache zu sein. Na meinetwegen!
Wertung: 6/10 Punkte