„Spiel auf Zeit“ ist mal wieder ein ziemlich spannender Thriller von Genreregisseur Brian De Palma.
Rick Santoro (Nicolas Cage) ist Cop in Atlantic City, aber kein Vorzeigebulle. Er ist ein Spieler, hat trotz glücklicher Familie eine Geliebte und gibt auch ansonsten oft den Bruder Leichtfuß. Genau er ist auch zu einem wichtigen Boxkampf eingeladen, bei dem auch ein wichtiger Politiker zu Gast ist. Nicolas Cage gibt als dreister Cop wirklich alles und ist sehr spielfreudig, auch wenn seine Rolle stark an Castor Troy aus „Face/Off“ erinnert.
Die Einladung und den Platz in der ersten Reihe verdankt Rick seinem Freund Kevin Dunne (Gary Sinise), der Sicherheitschef des Politikers ist und die Verantwortung trägt. Doch dann passiert das Unglaubliche: Kevin geht fort um eine Verdächtige zu überprüfen, eine geheimnisvolle Frau setzt sich auf seinen Platz und redet mit dem Politiker – der kurz darauf erschossen wird. Brian De Palma baut bis zu dem Attentat virtuos Spannung auf, wobei diese zwölf Minuten bis zu dem Schuss ohne Schnitt auskommen.
Kevin kann den Attentäter erschießen, aber der Politiker ist schwer verletzt, während seine geheimnisvolle Gesprächspartnerin in der Menge untertaucht. Rick lässt alle Ausgänge sperren und die Identitäten der Leute in der Boxarena überprüfen. Gleichzeitig beginnt er mit Hilfe der Aufzeichnungen der Überwachungskameras mit der Tätersuche...
Brian De Palma zeigt sich in „Spiel auf Zeit“ mal wieder als Könner im Spannungsaufbau. Die Geschichte ist an sich ziemlich spannend, wobei vor allem die Limitierung auf den Tatort und die nähere Umgebung einen eingeschränkten Schauplatz und damit eine fast klaustrophobische Spannung erzeugen. Doch auch die Erzählstruktur und die Ermittlungsarbeit sind recht raffiniert erdacht und können mit ein paar überraschenden Wendungen aufwarten, die nie unglaubwürdig sind. Zwar ahnt man schnell wer einer der Verschwörer ist, aber diese Vermutung bestätigt der Film schnell, ohne dass Ricks Ermittlungsarbeiten dadurch langweilig würden (da z.B. das Motiv usw. zu diesem Zeitpunkt fehlen).
De Palma hat die Geschichte auch von der technischen Seite entsprechend spannend umgesetzt: Immer wieder bekommt man Teile des Geschehens, die man schon aus Ricks Perspektive erlebt hat, noch mal aus anderer Sicht gezeigt – mit neuen Erkenntnissen. Besonders die Splitscreen-Montage in einer Rückblende ist sowohl technisch als auch erzählerisch recht interessant, ebenso wie Anfangsszene, in der man wie gesagt Rick zwölf Minuten lang ohne Schnitt durch das Gebäude folgt.
Doch leider hat der Film auch eine Schwäche: Die Erkenntnis Ricks kommt zu früh. Schon recht früh zu Beginn des letzten Drittels deckt er alle Hintergründe auf und es folgt ein zu lang geratenes Finale, dessen Ende vor allem aufgrund der Rettung durch den deus ex machina etwas enttäuschend wirkt. Zudem fehlt es dem Finale an jener Spannung, welche die vorangegangen Ermittlungsarbeiten auszeichneten. Auch die Idee nach dem eigentlichen Ende einen Nachtrag einzuschieben, der zeigt wie es Rick später ergeht, ist zwar eine nette Idee, kann aber nicht Eindruck schinden, da er einfach zu dran geklatscht wirkt.
Nicolas Cage erinnert in seinem aufgedrehten Verhalten zwar immer wieder an seine „Face/Off“-Rolle, legt sich aber voll ins Zeug (vor allem das Spielen der Anfangsszene ist eine echte Herausforderung). Doch auch die Nebendarsteller spielen sehr gut, wobei vor allem Gary Sinise und Stan Shaw herausstechen. Dies heißt jedoch nicht, dass irgendwer in dem Ensemble schwach wäre: Alle liefern gute bis sehr gute Leistungen ab.
„Spiel auf Zeit“ ist ein spannender und gut gemachter Thriller, bei dem leider die schwache Endphase den Aufstieg zum Genrehighlight verhindert.