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Sowohl im cineastischen Musemsviertel als auch aus den Trashgassen, von überall her schallen Kultrufe nach Barbarella, der grandiosen Comicverfilmung Roger Vadims. Manch einer will darin haarfeine Spuren feministischen Zeitgeistes erkannt haben. Wo auch immer sie versteckt sein mögen, ich habe sie bei Erst Sichtung nicht gefunden, war während der Suche jedoch schwer angetan von der Optik des Filmes, wenn auch herbe enttäuscht von der Hauptfigur selbst.

Wo wir gerade bei Enttäuschung sind: nach einer Odyssee über einen fremden Planeten der voll der Gefahren durch verwilderte Kinder, lederne Kampfroboter und anderer böser Schergen, vom sagenumwobenen, negative Gefühle trinkenden Matmos unterkellert und auf dem jeder Mann inklusive Berufsjägern, geschundenen Engeln und Untergrundrevoluzzern nur auf archaischen Sex aus ist (das alte Rein-Raus-Spiel, nicht den telepathischen Pillensex, den Barbarella kennt) kann diese denke ich mit Fug und Recht behaupten, dass sie sich den Auftrag, den Irren Wissenschaftler und Bandnamenspaten Durant Durant zu finden, zumindest etwas positiver vorgestellt hat. Aber was erwartet man eigentlich, wenn man als Regierungsagentin nicht mal in den nötigsten Dingen ausgebildet wurde und man zur Selsbtverteidigung auf Waffen aus dem Museum angewiesen ist? Dann muss man halt ahnungslos über fremde Planeten stolpern und sich per Begattung vorankämpfen, was auf fremden Welten gerne schon mal in Höschen gehen und selbiges schlimmer durchschütteln kann als eine Runde auf der legendären Orrgasmatron-Folterorgel. Bis dahin hat man aber noch genügend Gelegenheiten, sich im Labyrinth der eingemauerten Kreaturen zu verlaufen, in der Stadt des Bösen eine gemütliche Wasserpfeife mit darinplanschendem Mann zu rauchen oder sich auf sonstwelche kuriose Art die Zeit totzuschlagen, die einem noch bleibt, bis der Matmos einen lebendig verdaut.

Vadims Auslegung der Comicvorlage ist ein kunterbunte psychedelische - poppigen Spielplatz, dessen Landmarken je einen eigenen Film verdient hätten. Am besten hätte Barbarella ohnehin das Format eines Kinoserials a la Flash Gordon gestanden, in dem Barbarella Alias Jane Fonda sich von Episode zu Episode durch einen Schauplatz mitsamt Hauptproblem kämpft. Da Barbarellas einziger heroischen Charakterzüge jedoch ihre grenzenlose Naivität und ihre Libido sind reichte, sie als Charakter zu etablieren, der zu gut für ihre Welt ist, weshalb der Matmos sich weigert, sie zu verschlingen und sich die Probleme von psychisch angekratzten Aliens (siehe dem blinden Engel Pygar) glatt einfach hinwegvögeln lassen. Naja, wer braucht auch schon Heldenfähigkeiten wie Kampfkünste und Intelligenz, wenn es gutes Aussehen genau so gut tut.

Optisch ist "Barbarella" ein Popartfest aller erster Güte, handlungstechnisch ein sexistisches Desaster. Was ein frechfrivoler Befreiungsschlag für die Frau im phantastischen Film hätte sein können würde letztendlich nur die Stange am untersten Ende der Karriereleiter, an der sich Jane Fonda möglichst erotischen hochräkeln musste, um einen Fuß in die Tür Hollywoods zu bekommen. Schade und irgendwie auch sehr beleidigend, wenn man Fondas Talent als Schauspielerin bedenkt und berücksichtigt, dass sie sich auch als politische AktivistIn mehr als einmal als intelligenter als manche männliche Kollegen hervorgetan hat.

In diesem Sinne: "Sieg der Liebe.", auch, wenn meine für diesen Film sich außerhalb der Kulissen recht schnell erschöpft. 

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