Wenn ein Horrorfilmfan und Schockrocker wie Rob Zombie endlich mal das Budget angeschoben bekommt, so richtig herzhaft in der Zitatenschatzkiste der Filmgeschichte zu wühlen, dann kommt da so etwas wie „House of 1000 Corpses“ heraus, ein Zitatepotpourri des Horrorfilms der 70er, als der Terror dank Krieg und Krisen noch so recht herzhaft war.
Sein Film ist zur absoluten Overkill-Freakshow verkommen, der Inhalt ist Programm, wenn vier junge Leute zunächst in ein Mumien–Monstren-Mutationen-Kabinett stolpern, um dann auf der Suche nach einer Legende unter den Massenmördern mittels einer degenerierten Hinterwäldlerfamilie ordentlich auseinander genommen zu werden.
Daß ihn dabei nicht die Opfer interessieren, sondern er die Täter abfeiert, ist schon mal eine Novität, wie er das tut, macht den Film jedoch zum optischen Leckerbissen. Splitscreen, Musicaleinlagen, grelle Neonfarben, eine monumentale Fluchquote und reichlich abartige Details.
Mit satanischer Freude lässt er die jungen Leute unter die Abartigen geraten, die von der durchgeknallten Clansmutter über den langhaarigen Killer bis zum monströsen Riesen alles aufzubieten haben, was die Filmgeschichte hergibt.
Das Ergebnis erweist so ziemlich jedem zweiten berühmt-berüchtigten Horrorfilm dieser Dekade Referenz, am ehesten natürlich noch „Texas Chainsaw Massacre“, aber auch dem Sekten-C-Film, Halloween, The Funhouse, Tanz der Teufel und nicht zuletzt auch Anleihen bei tatsächlichen Serienkillern und ihren Taten bzw. Vorgehensweisen.
Folglich läuft der Film bei nur 85 Minuten Laufzeit geradezu über und hält sich nicht mit narrativen Besonderheiten auf, sondert ballert den Zuschauer bis zur letzten Minute zu, wobei finsterster Humor noch zu den stärksten Eigenschaften gehört.
Die Frage ist natürlich: funktioniert dieser selbstzweckhafte Mischmasch, der offensichtlich auch zur Freude seiner Macher produziert wurde. Und genau an diesem Punkt geht der Film in die Brüche, denn soviel formelle Berechnung und Analyse will ich Rob Zombie leider nicht zugestehen. Der Verzicht auf erzählerische Finessen und die bewusste Hinwendung zum Klischee in allen Ehren, aber bei alledem darf man auf die Wirkung dieses Gemeuchels nicht verzichten.
Wer die Ironie der Filmgeschichte nicht auf Anhieb erkennt, wird sich doch der reinen Horrorfilmwirkung des Geschehens zuwenden und da verfehlt der Film leider Gottes komplett sein Ziel.
In der Zitierwut vergisst Zombie nämlich, dass die Neuanordnung aller bekannten Elemente einer Tiefenwirkung leider im Weg steht und der Verzicht auf Innovationen (bis auf das Ziehen aller technischen Register) zwar Aha-Erlebnisse beim Parallelenzählen verschafft, aber deswegen daraus noch keinen wirksamen Horrorfilm macht.
Zwar kann man von einer ständigen unterschwelligen Bedrohung sprechen, aber die ist so offensichtlich aufgetragen, dass alles nur folgerichtig erscheint.
Der viel besungene Faktor „Terror“ wirkt sich nur mangelhaft auf den fertigen Film aus. Weder präsentiert Zombie hier auf dem Gore-Sektor etwas Interessantes oder Schockierendes, noch kommt Interesse für Täter oder Opfer auf, denn selbst die durchgeknallten Killer verzichten auf Motive und sind scheinbar aus reinem Spaß an der Freude bei der Sache.
Steigerungen sind da kaum möglich und wenn die letzte Überlebende sich in der Schlußviertelstunde auch noch dem vielzitierten Dr.Satan gegenüber sieht, hat der Overkill die gegenteilige Wirkung erreicht: man winkt nur noch ermüdet ab, hat sich an grellen Horrorbildern überfressen.
Das hat auch Oliver Stone in seinem formell vergleichbaren „Natural Born Killers“ so hinbekommen, dass man letztendlich den Angriff auf Seh- und Hörsinn nicht mehr erträgt und schlichtweg abschaltet.
Eher monoton hakt man dann Szene für Szene ab, die zwar mit ihrem Detailreichtum protzen, aber eins nicht mehr hinbekommen: dem Zuschauer Angst machen.
Deswegen gibt es hier weder eine Steigerung der Spannungskurve, noch Ausschläge nach oben, wenn man erst im 7.Kreis der Hölle gefangen ist, auch wenn ich den Darstellern höchstes Lob zu ihrer Leistung ausstellen will.
Insofern ist Zombie der Film rein äußerlich, sprich optisch und tendenziell philosophisch gelungen, versäumt es aber über seinen Zitate-Status hinauszuwachsen, weil er inhaltlich die bekannten Themen weder weiterentwickelt, noch spiegelt oder bricht.
Und wenn ich mich charmant zurückerinnere, empfinde ich jede Vorlage für ein Zitat als wirksamer denn bei dieser schillernd bunten Aufkocherei.
Da können sich Sid Haig und Sheri Moon noch so sehr die Finger wund spielen, eine existentielle Grundlage kann ich für diesen Film nicht entdecken.
Als wilder Ritt durch die Horror/Splattergeschichte aber recht amüsant. (5/10)