Der eingefleischte Filmfreund mag sich fragen, inwieweit es sinnvoll sein kann, noch einen Film über die doch schon so (im wahrsten Sinne des Wortes) ausgeblutete Thematik des Londoner Prostituiertenmörders Jack the Ripper zu drehen. Die Antwort ist: es ist nicht sinnvoll, aber auch sehr unterhaltsam - vorausgesetzt man kann dem Thema neue Aspekte abgewinnen. Und das gelingt "From Hell" auf jedem Fall.
Vergleicht man diesen exquisit gespielten und inszenierten Film mit anderen Star-Vehikeln zum gleichen Thema aus jüngerer Vergangenheit (wie beispielsweise "Jack the Ripper lebt" mit Faye Dunaway), so sticht er doch in vielen Belangen vom biederen Schlitzer-Einheitsbrei heraus.
So ist zuerst die betont düstere und extravagante Inszenierung der Hughes-Brüder zu erwähnen. Ihnen gelingt es eine ungemein düstere und beklemmende Stimmung zu erzeugen, die den Zuschauer in ihren Bann zieht. Neu sind auch Inspector Abberdines (der "Jäger" von Jck the Ripper"- kombinationsstark und intelligent dargestellt von Johny Depp) psychedelische Drogentrips, die ihm nützliche Hinweise geben. Auch wird ein Einblick in die damaligen Gesellschaftsverhältnisse um die Ständegesellschaft und in entsprechen Probleme gewährt. Unverhoffte Überblendungen und ein paar eigenwillig-neuartige Specialeffects runden "From Hell" ab.
Die Darsteller sind durchweg brillant. So spielen der schon erwähnte Johny Depp als Ermittler Abberdine, Heather Graham als Prostituierte und Ian Holm ("Herr der Ringe") als angeknackster Chirurg sich gegenseitig an die Wand.
Und hier nun die Mankos von "From Hell": (KLEINERE SPOILER:) der Grund für die Morde - als königliche Verschleierungsaktion - ist zwar neu, aber etwas zu platt geraten, ebenso ist nach der Hälfte des Films ziemlich voraussehbar, wer der Mörder ist und warum. So reduziert sich "From Hell" zeitweise selbst auf einen simplen Whodunit-Thriller mit sozialkritischen Einschlag.
Letztendlich ist aber für einen wohligen Grusler vor dem Zu-Bett-Gehen gesorgt und man hat nicht das Gefühl, sich fragen zu müssen, ob man die letzten 2 Stunden nicht hätte was Spannenderes machen können. Die Idee des Films ist sicherlich nicht neu, aber wird genügend variiert, um zu unterhalten. Daher "höllische" 8 von 10 Punkten