Das London gegen Ende des 19. Jahunderts war in den Armenvierteln ein düsterer und wenig erfreulicher Mikrokosmos. Und diese Stimmung wurde in FROM HELL prefekt eingefangen. Leider ist das auch schon alles an dem Film, daß ich als 'perfekt' bezeichnen möchte.....
Der Film wirkt in dem ersten Drittel ziemlich überladen. Zuviele Geschichtsstränge starten auf einmal, die Inszenierung besitzt etwas zuviel Rasanz.
Die Charaktere bleiben allesamt etwas zu farblos und platt. HEATHER GRAHAMs Charakter wird noch recht gut eingeführt wird, wohingegen ihr männlicher Partner JOHNNY DEPP langweillig und grau erscheint.
Nicht das es die Schuld der Darsteller wäre, oder sie schlecht schauspielern! Das tut nämlich keiner von ihnen! Jeder tut was er kann und keiner wirkt dilletantisch, aber es hilft einfach alles nichts, wenn ihre Charaktere nicht anständig inszeniert werden.
Einen weitereren Minuspunkt sollte man TREVOR JONES für sein 08:15 Score ankleben, welches einfach zu sehr unter seinem eigentlichen Niveau liegt.
Eines der größten Mankos: Der Film ist nicht die Bohne spannend! Ähnlich wie Alien4 seiner Zeit, hat der Film eine gut aussehene Verpackung, aber halt nichts dolles drin. Kein einziges mal steigt der Puls, kein einziges mal wird man von einer Jump-Scene überrascht. Man sitzt völlig gelassen vor der Leinwand, wird zwar von der Atmo (mehr oder weniger) in den Bann gezogen aber Spannung wurde anscheinend wieder abbestellt. Schade.
Pluspunkte gibt's für die stilvolle Kameraführung und den Schnitt. Auch die Ausstattung und die paar Effekte sind (wie so oft bei finaziell intensiven historischen Hollywood-Streifen) top, was auch (wie Kamera und Schnitt) zur sehr guten Gesamt-Atmo beiträgt.
Die Story beginnt angenehm einfach und nachvollziehbar (aber halt auf Kosten der Charaktere), allerdings wirds später zu verworren (unnötigerweise) und komplex, was gegen Ende wieder zusammenfällt, da die Lösung de Films wiederum eher einfach ist.
Es ist offensichtlich, daß die HUGHGEs Brüder mit dieser Inszenierung einen Film schaffen wollten, der einem zum Mitraten einlädt, da mehrere Verdächtige vorgestellt werden und auch der Zuschauer nicht vor DEPPs Charakter weiß, WER es ist, bzw. war.
Ich würde mich jetzt gerne noch etwas über das Ende auslassen, doch leider wird das ohne Spoilern nicht klappen, und ich sehe auch keine Möglichkeit hier einen 'Achtung-Spoiler' Abschnitt zu schreiben. Also lass ich das mal.... wobei ich sagen muß, daß die kleine Kitsch-Attacke gen Ende absolut aufgesetzt wirkt).
Nun aber auch mal ein paar positive Sachen: Wie bereits erwähnt, ist die Atmosphäre das Rückgrat des Films. Dunkel, düster, schmutzig, brutal, krank. Obwohl die Story zeitweise unausgewogen wirkt, interessiert es doch schon, warum wer was tut, und wer was verheimlicht.
Und auch wenn ich oben den Score etwas angegiftet habe soll gesagt sein, daß es NICHT schlecht ist! Es ist ebenfalls schön düster und atmosphärisch, nur halt nicht zu vergleichen mit den anderen Trevor-Scores, wie 13 DAYS, DER LETZTE MOHIKANER oder CLIFFHANGER.
Alle Schauspieler rund um DEPP und GRAHAM herum (Robbie Coltrane, Ian Richardson) sind allesamt sehr gut gecastet und sehr angenehm zu beobachten. Vielleicht hätte es Bessere für die Rolle des Sir William Gull gegeben als Ian Holm, aber andererseits auch Schlechtere. Vielleicht liegt es auch daran, daß man so oft an Bilbo Beutling (LotR) denken muß, wenn man ihn sieht.
Der ursprüngliche Schauspieler Nigel Hawthorne wäre sicherlich besser geeignet gewesen diesem anspruchsvollen Charakter Leben einzuhauchen, ohne Holms Können in Frage stellen zu wollen, doch leider hinderte ihn sein schweres Krebsleiden daran die Rolle zu übernehmen. Hawthorne verstarb Dezember 2001.
Für schwache Mägen ist FROM HELL definitiv nicht geeignet! Auch wenn die grafische Gewalt bzw. die Darstellung der zugerichteten Leichen eher dezent und vorsichtig gehandhabt wurde (obwohl wirklich genügend Blut fließt) spielt einem der Verstand manchmal schon übel mit, da man sich bei einigen der angedeuteten Greultaten (Bild und Ton) schon ungewollt einige Gedanken durch den Kopf rauschen läßt, àla "Wie würde sich das wohl anfühlen, wenn man mir den Unterleib aushöhlt?".
Das es FSK-16 würde, war ja klar. Ist halt Hollywood, da ist Splatter ja salonfähig. Wäre der Film eine kleine tschechische B-Produktion hätte die FSK wohl kaum mit der 18 gezögert. Aber das kennt man ja.
Allerdings, denke ich, liegt die Alterseignung diesmal auch auf dem Level der Freigabe (was ja nun nicht die Rgel ist: LotR, The Others, etc).
Also wenn bei der OFDB-Bewertung 1 für 'scheiße' steht, 5 für Durchschnitt und 10 für absolut perfekt (was meiner Meinung nach hier zu leichtfertig und oft verliehen wird), dann möchte ich FROM HELL eigentlich eine 5.5 geben. Aber leider leider gibt's hier nur ganze Zahlen, also runden wir mal großzügig auf 6 auf.
Überrascht wurde ich von dem Film nicht. So hatte ich ihn mir vorgestellt. 08/15-Thriller vor historischer Kulisse mit fähigen Darstellern und einer mehr oder weniger dichten Story, nur leider ohne Tiefgang und Spanung (und wenigstens Letzteres sollte ein Thriller besitzen, oder nicht?).
Einer der Filme von denen nicht viel hängen bleibt, und die ich nicht nochmal sehen muß. Einmal rein und gut.
6/10
(C) 2002