Er ist wahrscheinlich der berühmteste Serienmörder aller Zeiten. Jack the Ripper mordete 1888 in London genauer gesagt im Armenviertel Whitechapel. Seine Motive und seine wahre Identität blieben bis heute ungeklärt. Selbst die Anzahl der von ihm verübten Morde ist nicht ganz geklärt. Manche behaupten er wäre selbst auch nach den fünf berühmten Morden noch aktiv gewesen, andere behaupten er hätte sich nach dem fünften Mord in der Themse ertränkt. Wie auch immer, hier lauert eine schier unerschöpfliche Quelle für Legenden, Geschichten, Büchern und Filmen. 2001 entdeckten die beiden Brüder Allen und Albert Hughes den Stoff für sich und präsentierten uns damit einen weiteren Ableger der schaurigen Geschichte um den Dirnenmörder von London. Dazu recherchierten sie recht gründlich und nannten ihr Werk „From Hell“.
1888 leben die Prostituierten im Londoner Stadtteil Whitechapel gefährlich. Ein geheimnisvoller Fremder schneidet seinen Opfern nicht nur die Kehle durch, sondern verstümmelt sie auch noch mit geradezu chirurgischer Präzision. Nach dem ersten Vorfall dieser Art setzt Scotland Yard Inspektor Abberline (Jonny Depp) und seinen Freund und Assistenten Godley (Robbie Coltrane) auf die Klärung der mysteriösen Ereignisse an.
Abberline, seit dem Tod seiner Frau mehr dem Opium und dem Absinth zugetan, nimmt die Ermittlungen auf, kann jedoch weitere Morde nicht verhindern, die von Mal zu Mal brutaler und radikaler ausfallen. Je weiter der Inspektor den vereinzelten Spuren folgt, desto größer die Widerstände, derer er sich erwehren muss. Was zunächst wie ein brutaler Mord eines Wahnsinnigen erscheint, erweist sich mehr und mehr als ein düsteres Gespinst aus Lügen und Intrigen. Offensichtlich sollen hier unliebsame Zeugen zum Schweigen gebracht werden. Doch welches Geheimnis teilen die Huren aus Whitechapel? Zu allem Überfluss verliebt sich Abberline auch noch in eines der potentiellen Opfer, Mary Kelly gespielt von Heather Graham. Nur kann er in seinem von Drogen umwaberten Geist seine Geliebte vor den Nachstellungen des geheimnisvollen Rippers schützen? Und welches Geheimnis will die Londoner Oberschicht unter allen Umständen bewahren?
Die Story klingt nicht wirklich neu. Verkrachter Polizist muss eine Mordserie aufklären und verliebt sich in eines der potentiellen Opfer, die Hure mit dem goldenen Herzen. Das haben wird doch schon hundert Mal gesehen.
Mag sein, aber selten wurde die Geschichte in so optisch ansprechendem und vor allem bildgewaltigen Gewand präsentiert. Auch wenn „From Hell“ so einige Schwächen hat, packende Bilder bietet er auf jeden Fall. Seien es die Ansichten des London des 19 Jahrhundert oder Jonny Depps beklemmende Drogenträume. Auch die Darstellung des Stadtviertels Whitechapel verdient unumschränkte Hochachtung. So wurde das Eck, in dem der Ripper sein Unwesen trieb akribisch nachgebaut. Raffinierte Kameraarbeit zieht den Zuschauer systematisch in die dunklen, engen stinkenden Gassen und Hinterhöfe, bis man sich selbst vom Mann mit der bedrohlichen Messersammlung bedroht glaubt. Für die nötige Paranoia sorgte hier Trever Jones, der uns bereits bei Angel Heart oder auch Richard III mit seinen dunklen bedrohlichen Synthieklängen zu ängstigen verstand.
Grundlage für dieses optische Bravourstück lieferten zum einen der episch ausladende Comic Roman „From Hell“ von Alan Moore und Eddie Campbell sowie das Buch „The Ripper – The final Solution“ von Stephen Knight aus den 70er Jahren, das die Grundlage für die hier entwickelte Verschwörungstheorie bildete.
Trotz der recht vielschichtigen Story und jeder Menge düster brillantem Augenzucker hinterlässt „From Hell einen eher zwiespältigen Eindruck. Denn trotz guter Kamera und herausragender schauspielerischer Leistungen- Jonny Depp ist in der Rolle des drogensüchtigen aber genialen Inspektors Abberline voll in seinem Element – kommt die Geschichte um die den mysteriösen Jack nicht recht vom Fleck. Gute Spannungsbögen versickern in einem Gewirr von Nebenhandlungen. Die Macher des Films konnten sich über die gesamte Länge nicht so recht entscheiden was sie hier eigentlich schaffen wollten. Auf der einen Seite steht der klassische Thrillerstoff um den berühmten Serienmörder, dessen blutiges Treiben in geradezu dokumentarisch exakter Manier dargestellt wird. Tatorte und Vorgehensweise wurden peinlichst genau nachrecherchiert und streckenweise aufgrund der vorhanden Aktenlage exakt nachgestellt. Auf der anderen Seite möchte From Hell auch eine sozialkritische Milieustudie über die Ausbeutung der Unterprivilegierten sein. Diesen Spagat überlebt die Dramaturgie nur teilweise und so schleppt sich From Hell streckenweise auch recht höllisch zäh dahin. Trotz einiger raffinierter Wendungen und stellenweise recht rüder Spezialeffekte mag sich wahre Spannung nicht einstellen, da man hier einfach die richtige Dosis Tempo, die die Geschichte bräuchte schlichtweg vergessen hat. Alles in allem haben wir einen recht anspruchsvollen Thriller mit psychedelischen berauschenden Bildern, dem es jedoch für einen echten Nägelbeißer dann doch etwas an Spannung fehlt.