ACHTUNG:
Dieses Review enthält Spoiler. Wer den Film genießen will, sollte sich dieses Review vorher NICHT durchlesen.
Vorab muß ich sagen, dass ich sehr viele Ripper-Verfilmungen kenne, aber keine, und dass ist ernst, keine kommt an dieses Meisterwerk heran.
Denn der Film ist atmosphärisch gesehen makellos, sehr realistísch in Szene gesetzt. Ich habe gelesen, dass die Hughes Brothers sogar Drehs unterbrochen haben, weil ein Stein oder andere Dinge falsch lagen oder falsch angeordnet waren. Diese Liebe zum Detail ist sehr zu spüren, der Film schafft es, den Zuschauer ins 19. Jahrhundert zurück zu versetzen.Viele Filme wirken aufgesetzt und die Hollywoodschauspieler wirken wie Fremdkörper, weil ihre Rausgeputztheit und ihre Geschniegeltheit immer noch den Eindruck erweckt, dass man es mit hochbezahlten Schauspielern zu tun hat, und nicht mit den Filmcharakteren.Doch hier ist das anders:
alle Schauspieler erwecken ihr Alter Ego zum Leben, die Tatsache, dass sie den wirklichen Menschen, Abberline,Sir William Gull etc..,wirklich ähnlich sehen.Auch bei der Auswahl der Schauspieler wurde Wert auf Realismus gelegt, die Perfektion des Films ist bisher unvergleichbar. Noch nie hat meiner Meinung nach ein Film ein Zeitalter so zum Leben erweckt wie dieser Film.
Zur Story:
In London geschehen im Jahre 1888 grausige Morde. Die Polizei ist ratlos, einschließlich Inspektor Abberline (Johnny Depp).Motiv und Identität des Täters liegen gleichermaßen im Dunklen.Abberline wird zusammen mit seinem Partner (Robbie Coltrane) auf den "Ripper", wie ihn die Presse nennt, angesetzt. Doch Abberlines Vergangenheit holt ihn ein:der Tod seiner Frau und seines Kindes haben ihn traumatisiert und er hat Visionen und hört Stimmen. Mit Opium und Absinth dröhnt er sich zu, in der Hoffnung seine Stimmen los zu werden.Doch in diesem Zug verstärkt das Gift seine hellseherischen Fähigkeiten: er glaubt die Morde in grausigen Alpträumen vorraus zu sehen.Doch sind diese nur bruchstückhaft, und er kommt Mal um Mal zu spät.
Der Mörder killt ausschließlich Huren, und er muß ein gebildeter Mann sein, der etwas von Anatomie versteht, dass ist klar.
Abberline wird auf die Hure Mary Kelly (Heather Graham) aufmerksam, dessen Freundinnen die Opfer des Rippers werden.Sie unterstützt fortan den Inspektor.
So beginnt Abberline seine Ermittlungen, und stößt auf eine Verschwörung, in der die Freimaurer eine Rolle zu spielen scheinen, und die die engl. Krone gefährden kann.
Welche Rolle spielt der junge Arzt,der sich Abberline gegenüber so verdächtig und ablehnend verhält.Auch er ist ein Freimaurer.Oder warum hilft Sir William Gull, der Leibarzt der Königin, Abberline so bereitwillig bei den Ermittlungen.Oder ist es am Ende doch Prinz Edward, der an Syphillis erkrankt sich an den Huren rächen will?
Zur Musik:
Der Score ist sehr kräftig und beeindruckend gemacht, sehr düster. Er wirkt sehr viktorianisch, was dem Film das richtige Flair gibt.Die Musik, die der Plattenspieler spielt, während man den Ripper speisen sieht, fand ich besonders beeindruckend, sehr mysteriös und düster.
Der Score, der den Mordszenen unterlegt ist, ist typisch, erhält zwar die Spannung, ist aber nicht besonders erwähnenswert.
Am wirksamsten sind die Klänge, die bei den Blicken auf das düstere London erklingen, sie bringen das Gefühl des Schicksals, des Grausamen.
Zur Gewalt:
Der Film ist niemals FSK 16-tauglich, die Kehlenschnitte, die abgeschlachteten Leichen und die Szene am Schluß, in der einer während der Kutschfahrt mit dem Gesicht in die Räder gerät, sind echt herb und unbedingt FSK 18!
Zu den Schauspielern:
Johhny Depp ist absolut die richtige Besetzung, den er wirkt immer etwas sonderbar und trotz seines guten Aussehens ist er in diesem Film nicht der Frauenschwarm, der die Frauen betört. Er füllt die Rolle des süchtigen, gebrochenen Mannes sehr gut aus und sein Tod am Schluß wirkt sehr tragisch.
Heather Graham fällt auf unter den anderen Huren, sie sit sehr sauber und passt so gar nicht in das Bild einer Nutte. Doch auch hier ist kein richtiges Manko festzustellen, denn wird in Polizeiberichten die Hure Mary Kelly als sehr hübsch beschrieben, so dass die echte Mary Kelly auch aufgefallen sein muß.
Robbie Coltranes Rolle wird in anderen Reviews immer als toll und bahnbrechend beschrieben, ich kann dem leider keinen Kultcharakter abgewinnen, er spielt seine Rolle konstant gut.
Ian Holm ist als mysteriöser William Gull nicht immer so krank und schwach, wie er vorgibt. Am Schluß dreht er richtig auf und zeigt, was er kann. Er wird am Ende als Jack the Ripper entlarvt, der die Erkrankung und die Heirat ds Prinzen mit einer Nutte vertuschen will und seine Majestät rächen will.Die Szenen,wo bekannt ist, dass er der Täter ist, seind erschreckend und toll gespielt.Ian Holm ist meiner Meinung nach der, der gewürdigt werden muß in diesem Film.
Zur Aufmachung:
Am Anfang werden Blicke auf das düstere London gegeben.Diese Bilder sind meiner Meinung das, was wirklich beeindruckend ist.Toll fotographiert und fulminant in Szene gesetzt ist die Umgebung, das alte London. D8e Armenviertel, die sogenannten Slums von damals sind realistisch nachgebaut.Hier Goofs zu finden wird unmöglich.Die Häuser, die Büros, die Opiumhöhlen, in denen Abberline sich rumtreibt, sind detailgetreu wiedergeben und ich hatte das Gefühl, mich auf einer Reise durch das echte Jahr 1888 zu befinden.
Mehr ist dazu nicht zu sagen, die Ausstattung und die Nachbauten sind klasse.
Ich fand sehr positiv, dass mindestens ein Viertel des Films die damalige Gesellschaft beschreibt.Vorurteile der Polizei ("Der Mörder kann kein Engländer sein. Vielleicht ein jüdischer Fleischer oder so..") werde zum Thema gemacht genauso wie die Armut der unteren Gesellschaftsschicht. Nebensächliche Dinge, zum Beispiel werden die Huren aus einer Absteige rausgeworfen, weil sie nicht für 5 bezahlt hatten, oder das morgendliche Waschem am Brunnen sind genau beobachtet und man findet allerlei zeitgenössische Gewohnheiten und Begebenheiten, die die Perfektion des Films noch zusätzlich abrunden.
Zuletzt möchte ich noch ein paar Worte über die stilistische Aufmachung des Films verlieren.
Bemerkenswert in diesem Zusammenhang fand ich da Motiv mit den Münzen:
Johhny Depp legt einer toten Nutte zwei Münzen auf die Augen, für den Fährmann, der die Tote ins Himmelreich befördert. Wenn sie ihn nicht bezahlen könne, würde sie für immer zwischen den Welten herumirren.Als Johnny Depp am Schluß stirbt, legt ihm Robbie Coltrane auch Münzen auf die Augen, als Symbol. Abberline hat nun seinen Frieden gefunden und ist wieder bei seiner Frau.
Die 2. Sache, die ich bemerkenswet finde, ist dass die Lovestory zwischen Mary Kelly und Abberline nicht den Film beherrscht und eigentlich nur angedeutet bleibt. Es gibt nur einen Kuss zu sehen, und zu einem vereinten Happy End kommt es auch nicht.Der Grad zwischen Happy End (Mary Kelly lebt mit dem Kind glücklich in ihrer Heimat) und Schicksal (Abberline kommt nicht mit und stirbt in einer Opiumhöhle) wirkt sehr gelungen und gibt dem Film nicht die Hollywood-typische Schnulzen.Pointe.
Die letzte Sache ist die Darstellung des Rippers:
während er im Film autaucht spricht er mit verzerrter Sprache, was auch in anderen Reviews kritisiert wurde. Das ganze ist natürlich nur ein Stilmittel, dass die Identität des Rippers schützen soll. Außerdem ist es nötig, dass der Ripper spricht , denn sonst würde die Killerfigur zu sehr in Jason oder Michael Myers-Dimensionen gerückt.Der Ripper ist ein Mensch, der tötet, der auch spricht und lebt. kein Alien mit übernatürlichen Kräften.Es wird bis zum Schluß sehr gut vertuscht, wer der Killer ist, viele Verdächtige werden angeführt, sogar der rassistsiche Polizeichef wird verdächtigt, da er die Juden und den Rest der armen Gesellschaft nicht leiden kann.
Doch es wird ein Stilmittel geben, dass die Hughes Brothers vielleicht absichtlich eingestreut haben, dass sofort erkennen lässt, wer der Ripper ist. Dieses Stilmittel ist so auffälig, dass es wieder unauffällig ist. Mir ist es beim dritten Anschauen erst aufgefallen:
Als die "From Hell"-Briefe bei Abberline eintreffen, liest der Erzähler im Off die Briefe vor.......mit der Stimme von Sir William Gull! Ich war sehr belustigt und fand das sehr gelungen, da es wirklich nicht auffällt, wenn man schon in den Fall und den Film versunken ist, dass man nur auf die Begebenheiten schaut.Der Film ist sehr interessant, sehr genau anzuschauen, denn es fallen immer wieder neue Details ins Auge, die einen Gesamteíndruck des Films noch besser machen.
Großes, spannendes, beeindruckendes Kino:
10 von 10 Punkten!