Filme über den geheimnisvollen und berühmtesten Schlitzer Londons gab es schon viele.
Die Variante der Hughes Brother setzt auf Grusel- und Schockeffekte, die brutale Darstellung der Morde und einen Hauch von Action.
Story: 1888 in London. Inspektor Abberline hat sowohl Frau als auch Kind bei der Geburt seines Sohnes verloren. Um über Trauer und Schmerz hinwegzukommen konsumiert er Opium und Laudanum und verbringt seine Zeit in den Opiumhöhlen der Armenviertel.
Eines Tages, während eines weiteren Drogenkonsums, überkommt ihn eine Vision, in der er einen grausamen Mord an einer Prostituierten mit ansehen muss. Den Mörder kann er nicht identifizieren. Kurz darauf sucht in der Polizeisergeant Godley auf und informiert ihn über einen brutalen Mord an einer Prostituierten.
Besteht etwa ein Zusammenhang zwischen Abberlines Version und dem Mord?
Abberline bekommt die Leitung des Falles übertragen und beginnt seine Ermittlungen in dem Armenviertel Whitechapel. Bald kommt er zu dem Schluss, dass es sich bei dem Mörder nur um einen gebildeten oder in Sachen Anatomie sehr erfahrenen Mann handeln kann.
Mary Kelly und drei andere Prostituierte und Freunde von Polly, dem ersten Opfer, vermuten den Täter allerdings zwischen den Mitgliedern der Knicklestreet Gang, die den Frauen ein paar Tage zuvor mit dem Tod gedroht haben, wenn sie nicht je 1 Pfund pro Woche bezahlen.
Auf Fragen der Polizei reagieren die vier Mädchen jedoch wenig kooperativ und so wendet sich Abberline zunächst an einen Fachmann, um Aufschluss über die Morde zu beziehen.
Er konsultiert den Leibarzt der Königin, William Gull, der nach der Durchsicht der Polizeiberichte ebenfalls davon überzeugt ist, dass der Täter fundierte Kenntnisse über den menschlichen Körper besitzen muss.
Die Zeit wird immer knapper und als ein weiterer Mord geschieht, wieder in den Reihen der Prostituierten, gerät Abberline verstärkt unter Druck.
Als er seinem Vorgesetzten den These der Mörder sei in höheren Kreisen zu suchen unterbreitet stößt er auf Taube Ohren, den solche Schandtaten könnten nicht von einem Engländer herrühren und erwird in seiner Arbeit zunehmend behindert.
Seine Ermittlungen scheinen in eine Sackgasse zuführen, bis er von Mary Kelly erfährt, dass eine Freundin von ihr, eine ehemalige Prostituierte, einen wohlhabenden Mann geheiratet hat und dann eines Nachts auf unerklärliche Weise verschwand.
Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem wohlhabenden Mann um den Kronprinzen Albert handelt. Kommt der Täter etwa aus der königlichen Familie?
Was mir gefallen hat: Unverständlicherweise wurde From Hell nicht an den Originalschauplätzen gedreht, obwohl sich dies doch am besten angeboten hätten. Die Rolle Londons als Schauplatz einer der berühmtesten Mordserie Englands übernimmt Prag, die mit ihrer Altstadt einen geeigneten
Ersatz bietet.
In akribischer Genauigkeit ließen die Hughes Brother Whitechapel und seine Umgebung und die Mordschauplätze nach den (noch vorhanden) Polizei- und Zeitungsberichten rekonstruieren und das Ergebnis ist zugegebenermaßen beeindruckend und die Kulisse bietet einen perfekten Hintergrund zu den im Film geschilderten Morden
Die alten Häuser, die dunklen, schmutzigen Gassen und der Regen versetzen einen sofort ins Jahr 1888 und schaffen eine dichte, glaubwürdige Atmosphäre, die mich keine Sekunde daran hat zweifeln lassen, dass es zu dieser Zeit wirklich so ausgesehen hat.
Ein großer Lob gilt auch dem Casting-Team, dass sich große Mühe gegeben und bei der Wahl der Schauspieler einen guten Spürsinn bewiesen hat. Das Aussehen der Akteure, weist zum Teil eine verblüffende Ähnlichkeiten mit den Originalpersonen auf.
Besonders gut besetzt fand ich in dieser Hinsicht Prinz Albert und die vier ersten Opfer Jack the Rippers.
Von der schauspielerischen Leistung her, sind es Johnny Depp und Ian Holm, die mir am meisten aufgefallen sind.
In Sleepy Hollow hatte Depp schon einmal bewiesen, dass er in der Rolle des vom Schicksal bebeutelten Polizisten eine gute Figur macht. Besonders authentisch spielt er die Szenen, in denen er die Drogen einnimmt und von den düsteren Visionen über die Morde heimgesucht wird. Dies hängt vielleicht mit Depps eigenen Erfahrungen mit Drogen zusammen.
Ian Holm alias Sir William Gull ist (wieder einmal) derjenige, der am meisten in seiner Rolle überzeugt. Sei es nun seine weitreichenden Erfahrungen im Schauspielfach oder sein Talent, besonders zum Schluss spielt er seine Rolle mit einer beeindruckenden Glaubwürdigkeit und Intensität.
Was ich nicht so toll fand:
Leider fehlt es From Hell eindeutig an Tiefe und es benötigt mehr als ein paar Originalschauplätze, einer düsteren und dichten Atmosphäre und sporadisch eingestreuten Schockeffekte, um beim Zuschauer eine Gänsehaut zu verursachen.
Der Verlauf der Geschichte ist zu vorhersehbar und birgt wenige Überraschungen und Wendungen.
Der ganze Film wirkte ohnehin sehr aufgesetzt und emotionslos.
Die Morde, so brutal sie in Wirklichkeit auch gewesen sein mögen, hätten vielleicht nicht so deutlich dargestellt und in den Vordergrund gerückt werden müssen. Zwar bekommt der Zuschauer den Vorgang der Morde nie augenscheinlich zu Gesicht (was einige Zuschauer bei einem Film mit diesem Titel wohl mächtig enttäuschend wird) und auch die Kameraschnitte auf den Körper der Leichen sind so schnell, dass nur sehr flinke oder geübte Augen etwas erkennen können. Doch wird das matschige Geräusch und die dunkle, über den Körper gebeugte Gestalt schon ausreichen, um so manchem Zuschauer dem Geschmack an seinen Popcorn zu verderben.
Gegen Ende des Filmes erfährt die Inszenierung der Morde noch eine kleine Steigerung.
Aber hier werden dem Zuschauer Details wie aufgeschlitzte Kehlen, aus denen Blutfontäne spritzen, der Anblick einer halben Niere und ein Herz in Jacks Hand „geboten“. Für manche nicht unbedingt das Maß aller Dinge und meiner Meinung nach hart an der Grenze zur FSK 18.
So tatgetreu die Morde auch sind, die ursprüngliche Person Jack the Rippers wird durch ihre eigenen Morde in den Schatten gedrängt und die Hauptfigur des Filmes gerät viel zu sehr in den Hintergrund.
Lediglich gegen Ende des Filmes bekommt Jackie seinen großen Auftritt und darf den Zuschauer gehörig das Fürchten lehren.
Die Kriminalgeschichte die mit dem Fall Jack the Ripper zusammenhängt wir ebenso vernachlässigt wie die Person selbst.
Die beiden Regisseure haben sich sehr, mit dem Einbauen versteckter Hinweise zurückgehalten und die Aufklärung der Morde gestaltet sich sehr oberflächlich, so dass die Schlüsse, die Abberline aus den Beweisen zieht dem Zuschauer ein ebenso großes Rätsel bleibt, wie die wahre Identität Jack the Rippers.
Des weiteren halte ich es für fraglich und unrealistisch, dass Abberline den Fall aufgrund seiner Visionen löst. Zwar können Drogen Halluzinationen erzeugen, aber diese können nie in einer solchen Genauigkeit mit realen Geschehnissen übereinstimmen.
So pendelt From Hell ganze zwei Stunden zwischen dem Krimi und Horror Genre hin und her ohne jedoch wirklich zu fesseln.
Heather Graham (Austin Powers) halte ich für eine totale Fehlbesetzung. Zum eine hat sie nicht die geringste Ähnlichkeit mit der echten Mary Kelly und zum anderen braucht es mehr als zwei hellblaue, mitleidserregende Kulleraugen um Schauspieler zu werden. Zu keinen Zeitpunkt des Filmes kann sie in ihrer Rolle überzeugen. Man könnte meinen, dass eine Prostituierte Angst bekommt, wenn in ihrer unmittelbaren Umgebung mehrer Huren bestialisch ermordet werden und dies auch noch in ihrem engsten Bekanntenkreis. Nun bei Miss Graham erkennt man nicht die geringste Spur von Angst oder auch nur Besorgnis.
Auch Robbie Coltrane (Harry Potter, Goldeneye) hat schon bessere Zeiten gesehen. Er wirkt meistens teilnahmslos und man bekommt den Eindruck, er sei nu schmückendes Beiwerk, da jeder Ermittler stets einen treuen Freund und Gefährten an seiner Seite haben muss.
*Achtung, Riesenspoiler!*
Ich mag es nicht, wenn in einem Film historische Tatsachen verdreht, verändert oder gar gänzlich außer Acht gelassen werden, nur um dem Film das in heutigen Filmen vielleicht nötige Happy End zu liefern.
Die Hughes Brothers haben überall laut angekündigt, DEN Film über Jack the Ripper zu drehen und sich genausten an Zeitungs-, Polizei- und Augenzeugenberichten zu halten. So kann ich es nicht verstehen, warum anstatt Mary Kelly in From Hell eine andere Prostituierte (die in keinem, der noch erhaltenen Bericht auftaucht) ermordet wird.
Es ist nun einmal bewiesen, dass Mary Kelly das letzte Opfer von Jack the Ripper war und somit gibt dies schon einmal einen Abzug in Sachen Echtheit.
Außerdem mordet Jack the Ripper in diesem Film nicht wahllos jede Hure, die ihm begegnet, sondern beseitigt auf seine Art und Weise unliebsame Augenzeugen. Bevor er die Hure tötet beugt er sich über sie und müsste somit sofort erkannt haben, dass sie nicht die richtige ist.
From Hell arbeitet mit der möglichen These, dass Jack the Ripper im Auftrag des Königshause gemordet hat oder der Mörder sogar selbst aus der königlichen Familie stammt. Es wäre reizvoller gewesen, wäre die Identität des Rippers unbekannt geblieben.
Zwar gehört der Leibarzt der Queen, Sir William Gull, einige Zeit dem Kreis der Verdächtigen an, wurde aber weder verhaftet noch verhaftet und es ist nie bewiesen worden, ob er überhaupt mit den Morden in Verbindung gestanden hat.
Mein Urteil:
Die passende, dichte Atmosphäre und die zum Teil gut besetzten und hervorragenden Schauspieler, trösten nicht über die großen Schwächen des Drehbuches hinweg.
From Hell krankt an der Tatsache sich nicht zwischen Krimi und Horrorfilm entscheiden zu können. Somit wird dem Zuschauer ein bisschen von beiden geboten. Beides ist jedoch wenig überzeugend.
Kleine Anmerkung zum Schluss:
Während des Sehens ist mir ein kleiner Fehler aufgefallen:
Der Kutscher und Komplize von Jack the Ripper hat ein verstümmeltes Ohr. Während der Unterhaltung der beiden, in denen der Kutscher gesteht, dass er die Morde nicht mehr länger mit ansehen und ertragen kann hat er allerdings zwei heile und gesunde Ohren.