Review

Wir schreiben London 1888: Wenn die Sonne untergegangen ist, wird es düster, gar gespenstisch in den Gassen der Großstadt. Es ist die Zeit, in der die Prostituierten sich ihr mageres Geld verdienen. Ein Mann hat es allerdings auf sie abgesehen und hinterlässt Nacht für Nacht eine Frauenleiche - "From Hell" hat sich hier dem legendären Jack the Ripper-Fall angenommen, bietet jedoch leider keine historisch exakte Umsetzung des Stoffes. Das wollten die Hughes-Brüder aller Wahrscheinlichkeit nach aber auch gar nicht und vermieden strikt, den Protagonisten den Namen Jack the Ripper nun tatsächlich in den Mund zu legen. So präsentiert man eine durchaus an den Fall angelehnte, letztendlich aber mit viel frei Hinzugesponnenem bestückte Kriminalgeschichte.

Der Frauenmörder hier jedenfalls hinterlässt übel zugerichtete Leichen: Die Kehlen sind durchgeschnitten und Organe teilweise entfernt; oft auch in der Unterleibsgegend. Die Regisseure Albert und Allen Hughes erzeugen ein Grauen, indem sie die Brutalitäten einerseits detailliert beschreiben lassen und anderseits die Ergebnisse zum Teil mit überraschender Härte zur Schau stellen. Nur ganz selten wird ein Mord explizit visualisiert; ein herber Kehlenschnitt bleibt dabei allerdings in Erinnerung. Kommt der Ripper einer Prostituierten näher, wird also eine hervorragende Spannung erzeugt; nur gerade zwischen den Morden mangelt es leider ziemlich oft an ihr.

Ärgerlich sind so einige auftretende Logikbrüche, die der stimmungsvollen, mit passenden Kostümen und Kulissen entworfenen Atmosphäre das Brennholz rauben. Das fängt bei einem unrealistisch labilen Polizeiarzt an und hört bei dem oftmals einfach nur debilen Verhalten der Prostituierten auf. Allein die Tatsache, dass sie alle befreundet sind, ist, wo sie doch eigentlich am Hungertuch nagen und erbitterte Konkurrentinnen sein müssten, reichlich unglaubwürdig. Auch die ihm bei seiner Arbeit scheinbar helfenden Opiumvisionen von Hauptfigur Inspector Abberline bleiben äußerst abstrus. Überhaupt ist Johnny Depps Darstellung allenfalls nur solide, wobei dem Drehbuch mit seiner faden Anlegung des Inspectors jedoch sicherlich ebenfalls eine erhebliche Teilschuld zukommt.

Das Endprodukt der Gebrüder Hughes ist optisch mehr als annehmbar, durch einige Spannungsdefizite und einem unausgegorenen Drehbuch aber leider auch etwas schal. Man muss Albert und Allen Hughes vorwerfen, hier deutlich Potenzial verschenkt zu haben. Daran ändert auch ein nettes, eingebautes Déjà-vu-Erlebnis an David Lynchs "Der Elefantenmensch" nichts. (Noch 7/10)

Details
Ähnliche Filme