"From Hell" ist einer dieser Filme, die man einfach toll finden möchte: Das viktorianische London - die Mystik um Jack the Ripper - Johnny Depp & Heather Graham - okkulte Rituale - das düstere Whitechapel, all das könnte als Fundament für ein Meisterwerk des atmosphärischen Thrillers dienen, aber es bleibt leider beim Konjunktiv. Es hat in meiner Jugend insgesamt drei Anläufe gebraucht, um diese Comic-Verfilmung zu Ende zu schauen und ich habe mich lange gefragt, wieso? Mittlerweile weiß ich: From Hell ist, ganz wie die Leistung seiner beiden Hauptdarsteller, biederster Durchschnitt, der nicht mehr kann als einfach gut auszusehen.
Die Story, eine Comic Adaption rund um die Morde Jack the Rippers, ist vorhersehbar und platt, ohne die dazugehörige Optik eigentlich gar nicht der Rede wert - sie basiert lose auf den Ermittlungen rund um die Whitechapel Morde und versucht dem Mythos eine neue Deutungsmöglichkeit hinzuzufügen: Inspektor Abberline, geplagt von Visionen der Rippermorde und gespielt von Johnny Depp, ist opiumabhängiger Witwer, der die Kriminalfälle rund um den Prostituiertenmörder aufklären will und dabei der hübschesten, gespielt von Heather Graham, näher kommt - auch wenn die Romanze kaum nachvollziehbar ist.
Positiv hervorzuheben bleibt eigentlich nur der Look, denn alles andere bewegt sich auf schwachem bis durchschnittlichen Niveau. Die Geschichte entfaltet sich absehbar, die Darstellerleistungen sind absolut trivial und die Beziehungen der Figuren bleiben konstruiert und unverständlich. Keine Figur besitzt die nötige Tiefe oder Identitfikationspotential, um irgendwie so etwas wie Mitgefühl beim Zuschauer hervorzurufen. Nachdem alles etwa 90 Minuten dahindümpelt, wird im letzten Viertel des Films eine obskure, aber ebenso belanglose Freimaurer- und Vertuschungsstory als Auflösung präsentiert, die nicht dafür entschädigen kann, dass Johnny Depp hier eine seiner uninteressantesten Figuren überhaupt verkörpern musste.
4/10