Review

Die alte Leier.
Das liebe Geld.
Ganovenehre und ihre Nichtexistenz.

Auch in der Verfilmung von Donald E. Westlakes "The Seventh" [ DT: "Parker und der Amatuer", 1966 ] ist nach dem Coup vor der Aufteilung der Beute; demgemäss steht der Originaltitel des Filmes The Split passgenauer für die erzählte Problematik.
Die durcheinandergewürfelten Experten sind sich bereits bei der noch taktischen Planung und Vorbereitung uneins darüber, wem man trauen kann und wem nicht; die Antwort für Jeden lautet natürlich: Keinem. Man braucht sich die Leute gar nicht genauer ansehen, um spitzukriegen, dass Alle nicht nur Asse auf ihrem Gebiet sind, sondern auch nicht abgeneigt, mit mehr als dem vereinbarten Anteil aus der Tür zu spazieren.
Trau, schau, wem als das Motto der Figuren und der Handlung; nicht als Krimi präsentiert, sondern als nur nach Innen berstender, vor emotionsloser Kälte [= verwechselt mit Coolness] strotzender Thriller.

Westlake sorgt mit der Vorlage für Point Blank und der für Revolte in der Unterwelt für die speziell abgebrühte Mischung aus Professionalismus, Intelligenz, Interessen und deren Konflikte und der reglementierenden Teilnahmslosigkeit, die die Routiniers in der Handlung umgibt. The Split verfolgt dieses Motto; die Details und die Art der Inszenierung sind wichtiger als die Geschichte selber und erschaffen auch erst dadurch die Abhebung von anderen big caper movies. Kein lakonisch - schwarzbetäubtes Rififi hier. Kein postkartengleissendes Topkapi und auch nicht das sportlich - ironische Die Gentleman bitten zur Kasse; vom gesellschaftpolitisch interessierten Der Anderson - Clan ist man ebenfalls Lichtjahre entfernt. Erschöpfende Ambitionen fehlen nämlich gänzlich. The Killing - Die Rechnung ging nicht auf könnte noch eher als Inspiration gestanden haben; wird aber auch nur in Grundzügen herangezogen und hat auch Jahre vorher bereits ein Stück abgeschnitten, dass saftiger war als die hiesig eher magere Restanz.
Wo dort eine Pferderennbahn ausgeraubt wird, steht hier ein Footballstadion am Spieltag auf dem Ziel. Die Anzahl der Mitstreiter ist gleich identisch und der Flughafen wird am Ende auch angesteuert. Das wars neben der allenthalben nüchternen Präsenz aber auch schon an Gemeinsamkeiten.

Anführer McClain [ Jim Brown ] kam nicht aus dem Gefängnis, aber viel besser ist es ihm die letzten Jahre auch nicht ergangen. Er verliess seine Frau Ellie [ Diahann Carroll ], die ihm nach seiner Rückkehr mit Hassliebe begegnet und er hat nichts erreicht in der Zeit. Die Bekannte Gladys [ Julie Harris ] finanziert ihm den nächsten, den mutmasslich grossen Coup: Die Tageseinnahmen des Stadions stehlen. 500.000 Dollar. Die ganz grosse Kasse [ TV - Titel ].
Geld, dass heute zwar nicht mehr wirklich als Vermögen betrachtet wird, aber man sich damals noch genüsslich auf der Zunge zergehen liess. Und von der Kamera auch so dermassen häufig und leckermäulig abgefilmt wird, dass es letztlich nicht nur wie ein Fetisch, sondern definitiv als Riesensumme und damit begründetes Motiv für Mord und Totschlag erscheint.
McClain macht sich an die Rekrutierung der richtigen Mitarbeiter.

Auch nun oft alles beim Alten. Nur manchmal durch den formlosen Stil von Gordon Flemyng auf dem Regiestuhl angereichert und aus der Belanglosigkeit gehebelt, aber es auf Dauer knietief wieder dorthin versenkt. Die anfängliche Ehedramatik nebst Quincy Jones souliger Untermalung zu glutrotem Sonnenuntergang am Meer verschwinden ebenso wie die Hinweise zur gegenwartsnahen Blaxploitation und die Spielereien mit der split screen. Brown erscheint im Vorspann als Erstes, danach Carroll und Harris. Für den Rest, der aus den eigentlichen Hochkarätern Warren Oates, Ernest Borgnine, Donald Sutherland und Jack Klugman besteht, haben die credits nur ein müdes "in weiteren Hauptrollen" über.

Gleichzeitig zu Recht und auch nicht. Der Film in seinen Ausagen und der Aufmachung ist ein diametraler Widerspruch in sich. Brown trägt das Unausgegorene ein gutes Stück; er schultert es als Mann in der Mitte. Die Hauptfigur, die alles organisiert und zusammenhält. Sein McClain ist in allen Belangen ebenso geschickt wie die Komplizen auf ihrem jeweiligen Sachgebiet. Ein "Schlaumann von Nigger".
Er unterzieht den noch Unwissenden Tests als nonverbale Bewerbungsgespräche, in denen bereits mit scharfer Munition und Gefahr für Leib und Leben hantiert wird. Auch für ihn selber. Der nächste Fehler könnte der letzte sein. Jederzeit obacht und aufmerksam. Die Gewalt liegt noch lauernd auf die Pirsch; bereit, jederzeit hervorzuspringen und seinen zentralen Platz einzunehmen.
Die ausgewählten Kandidaten bereichern den angemessen vorstellbaren Erzählrahmen um die nötigen Eckpfeiler. Allesamt Charakterköpfe, ausdrucksvoll hervorstechend bis ins Mark. Fähig, auch aus der zweiten Reihe Hebung und Senkung von Rhythmus zu beeinflussen, was sie aber nicht ausgiebig genug in die Waagschale werfen können. Jeweils kurz vor ihrem Durchbruch stehend [ z.b. hatte Sutherland noch M.A.S.H. und Stosstrupp Gold vor sich; von Klute und Wenn die Gondeln Trauer tragen gar nicht zu reden. Bei Oates kommen die Peckinpahs und Jagd auf Dillinger erst noch. Bei Klugman Männerwirtschaft und...ja...Quincy ] dürfen sie noch nicht so richtig und werden ohne inszenatorische Anweisungen in der gestalterischen Dunkelheit gelassen.

Als sich die Footballspieler auf dem Feld für den any given sunday aufwärmen, ist der Film bereits kurz vor Halbzeit. Der eigentliche Anstoss ist längst erfolgt und man befindet sich langsam in der heissen Phase. Alles ist eingefügt. Flemyngs unaufdringliche Skizze ist weniger ein Diktat denn eine lockere Anordnung. Das schon stramme Tempo entsteht aufgrund der Kürze von 86min und der überlegten Handgriffe, die nur effektiv Notwendiges in den Sichtkreis des Zuschauers lassen, aber dennoch die eigene Aufmerksamkeit erkämpfen muss:
Für die Beteiligten ein langer Nachmittag, für den Zuschauer ein Wechselspiel aus abgebremsten Thrill und keimender Aggression; aus Hoffen und Bangen. Nicht um die eh unsteten Personen, sondern darum, ob noch eine wirklich gescheite Synthese dabei herumkommt.

Dem ist nicht so; nach dem Überfall ist leider die Luft raus. Zwar kann man verschiedene aussenstehende Aspekte einbringen, die die Aufteilung des Blutgeldes nicht nur hinauszögern, sondern ganz zunichte machen. Eröffnet damit auch gleich neue, noch uninteressante Perspektiven. Aber das alles führt zu nichts; vor allem Gene Hackman [ vor French Connection, Höllenfahrt der Poseidon und Der Dialog ] als ermittelnder Lt. Brill ist eine unbeachtete, gar nutzlose Figur. Damit wird nur das Schema von vorausschauend überlebensgrosser Besetzung im Kontrast zum kleinen Schauplatz und winziger Thematik weiter ausgeschöpft; spätestens final wirkt man wie ein viel zu gut gecastetes B - picture. Der Showdown auf einem rostigen Kahn als einziger formeller Ausbruch verstärkt noch einmal den Eindruck, dass man sich viel zu sehr in der Verneinung grossflächiger Projektionen abgibt. Der deutsche [und auch noch völlig unpassende] Titel als alleiniger reisserischer Effekt; alles Andere viel zu diskret. Ohne Schnickschnack ist ja schön und passt zu Westlakes Schreibe. Aber doch nicht so bescheiden. Fehlgeleiteter Neorealismus in Verbindung mit einem TV Serienregisseur ist nichts fürs Actionkino.

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