Auf dem Papier muss das Projekt „Ticker“ wohl recht gut ausgesehen haben – schließlich waren alle Zutaten (zumindest für einen unterhaltsamen Actionfilm) gegeben:
Mit Tom Sizemore („Saving Private Ryan“ / „Bringing out the Dead“ / „Black Hawk Down“) konnte ein prominenter Hollywood-Star für die Hauptrolle verpflichtet werden, der neben erfolgreichen Großproduktionen in seiner Filmographie zudem noch mit einem hervorragenden Ruf als Schauspieler aufwarten konnte.
Seinen Gegenspieler sollte Altstar Dennis Hopper („Apocalypse Now“ / „Blue Velvet“ / „Speed“) darstellen, für die dritte Hauptrolle engagierte man (Ex-) Action-Ikone Steven Seagal („Under Siege“ / „Exit Wounds“).
Weitere Rollen wurden zusätzlich mit bekannten Gesichtern des B-Films (wie Jaime „Torque“ Pressly, Peter „Pulp Fiction“ Greene, Norbert „Nemesis“ Weisser, Kevin „Con Air“ Gage, Michael „Mean Guns“ Halsey oder Ice-T aus „Surviving the Game“) sowie angesagten Vertretern der Musikszene (wie Nas oder Chilli (ein Teil von „TLC“)) besetzt.
Die Story kam genretypisch daher, versprach aber zumindest viel Action – hauptsächlich in Form von spektakulären Explosionen…
Doch die Produzenten begingen zwei gravierende Fehler, welche das Projekt schlussendlich zum Scheitern verurteilten:
1.) Sie verpflichteten Albert Pyun für die Regie. Zwar hat Pyun mit „Nemesis“ bewiesen, dass er Actionszenen effektiv gestalten kann, oder mit „Blast“ und „Postmortem“, dass er sich wenigstens als Routinier eignet, doch die wenigen „annehmbaren“ Filme seiner langen Karriere (neben den erwähnten Beispielen auch noch „Mean Guns“, „Cyborg“ oder „Adrenalin – Fear the Rush“) sind in der deutlichen Unterzahl und eigentlich nur in B- oder Trash-Film-Kreisen beliebt.
2.) Wahrscheinlich aus Budgetgründen entschied man sich, die vornehmlich aus Explosionen bestehenden Actionszenen nicht selbst zu inszenieren, sondern auf „Stock Footage“ zurück zu greifen. Wenigstens hat man eher unbekannteres Material in den Film eingefügt, so dass man nicht noch Einstellungen aus Big-Budget-Genre-Highlights wieder erkennen muss, doch dieses hineineditieren wurde so schlampig vorgenommen, dass es von Irritationen und Anschlussfehlern nur so wimmelt. Wenn ein Apartmenthaus gesprengt wird, man aber ein explodierendes Motel zu Gesicht bekommt, ist die Schmerzgrenze deutlich überschritten – und es gibt viele solcher Fehler, beispielsweise Einstellungen mit verschiedenen Hubschraubertypen in einem Verlauf oder völlig unpassende Hintergründe (wie weite Parkflächen bei einer Detonation, die eigentlich am Industriehafen stattfindet)…
Die Geschichte ist schnell erzählt und eigentlich nicht der Rede wert: Terrorist Swan (Hopper) bedroht die Stadt mit Bombenanschlägen, Cop Nettles (Sizemore), dessen Partner (Nas) Swan „natürlich“ auf dem Gewissen hat, begibt sich auf die Jagd und erhält dabei Unterstützung vom Bombenexperten Glass (Seagal)…
Man muss schon sagen: Der Film offenbart viele hoffnungsvolle Ansätze und vermag keinen einzigen zu nutzen. Größtes Manko bleibt die stümperhafte Verwendung des „geborgten“ Materials, doch auch die restlichen Szenen werden durch Pyuns Regieunvermögen ruiniert – die Kampfszenen von Seagal sind mies geschnitten und werden wohl von einem Körperdouble bestritten, die Dialoge sind fast lachhaft, alles ist irgendwie steril und nicht sehr aufregend inszeniert. Ich habe noch nie gesehen, dass die Entschärfung einer Bombe während eines Showdowns je langweiliger und unspektakulärer dargestellt wurde. Technischer Overkill (im negativen Sinne) ist jedoch die Blue-Screen-Autofahrt von Hopper und Jaime Pressly – unnötiger und unrealistischer kann man eine solch „einfache“ Szene nun wirklich nicht abliefern!
Tom Sizemore tat sich während der Dreharbeiten wohl auch selbst leid – derart lustlos und gelangweilt wirkt er jedenfalls. Hopper spult seine Standard-Bösewicht-Routine ab und Seagal darf mal wieder fernöstliche Weisheiten von sich geben (wenigstens er hatte Spaß, was sich bei seinem zusätzlichen „Cameo“ als Musiker in einer Bar bestätigen lässt).
Fazit: „Ticker“ ist trotz der guten Besetzung aus Gründen der stümperhaften Inszenierung wohl nur ganz hart gesottenen und anspruchslosen B-Film-Fans zu empfehlen – es gibt zwar viel Action, doch Albert Pyuns Regie und der schlechte Einsatz von „Stock Footage“ vermiesen selbst die. Man sollte sich aber klar darüber sein, dass es noch deutlich schlimmere Werke (gerade von Pyun höchstpersönlich) gibt … daher dann doch 2 von 10.