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Anfang des Jahres war es (bei uns), als Disneys erster vollständig am Computer entstandener Film in die Kinos kam, nachdem man sich unlängst dafür entschieden hatte, die Studios für Kinozeichentrickfilme zu schließen, da man ja damit angeblich keinerlei Geld mehr machen kann, was für Amerika allerdings auch durchaus zutreffen mag. "Chicken Little" wurde deshalb logischerweise zwar von der Kritik verrissen, kam im Kino dafür aber umso besser an, wenn auch nicht ganz auf der Erfolgswelle schwimmend, wie die großen Pixar- oder Dreamworksfilme. Mit "Tierisch Wild" geht es ein gutes halbes Jahr später nun schon in die nächste Runde. Und nach anfänglicher Skepsis kann ich nun sagen, dass es Disney auch dieses Mal wieder geschafft hat, einen unterhaltsamen Film für die ganze Familie zu zaubern.

Und das obwohl man Disney fast vorwerfen könnte, einen beliebten Dreamworksfilm als Vorbild genommen zu haben. Denn "Tierisch Wild" wirkt anfangs wirklich wie das Disney-Abziehbild des Erfolgshits "Madagascar". Das dem aber nicht so ist, dass dürften aufmerksame Cineasten bereits in den Kritiken gelesen haben, denn das Drehbuch zu "Tierisch Wild" war eigentlich schon vor "Madagascar" fertig gewesen und somit ist es eher als Pech für Disney zu bezeichnen, dass es der Dreamworksfilm eher in die Kinos geschafft hatte, als das hauseigene Produkt. Und alles in allem ähneln sich auch nur die Grundelemente, wenn auch recht deutlich. Denn dieses mal sind es ein Löwe, eine Schlange, eine Giraffe, ein Eichhörnchen und ein Koala, die aus dem Zoo ausbrechen, um ein abhanden gekommenes Löwenjunges wiederzufinden. Ihre Reise führt sie weit weg auf eine paradisische Insel, auf der sie es u.a. mit einer wilden Herde Gnus aufnehmen müssen und vielen Gefahren mehr. Wie schon gesagt, wirklich innovativ kann die ganze Geschichte auf den Zuschauer einfach nicht mehr wirken, sofern er sich schon "Madagascar" angeschaut hat. Denn auch wenn sich der Grundkern hier mehr um einen entlaufenes Löwenjunges dreht, als um ein paar Tiere die unbedingt aus dem Zoo ausbrechen wollen, so sind eben die meisten Grundzüge die Gleichen, was eigentlich kaum ein Zufall sein kann, auch wenn es anscheinend wirklich so ist. Von daher sollte man sich auch lieber auf die Figuren konzentrieren und auf die Gags, denn dann kann es doch etwas mit der Unterhaltung werden.

Denn was die Figuren angeht, so ist der Brüllfaktor wirklich beachtlich geworden. Vor allem drei der Ausbrecher-Tiere machen das Abenteuer hier so verdammt witzig. Das wäre zum einen ein Eichhörnchen, welches in eine Giraffe(!) verliebt ist und dieser nicht nur einmal den Hof macht. Dann eine völlig verblödete Schlange, die mit ihrem großen Mundwerk nicht selten den Unmut seiner Freunde auf sich zieht. Und dann natürlich der zynische, wirklich rasend komische, Koala, der es kurze Zeit sogar schafft der König der Gnus zu werden, obwohl er doch alles in allem mehr Glück als Verstand hat und auch immer wieder den Sticheleien seiner Freunde ausgesetzt ist. Wenn auch nur einer dieser drei Spaßvögel die Bühne betritt, dann ist Lachen garantiert. Aber auch die beiden Hauptfiguren, Löwe Samson und sein Sohnemann Ryan, sind sympathische Wesen und Giraffe Bridget, macht die weibliche Note in der Männerrunde perfekt.

Aber auch sonst können die Gags durchgehend überzeugen. Und wer jetzt denkt, dass bei Disney nur harmlose Jokes zu erwarten sind, der täuscht sich mal wieder gewaltig. Denn auch wenn der Biss eines "Shreks" noch nicht ganz erreicht wird und die familienfreundlichkeit durchgehend bewahrt bleibt, so haben es die Witze hier doch mitunter faustdick hinter den Ohren, so das auch Erwachsene ihren Spaß haben können. Egal ob es der Koala im Popcorn-Tütü ist, Eichhörnchen Bennys ständige Liebeleien mit Giraffe Bridget oder auch so manche Anspielungen, bei denen Kiddies nur verwundert ihre Eltern anschauen, die sich während dessen schieflachen. Jedenfalls war es in der von mir besuchten Kinovorstellung doch recht auffällig gewesen, dass die Großen hier an mancher Stelle mehr Spaß hatten, als ihre Kinder. Und das dürfte für den ein oder anderen vielleicht doch ein gutes Zeichen sein.

Aber nicht nur die Jokes passen soweit recht gut ins Geschehen auch das hohe Tempo des Films überrascht für einen Disney. Schon von Anfang an geht es recht knackig zur Sache und im Laufe der 80 Minuten Film kommt man auch kaum zur Ruhe, da hier wirklich ein Ereignis auf das Nächste folgt. Die sonst von Disney so gefürchteten Moralkeulen bleiben hier eher aus, bis auf eine kleine "Vater u. Sohn haben sich ganz doll lieb"-Szene am Ende, bleibt dieser Disney doch eher entfernt von Moralpredigten. Und auch das dürfte man auch als positiv bezeichnen.

Was dafür allerdings etwas schade ist, ist die Tatsache, dass der typische Disney-Charme dafür eher auf der Strecke bleibt. Durch das wirklich hohe Tempo, welches aber auch ab und im Chaos endet, sowie der dadurch nur wenigen Zeit für die Vertiefung der Charaktere, kann man von einer wirklich charmanten Geschichte nicht mehr wirklich reden. Wer mit dem Disney-Charme noch nie etwas anfangen konnte, den wird das zwar kaum stören. Doch richtige Disney-Freaks (so wie ich) werden sicher auch hier wieder die Sympathie und den Charme der alten Zeichentrickklassiker vermissen. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass dieser Kraftakt auch ziemlich schwierig sein dürfte. Denn Computeranimationen können nun mal nicht an die (mitunter atemberaubenden) Sympathiewerte eines handgezeichneten Zeichentrickfilm herankommen und seien sie noch so perfekt. Das sind einfach andere Qualitäten die diese Filme ausstrahlen, an die man sich aber als Fan der alten Zeichentrickfilme nur schwer gewöhnen kann, auch wenn z. Bsp. Pixar schon sehr, sehr nah an diese Qualitäten herankommt. Disney muss das in seinen computeranimierten Filmen jedenfalls noch etwas üben!

Was die handwerklichen Aspekte von "Tierisch wild" angeht, kann man allerdings wieder vollkommen zufrieden sein. Die Animationen sind prächtig und wesentlich besser ausgefallen, als beim Dreamworksfilm. (Deshalb wahrscheinlich auch die Verzögerung) Auch wenn die Qualität eines Pixarfilms immer noch in weiter Ferne zu sein scheint, so kann man mit den Animationen doch wirklich gut leben und viel Spaß haben. Vor allem die Animationen des Himmels, so wie die des Koalas und der Schlange sind wirklich prächtig geraten. Eine knackige und explosive Sounduntermahlung, sowie eine wunderbare Musikuntermahlung (bei welcher die Lieder dieses mal übrigens nicht alle ins Deutsche übertragen wurden) machen den technischen Eindruck dann fast schon perfekt.

Und natürlich darf auch die prächtige Synchronisation nicht unerwähnt bleiben. Disney hat wieder ein wunderbares Team zusammen gerufen, die den Figuren optimal ihre Stimmen leihen. Da hätten wir z. Bsp. Thomas Danneberg, der dem Eichhörnchen Benny seine, nach wie vor, markante und unterhaltsame Stimme leiht. Dann Mirja Boes, die ich persönlich zwar überhaupt nicht leiden kann aber als Giraffe Bridget dennoch eine ansehnliche Figur macht (bzw. spricht). Noch besser wird es da allerdings im Original, wo u.a. Kiefer Sutherland den Oberlöwen Samson ins Mikrofon raunt und James Belushi als Benny zu hören ist. Na und William Shatner ist als Kazar auch nicht zu verachten. Kurzum, in Sachen Synchronisation ist der neuste Disney mal wieder so perfekt, wie eh und je!

Fazit: "Tierisch wild" ist ein weiteres knackiges und unterhaltsames Animationsspektakel aus dem Hause Disney, das zwar auf den ersten Blick wie eine Kopie von "Madagascar" wirkt, aber doch genügend eigenes Potenzial besitzt und die Arbeit daran zudem wesentlich eher angefangen wurde, als beim (im Gesamtbild gesehen dennoch leicht besseren) Dreamworks-Konkurrenten. Vor allem die Figuren machen dieses mal die Musik, aber auch die Gags, die nicht nur die Kleinsten unter uns bedienen, haben es durchaus in sich. Dazu perfekte Animationen und eine optionale Sounduntermahlung. Nur den, schon längst abhanden gekommenen, Disney-Charme der alten Filme vermisst man auch dieses mal wieder schmerzlich. Deshalb gibt es von mir auch dieses mal wieder, die für neue Disney-Filme fast schon üblichen, 7 von 10 Punkte, die sich "Tierisch wild" aber auch redlich verdient hat. Leider oder auch Gott sei Dank, je nach dem aus welchem Blickwinkel man es betrachtet!

Wertung: 7/10 Punkte

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