Dänemark 1999, ein Film betritt das Rampenlicht! Und was für ein Film...Vor diesem Film verband ich mit Dänemark eher das legendäre "Danish Dynamite" - die Fußball-Kicker um Brian Laudrup und seinen Bruder Michael, die 1992 das Unmögliche schafften und uns, die deutsche Nationalmannschaft, im Finale der EM besiegten und Europameister in Schweden wurden.
Doch spätestens seit dem Film "In China essen sie Hunde" von Lasse Spang Olsen ist der dänische Film mindestens genauso bekannt, wie die Kicker von 1992...
Olsen hat einen Überraschungserfolg gelandet, der in nichts gewissen Kultfilmen von Quentin Tarantino oder Guy Richie nachsteht. Er hat einen Meilenstein der Kinounterhaltung geschaffen, der wohl lange nicht getoppt wird...auch nicht von ihm selbst - so wie das Danish Dynamite wohl auch lange den Erfolg von 1992 nicht toppen wird...
Zum eigentlich Film:
Arvid (Dejan Cukic) ist Bankangestellter. Und was ist das Klischee von Bankangestellten?? Richtig! Sie sind absolut langweilige Zeitgenossen. Jedoch stört dies Arvid keineswegs, denn er ist absolut zufrieden mit seinem Leben. Er hat einen seriösen Job, eine Freundin und eine Wohnung. Was braucht man mehr im Leben? Leider teilt diese Ansicht seine Freundin Hanne (Trine Dyrholm) nicht, denn sie findet Arvid mit zunehmender Dauer der Beziehung nur noch langweilig. Also beschließt sie kurzerhand ihre Sachen zu packen und aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen. Dies passiert just an diesem Tag, als Arvid zum Held wird - zwar eher ungewollt, aber Held ist nun mal Held. Er vereitelt mit einem Sqush-Schläger einen Bankraub, da er in einer Kurzschlußreaktion eben diesen über den Kopf des Räubers schlägt und diesen damit Knock-Out setzt.
Doch von da an beginnt das eigentliche Chaos in Arvids sonst so langweiligen unbeachteten Dasein: auf einmal überschlagen sich die Ereignisse. Eine unbekannte Frau (Line Kruse) steht plötzlich vor seiner Tür, die sich als Frau des Bankräubers, der durch Arvids Verschulden im Knast sitzt, ausgibt. Sie macht ihm unverholen den Vorwurf für ihr Pech nun verantwortlich zu sein, denn ihr Mann wollte lediglich das Geld für eine künstliche Befruchtung klauen, eine Befruchtung mit der ihr Leben ein Leben des Glücks geworden wäre. Doch nun steht sie vor einem Trümmerhaufen, denn ihr Mann sitzt im Gefängnis und mit der künstlichen Befruchtung wird es natürlich auch nichts. Und hier kommt Arvids Bruder Harald (Kim Bodnia) ins Spiel. Harald ist das absolute Gegenteil von Arvid. Es ist also kein Wunder, dass sie sich schon ewig lang nicht mehr gesehen haben. Harald ist zwar offiziell Besitzer eines Restaurants, sein Geld macht er jedoch mit irgendwelchen Gaunereien. Beim Thema Gewaltanwendung zögert Harald im Gegensatz zu seinem Bruder auch keine Sekunde...wie gesagt, das totale Gegenteil des "Waschlappen" Arvid. Von nun an nimmt Harald mit seinen Handlangern, den Köchen Martin (Nikolaj Lie Kaas), Peter (Tomas Villum Jensen) und dem Mädchen für alles Vuk (Brian Patterson), das Heft in die Hand. Er arbeitet einen "genialen Coup" aus, der gleichzeitig den Bankräuber Franz (Peter Gantzler) aus dem Gefängnis befreien soll und zusätzlich auch noch Geld beschaffen soll, damit er die künstliche Befruchtung für seine Frau bezahlen kann. Nebenbei soll natürlich auch noch etwas Geld für ihn abfallen, denn ganz selbstlos ist Harald natürlich nicht...wär hätte dies auch erwartet???
Was von nun an abgeht, grenzt an absolute Pefektion. Olsen bereitet den Film mit so viel schwarzen Humor und geilen Aktionen, dass man eigentlich nur noch am Lachen ist und gleichzeitig von einer Action-Szene zur nächsten kommt. Den Weg von Harald und seinen Kumpanen pflastern von nun an endlose viele Leichen...
Der beste Dialog ist wohl: Arvid:"Harald, ich habe Hanne umgebracht." Harald:"Wo liegt sie?" Arvid:"Im Wohnzimmer...und in der Küche!!" einfach Wahnsinn der Humor, und dies den ganzen Film hindurch...
Der beste Charakter des Films ist wohl Vuk, der Depp vom Dienst...das kann man und sollte man nicht erklären versuchen, denn dies sollte jeder selbst sehen, da es sowieso für jeden ein absolutes Muss ist, den Film anzuschauen...
Fazit:
Ein geistreicher genialer dänischer Coup. Absolut mit schwarzem Humor bestückt. Die Qualität der Charaktere sucht seines Gleichen..und das sehr lange!! An Coolness und Sprüchen kommt der Film an "Pulp Fiction" ran. Harald ist für mich so gut wie Samuel L. Jackson. Alles weitere an dem Film ist einfach nicht beschreibbar...Für mich ein Zufallserfolg, der lange nicht mehr zu toppen ist...
Pflichtprogramm 10/10 Punkten