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Der Mann aus Stahl fliegt wieder! Unter der Regie von Bryan Singer, der hierfür den dritten Teil seiner „X-Men“-Saga fallen ließ (oder besser: fallen lassen musste), entstand eine moderne, aufgepeppte Version von Superman, der in den Siebzigern und Achtzigern schon viermal Leinwandluft schnuppern durfte.

Fünf lange Jahre war Superman (Brandon Routj) verschwunden. Er trieb sich im All herum, auf der Suche nach dem Ort, wo sich einst sein Heimatplanet Krypton befand, aber auch auf der Suche nach sich selbst. Jetzt kehrt er auf die Erde zurück, nimmt erneut seine Tarnung als Clark Kent an und steigt beim Daily Planet wieder ein, wo er natürlich auf Lois Lane (Kate Bosworth) trifft, die inzwischen mit dem Hobbypiloten und freien Journalisten Richard (James Marsden) zusammen lebt und einen Sohn mit ihm hat.
Lex Luther (Kevin Spacey) ist auch wieder auf freiem Fuß und plant, die Erde mit der Erschaffung eines Superkontinents zu überfluten. Kann der Mann aus Stahl ihn daran hindern?

Superman kehrt also zurück. Über die Notwendigkeit lässt sich eventuell streiten, bei der aktuellen Comic-/Superheldenwelle ist der Film aber zumindest nicht deplaziert.
Von Anfang an merkt man, dass Singer der Story und den Figuren viel Raum zur Entfaltung geben will. Eine Menge Vorgeplänkel und richtige Action erst nach über sechzig Minuten, ohne vorher wirkliche Langeweile aufkommen zu lassen, ist in diesem Genre schon eine beachtliche Leistung. Manko ist nur, dass die Story diesen Raum nicht unbedingt nötig hätte. Denn die Geschichte läuft ohne große Überraschungen ab. Somit hält sich die Spannung in Grenzen. Einige der Actionsequenzen sind trotzdem wirklich mitreißend inszeniert. Das anfängliche Flugzeug-/Shuttledebakel oder das Drama um Luthers Yacht sind passende Beispiele. Meist bleibt das Geschehen aber recht vorhersehbar und so muss sich Singer auf die optische Aussagekraft verlassen. Und an dieser ist auch nichts auszusetzen. Die Effekte können auf ganzer Linie überzeugen. Superman sieht beim Fliegen fast lebensecht aus und auch die CG-Action wirkt bombastisch. Doch auch auf der emotionalen Ebene will man ordentlich klotzen. Supi hat immer noch sehr viel für Lois übrig und sie selbst steht zwischen ihrer Familie und dem Mann aus Stahl.

Schauspielerisch ist der Film recht durchwachsen. James Marsden wirkt ohne Spezialbrille noch hölzerner als in „X-Men“, Kate Bosworth spielt auch nicht so, als wäre sie mit Talent überhäuft und Parker Posey hat sich von der untoten Killerschlampe („Blade: Trinity“) zum Verbrecher-Blödchen gemausert. Brandon Routh fällt eigentlich nicht negativ und Frank Langella spielt den Daily-Planet-Chef Perry White angenehm zurückhaltend, einen zweiten J.Jameson hätte man auch nicht gebraucht. Am Positivsten fällt Kevin Spacey auf, der sich als Lex Luther nach allen Regeln der Kunst austoben darf und dem man die Spielfreude förmlich ansieht.

Nach 147 Minuten ist das Spektakel vorbei und man fragt sich, wieso Supis Umhang auch im Vakuum des Weltalls fröhlich vor sich hin weht, und wieso er immer die Zeit findet, mit Lois einen „Ausflug zu machen, während doch auf der Welt ununterbrochen Verbrechen und Katastrophen passieren. Trotzdem wird man Zeuge von schöner Unterhaltung, die mitunter mitreißend und bombastisch, im Allgemeinen aber zu spannungsarm und vorhersehbar ausgefallen ist. Popcornkino auf ordentlichem Niveau, das aber leider zu wenig riskiert. Alles in Allem 10 von 15 Punkten (2-).

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