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Bisher dominierten die Comichelden aus dem Hause Marvel die Leinwand: Spider-Man, X-Men, Daredevil, Punisher, Fantastic Four und wie sie alle heißen. Erst mit Batman Begins holte DC 2005 zum Gegenschlag aus und lieferte mit einem hervorragend agierenden Christian Bale eine mehr als gelungene Widergeburt des schwarzen Ritters für die Gerechtigkeit. Der gleiche Coup sollte nun mit dem Ur-Vater aller Superhelden schlechthin gelingen. Allerdings stand kein Neubeginn im eigentlichen Sinne an, sondern eine Fortführung der einstigen Reihe mit Christopher Reeve. Wie bei den Neuanfängen von James Bond und Batman hieß aber auch hier die Devise: neue Gesichter müssen her. Trotz ein oder zwei großer Namen sollte der Cast hier nicht so funktionieren, wie es das bei James und Bruce der Fall war. Es kommt selten vor, dass ich mit einem Cast so wenig zufrieden war wie in Superman Returns. Doch das ist noch nicht das einzige Manko, unter dem der sauteure Streifen zu leiden hat. Immerhin konnte man mit diesem Projekt Bryan Singer (Der Musterschüler) von seinen X-Men weglocken, so, dass diese mit dem vorherigen Supi-Kandidaten Bret Ratner auskommen mussten. Wäre Singer doch nur beim Mutantenstadl geblieben...

Nach mehreren Jahren im All, wo er die Zerstörung seines Heimatplaneten Krypton verarbeiten musste, kehrt Superman auf die Erde und in seine alte Rolle des Clark Kent (Brandon Routh) zurück. In der Zwischenzeit hat sich allerdings einiges geändert: Seine alte Flamme, die Über-Journalistin Lois Lane (Kate Bosworth), hat nunmehr einen Verlobten, einen Sohn und einen Pulitzer-Preis gewonnen - für einen Artikel mit der Überschrift: "Warum die Welt Superman nicht braucht". Der Bösewicht Lex Luthor (Kevin Spacey) allerdings strebt immer noch nach der Weltherrschaft.

Wie schon erwähnt, bin ich alles andere als zufrieden mit dem lokalen Darstelleraufgebot. Drum fangen wir doch gleich mit dem Dreh- und Angelpunkt von Superman Returns an: Brandon Routh! Optisch mag er als Superman noch funktionieren, wenngleich er ein wenig zu jung wirkt. Man bedenke schließlich, dass der Film nach der alten Reihe spielt. Außerdem ist mir bisher kaum ein Superhero-Darsteller untergekommen, der so dermaßen uninteressiert und hölzern in die Kamera geguckt hat. Man könnte meinen, dass es sich hierbei um ein Girl Toy mit Sprachfunktion handeln könnte. Außer den üblichen und ohnehin vom Rechensklaven erzeugten Superkräften hat er nix zu bieten. Charakterlich eine arme Sau. Kaum verwunderlich, dass hier so gut wie keine Charaktertiefe oder Sympathie entsteht. Den Film noch einigermaßen retten tut ihr jedoch der Schurke und nicht der Superheld. Niemand anderen als Lex Luthor hat man hier in Form von Charakter-Mime Kevin Spacey (Edison) auf den Mann aus Stahl losgelassen. Spacey spielt die Erz-Nemesis gewohnt souverän, auch wenn bei ihm keine richtige Spielfreude aufkommen will. Wahrscheinlich war er Singer noch einen Gefallen wegen dem Oscar für Die Üblichen Verdächtigen schuldig. Ebenfalls für das lokal erdachte Szenario zu jung ist Kate Bosworth (Gegen jede Regel) als Lois Lane. Mit ihren 23 Jahren will und kann man ihr einfach nicht abkaufen, eine erfolgreiche Journalistin inklusive Mann, Kind sowie Prä-Affäre mit Supi zu sein. So funktioniert auch keine allseits bekannte Figur. Weitere Schüsse in den Ofen sind Sam Huntington (Detroit Rock City) als super-nerviger Jimmy Olsen und Parker Posey (Blade: Trinity) als minder nervige Schurken-Matratze. Einigermaßen den Cast retten kann neben Spacey noch Frank Langella (Die Neun Pforten), obwohl er wenig zu tun hat und für seinen Charakter etwas zu brav wirkt. Da er bei den X-Men vorzeitig ausschied, hatte James Marsden (X-Men) vermutlich noch die Zeit gefunden, um Singer einen Gefallen zu erfüllen, um Lois blassen Ehe-Stecher zu mimen. Das Gesicht von Marlon Brando (Der Pate) ist noch kurz zu sehen, doch das kann man ja wohl schlecht als darstellerische Leistung anrechnen. 

Was die Effekte und den Schauwert angeht, so hat man bei Superman Returns wenig falsch gemacht. Der Großteil riecht geradezu nach CGI, was aber bei so einer Art Film verzeihlich sein dürfte, auch wenn Batman mit recht wenig Rechenhilfe ausgekommen ist. Die Rettung des Flugzeugs samt Space Shuttle machen optisch mächtig was her und auch die anderen Aktionen von Superman können sich sehen lassen. Das war's dann aber auch schon. Eine hübsche Verpackung hilft schließlich nix, wenn der Inhalt für die Tonne ist.

Denn der reicht gerade mal aus, um als Season-Opener von Smallville herhalten zu können. Für einen zweieinhalb Stunden langen, abendfüllenden Spielfilm reicht es bei weitem nicht aus. Einige Abschnitte mögen noch spannend und interessant sein, aber das Gesamtergebniss will einfach nicht überzeugen. Fraglich ist auch, warum Superman überhaupt in den Weltraum abgedüst ist, um Krypton zu finden, da er doch eigentlich wissen müsste, dass es seinen Heimatplaneten nicht mehr gibt. Auch ansonsten hat die Story nichts Neues zu bieten, als die übliche Superhelden-Handlung: Held entsteht bzw. kehrt zurück, Schurke plant finstere Dinge, Held stellt sich Schurke, nach etwas Hin und Her kann Held Schurke besiegen! Gewürzt natürlich noch mit etwas zwischenmenschlichen Kitsch in reinster GZSZ-Manier, damit dem Zuschauer die Figuren nicht komplett an den vier Buchstaben vorbei gehen. Doch das tun sie hier. Die Liebe zum Detail, die Sympathie für die Figuren und die Begeisterung für den Comic, den Singer so großartig bei den ersten beiden X-Men-Streifen pflegte, lässt er hier deutlich vermissen. Liegt offensichtlich auch daran, dass er hier ohne viel Vorbereitung einfach ins kalte Wasser geworfen wurde. Dass Superman Lois unwissentlich einen Super-Braten in die Röhre geschoben hat, der inzwischen fünf Jahre alt ist (und nebenbei Jimmy Olsen im Nerv-Faktor echte Konkurrenz macht), mag schön und gut sein, bringt aber nix, wenn es im restlichen Storyablauf unbehandelt bleibt. Daraus hätte zum Ende hin noch so eine schöne Tragödie zwischen Supi, Lois und Richard werden können, mit der man die ganze Beziehungskiste nochmal auf den Kopf gestellt hätte. Da dies nicht genutzt wurde, hätte man sich das auch komplett sparen können, oder wollte man die Tür für ein Sequel mit dem Titel Superboy, Superman Jr. bzw. Superman: The Next Generation offen halten? Der finale Schlagabtausch auf "New Krypton" zwischen dem dort verwundbaren Superman und Luthor ist auch ein Witz. Luthor trampelt mit seinem Schlägerpack etwas auf Supi rum, ehe der die Klippe runter fällt. Und das war es dann gewesen? War ein schneller und effektiver Schuss in den Kopf nicht kreativ genug, Herr Luthor? Das wäre wenigstens die sicherste Methode gewesen. Da aber alles auf ein lahmes Happy End zusteuern soll, muss sich Luthor so amateuerhaft benehmen. Nebenbei begeht er auch noch den Klischee-Fehler Nr. 1 in der Schurken-Branche: er schwadroniert Lois lang und ausführlich seinen Plan vor, statt die Gute im Unwissen zu lassen.

Die Kulissen wie Luthors Yacht, die Festung der Einsamkeit, New Krypton und schließlich Metropolis werden spektakulär in Szene gesetzt, und können als Locations im Gesamtkonzept zufrieden stellen. Gegen den Moloch Gotham City und Wayne Manor in Batman Begins kommen sie hingegen nicht an. Dazu sehen sie dann doch zu geleckt aus. Musikalisch hat man das Original-Theme beibehalten, was mitunter noch der beste Kniff gewesen war, um die Zugehörigkeit zu den vorherigen Filmen zu festigen. Denn das Charisma dieser, vor allem der ersten beiden Teile, fehlt Superman Returns völlig.

Bleibt zum Schluss noch die Frage: Braucht die Welt Superman? Zumindest diesen hier hat sie nicht gebraucht! Unter anderen Voraussetzungen und glaubhafteren Darstellern wäre das Projekt begrüßenswerter gewesen. Anzumerken wäre somit noch, dass Batman Begins bis auf weiteres das DC-Aushängeschild in Sachen Comicadaption bleiben wird und man mit Smallville-Superman Tom Welling hier besser beraten gewesen wäre, da dieser sich ohnehin mit dem Charakter genügend auskennt und man ihn auch nur damit verbindet.

PS.: Wenn der Film nach den vorherigen Filmen spielt, müsste Lois dann nicht wissen, wer Superman wirklich ist?

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