Review

Nach langem Hickhack und einigen abgesagten Projekten ist Superman Returns das einzige, was in den Nullerjahren zustande kam, mit besten Voraussetzungen gerade in Bezug auf die Wahl des Regisseurs eigentlich. So richtig die Knöpfe beim Publikum konnte Bryan Singer trotz Anpeilung an sowohl zeitgenössisches Kino als auch an Donner und Lester (und Furie) nicht drücken, war eine andere Struktur gefragt, eine Düsternis und Härte oder eher Kälte, die dieser Film hier sicherlich nicht bot, nicht in Ansätzen, und schon gar nicht im Exzess. Ein damals einseitig gescheiterter Versuch der Wiederbelebung, noch vor den Marvel-Eskapaden, der Vorreiter dessen, es wird auch deutlich an den Film von 1978 orientiert, hier nur die Rückkehr, mit modernsten Mittel, mit Effekt und Spektakeln, die X-Men (2000) vergleichsweise klein dagegen, Man of Steel (2013) und die anderen Werke aus dem Snyderversum militärisch überzogen, hier ein Gang zurück, eine bunte Kulisse, erst der Film, dann das Spektakel, welches hier (mitsamt einstürzenden Neubauten und einer seltsamen Art der Landgewinnung durch monströs erzeugte Stalaktiten und Stalagmiten) auch vorhanden ist, so nicht:

Superman [ Brandon Routh ] wird seit fünf Jahren vermisst, seit er an den Ort gereist ist, an dem Astronomen die Überreste von Krypton entdeckt zu haben glaubten. Sein Erzfeind Lex Luthor [ Kevin Spacey ] wurde kürzlich aus dem Gefängnis entlassen und heiratete eine reiche Witwe, um nach ihrem Tod an ihr Vermögen zu gelangen. Nachdem es ihm nicht gelungen ist, überlebende Kryptonier zu finden, kehrt Superman zur Erde zurück und nimmt seinen Job beim 'Daily Planet' in Metropolis als sein Alter Ego Clark Kent wieder auf. Dort erfährt er, dass die Frau, die er liebt, Lois Lane [ Kate Bosworth ], mit Richard White [ James Marsden ], dem Neffen vom Chefredakteur Perry White [ Frank Langella ] verlobt ist, mit dem sie einen 5-jährigen Sohn namens Jason [ Tristan Lake Leabu ] hat. Zudem hat sie hat den Pulitzer-Preis ausgerechnet für einen Artikel betitelt "Warum die Welt Superman nicht braucht" gewonnen.

Welchen Weg James Gunn einschlagen wird, weiß man mittlerweile, er folgt großen Fußstapfen, Singer, Snyder, Nolan, ein Beginn bei Blitz und Donner, dann ein Übergang aufs Farmland, ein Beben aus dem All heraus, die gleiche Erzählung mit anderen Augen gesehen, mit anderen Worten dargestellt, eine Abweichung vom Bekannten und dennoch ein deutliches und deutbares Wesen. Auf das Schlechte wird hier auch öfters ein Blick geworfen, Spacey macht den Hackman nach, in etwas anderer Herangehensweise, ohne Sidekick, ohne Verschmitztheit, ohne Overacting, es wird von allgemeingültigen Fakten und bereits gesehenen Bildern ausgegangen, auf die Erinnerung des Zuschauers gesetzt, ein Spiel zusammen mit diesem, nicht gegen die Erwartungen, "Du benimmst Dich, als wärst Du schon mal hier gewesen.", die Erzählführung von Singer ist deutlich, auch Brando taucht in der Festung der Einsamkeit auf, ein überdeutlicher Hinweis.

Die Wahl des Hauptdarstellers mit Routh ist dabei durchaus hilfreich, er verkörpert das Unschuldige ebenso wie das Naive, die Körperlichkeit ist vorhanden, er hat nicht schon eine eigene Persona wie Cavill, es ist ein Rohdiamant, noch formbar, Christopher Reeve durchaus ähnlich, aber eigenständig im Spiel. Nach Metropolis geht es hier beizeiten, das "Willkommen daheim", 5 Jahre sind vergangen, eine Einrichtung im 'Daily Planet'; wie in alten Zeiten. Auf der großen Leinwand war man länger als ein halbes Jahrzehnt weg, dafür im Fernsehen vermehrt aktiv, mit eigenen stattlichen Laufzeiten, Einschaltquoten und Fans, mit eigenen Besonderheiten und Statuten, die diesen Film hier auch überdauert haben, mit Lois & Clark oder Smallville, jeweils ein anderes Schema, ein wöchentliches und vertrautes Wiedersehen.

Lane wirkt eher kühl hier, eine "ausgedehnte Verlobung" und zwischendurch auch Mutter geworden, einen Artikel gegen Superman geschrieben und damit den Pulitzer-Preis gewonnen; Dinge ändern sich, selbst Dinge, wo man dachte, dass sie sich nie ändern. Mit Miniaturen und Simulationen wird hier gespielt, mit der Erforschung fremder Welten und der Schaffung neuer Strukturen, mit einer fehlerhaften Technik ausgerechnet während einem Testflug, einem "Stromaufall", einer beispielhaften Beweisführung, einer ausgedehnten Fehlfunktion, der Freigabe zur Evakuierung. Der Katastrophenfall wird schnell ausgerufen, eine Eilmeldung aus Washington, einer fatalen Triebwerkszündung, einer stuntintensiven Schwerelosigkeit. Ein brennendes Flugzeug wird hier herumgeschleudert, von Natur- und übermenschlichen Kräften, tricktechnisch wenig zu beanstanden, eigentlich gar nichts, viel in Handarbeit gemacht, Texte aus dem Originalfilm übernommen, mit leichtem Humor auch gespielt und bespielt. Routh macht das gut, er geht mit den Schwingungen, er ist locker genug und ernst zugleich, wenn es darauf ankommt, die Probe aufs Exempel gab es bereits zu sehen, der Zeitungsmechanismus funktioniert auch noch, die Presse hier vorrangig, die Nachrichtenblätter fleißig studiert, das entscheidende Mittel zur Information und Meinungsbildung, fast altmodisch gehalten, man lässt sich Zeit, man geht erst später in die Vollen.

Ein Bankraub wird eingespielt, das Zerstören mehrerer Streifenwagen mit einer Gattling Gun, Funkenschlag und Zerstörung im höchsten Maße, parallel dazu ein führerloses Auto im Straßenverkehr, Karambolagen aller Orten, ein Ablenkungsmanöver, der eigentliche Plan sinister. Neben Routh ist vor allem noch Marsden auffällig, auffällig in das positive Licht gerückt, dazu viele Brauntöne, warm gehalten in den meisten Szenen, im Privat- und auch im Berufsleben, eine Romanze angedeutet, eine einseitige Liebe, der Dritte im Bunde, das fünfte Rad am Wagen, eine Ernsthaftigkeit bis Sentimentalität am Rande des Kitsches auszeichnend. Bedächtig, fast zu besinnlich wird das her gehandhabt, eine gewisse Größe, dies aber ohne Übermasse wie in Man of Steel angestrebt, darstellerisch insgesamt gut ausgewählt, bei allen Beteiligten, eine Erleuchtung zum Œuvre von Reeve, ein langer Aufbau, ein Festhalten von und auf scheinbaren Kleinigkeiten, eine Wichtigkeit im Dasein, in Tragik und Dramatik, das Zerstören der zweiten Heimat, vorher das kunstvolle Auseinandernehmen einer kompletten Yacht, hinterher der lange Fall des Todes.






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