Review

John Sturges, der mit „Gesprengte Ketten“ schon einen Klassiker des Zweiter Weltkrieg Films ablieferte, versucht sich an einem Film ähnlich wie „Agenten sterben einsam“, kann an diesen aber nicht heranreichen.
Als deutsche Fallschirmspringer Mussolini aus Gefangenschaft befreien, kommt Hitler auf die Idee mit einen ähnlichen Unternehmen Winston Churchill aus England entführen zu lassen. Heinrich Himmler (Donald Pleasance) beauftragt Oberst Max Radl (Robert Duvall) mit der Planung des scheinbar unmöglichen Unternehmens. Damit startet „Der Adler ist gelandet“ mit einer äußerst interessanten Grundidee, auch wenn diese nicht von den Filmemachern stammt. Es handelt sich hierbei nämlich um die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Jack Higgins.
Radl stellt ein Team zusammen, darunter den irischen Freiheitskämpfer Liam Devlin (Donald Sutherland), den man als Spion einige Tage vor der Operation in ein englisches Dorf einschleusen will. Doch für die Durchführung kommt nur einer in Frage: Oberst Kurt Steiner (Michael Caine). Dieser ist allerdings mit seinen Männern zur Strafarbeit verurteilt worden, da er beim Völkermord nicht mitmachen wollte. Tja, die Figur des Oberst Steiner hat also nicht zur Sam Peckinpah zu seinem eisernen Kreuz inspiriert.

Radl holt Steiner und seine Männer aus der Gefangenschaft und schickt Devlin in das englische Bergdorf, in dem sich Churchill einige Tage später aufhalten soll. Von dem dortigen Kontakt wird er als neuer Strandwächter vorgestellt und die gefährliche Operation läuft an…
„Der Adler ist gelandet“ hätte Chancen die Güteklasse von „Agenten sterben einsam“ (die Originaltitel „Where Eagles dare“ und „The Eagle has landed“ gleichen sich ja auch) zu erreichen, denn immerhin die Machart ist stimmig: Schick wird das ländliche England in satten Farben und wunderbarem Widescreen-Format präsentiert, die Musik von Lalo Schiffrin tönt stimmig im Hintergrund, auch wenn der Mann schon deutlich eingängigere Soundtracks komponiert hat. Auch das Szenario unterscheidet sich neben dem ungewöhnlichen Auftrag von vielen anderen Genrevertretern: Ausnahmsweise sind die Deutschen mal die Hauptfiguren und es werden nicht bloß flache Nazi-Klischees verbreitet, obwohl „Der Adler ist gelandet“ schon sehr deutlich darauf hindeutet, dass in erster Linie Radl, Steiner und seine Truppen sympathisch sein sollen, der Rest der Deutschen weniger.
Auch die Action kann überzeugen, obwohl kein Übermaß davon erwarten sollte. Das meiste konzentriert sich auf die Schießerei, in der das Dorf umkämpft wird, doch diese ist wirklich ausgiebig. Es wird reichlich geballert, die Pyrotechniker sind auch nicht unbeschäftigt und zaubern ein paar famose Explosionen. Auch die Inszenierung des Shoot-Outs ist wirklich gut gemacht und wirkt auch heute noch recht spektakulär, wobei man natürlich altersbedingt nicht mehr mit aktuellen Actionreißern mithalten kann.

Woran es bei „Der Adler ist gelandet“ dann schlussendlich hapert, das ist das Drehbuch. Die Exposition ist stimmig, könnte aber durchaus kürzer gefasst werden, da es rund eine Stunde dauert bis der Adler dann endlich landen darf. Vor allem einige der Nebenhandlungen hätte man ruhig streichen können wie die Liebesgeschichte zwischen Devlin und einem Mädel aus dem Dorf, da sich die beiden (Klischee lass nach) nach wenigen Dialogzeilen verlieben und das, obwohl er sich wie ein Arschloch verhält. Der Mittelteil hingegen ist ziemlich spannend und beschäftigt sich mit der Durchführung der Mission, wobei natürlich genrebedingt Komplikationen auftreten, mit denen Steiner fertig werden muss. Leider kann das Finale nicht mehr ganz mithalten und wirkt so, als sei es nur, da um die Geschichte noch schnell zu beenden, obwohl die Szene auf der Terrasse noch einmal kurz den Puls des Zuschauers hochtreibt.
Schauspielerisch kann man hingegen nicht meckern: Michael Caine verkörpert Steiner gelungen, Robert Duvall und Donald Pleasance sind ebenso überzeugend. Als amerikanische Offiziere kann man noch Treat Williams und Larry Hagman sehen, die ebenfalls einen soliden Job machen. Lediglich Donald Sutherland wirkt mit seiner etwas zu lockeren Art und seinen teilweise ziemlich dummen Sprüchen doch ein wenig deplaziert im sonst eher humorlosen Kriegsgeschehen und liefert daher leider die schwächste Performance ab.

„Der Adler ist gelandet“ ist sehr gut inszeniert, in der Mitte spannend und bietet ein fantastisches Shoot-Out zu Beginn des letzten Drittels. Leider dauert die Exposition zu lange und das Finale könnte spannender sein, weshalb ich nur 6,5 Punkte vergebe.

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