Review

"Great White Hype" ist eine Boxerkomödie. Nun ja, eine seltsame Kombination. Normalerweise wird der Boxerfilm mit dem Drama-Genre verbunden, so geschehen bei "Rocky I-V", "Wie ein wilder Stier" oder "Ali". Vergleichbar mit der vorliegenden "K.O.Mödie" wäre höchstens "Knocked Out" mit Woody Harrelson und Antonio Banderas, welcher atmosphärisch auch ziemlich vergleichbar ist.

Fakt ist: würde der Film nicht mit solch namhaften Stars aufwarten - darunter Samuel L. Jackson, Jeff Goldblum und Damon Wayans - dann würde er sicher keinen Hund hinterm Ofen hervorlocken. So dürften aber zumindest einige Filmfreunde schon mal was von der Story gehört haben, in der sich der Promoter des zwar ungeschlagenen, aber abgehalfterten Champions nach einer neuen Herausforderung umsieht, die die Massen wieder in den Boxsaal locken soll: ein weißer Nobody, der den Champion in der Amateurzeit als einziger geschlagen hat, der sich aber nun lieber seiner Rockband hingibt und mit Boxen schon lange nichts mehr zu tun hat.

Soweit zum Grundgerüst der Story. Kommen wir zur Umsetzung.
Die Figuren sind herrlich abgedreht und übertrieben. Man könnte meinen, es handele sich hier um eine Kur für die Stars, bei der sie ganz frei alle Grimassen schneiden und sich in höchstem Masse entfalten können, ohne daß es der Story schadet. Wenn einer Figur eine Charaktereigenschaft zugeschrieben wurde, dann setzt diese Figur sie auch ohne wenn und aber um. Jacksons Charakter, zugleich Promoter und Pseudo-Prediger, ist ein egoistischer Lebemann und zeigt nicht den Hauch von Empathie. Der Champ (Damon Wayans) ist ein fauler Sack, dem alles am Arsch vorbeigeht und der vor dem Kampf lieber isst und seine Blaxploitation-Klassiker ansieht, anstatt sich auf den Gegner zu konzentrieren. Und der zum Iren aufgebaute Herausforderer ist so voller Güte für Bedürftige und so voller Hass gegen Rassisten, daß kein Geld der Welt ihn von seiner Lebenseinstellung lindern könnte. Es gibt also keine Grauzonen wie in Politthrillern. Nein, alles ist erfrischend Schwarz-Weiß... oder, in Bezug auf die vielen verschiedenen Eigenschaften der Charaktere, kunterbunt.

Ebenso bunt ist der gesamte Look des Films. Man bekommt die Euphorie des sich aufbauenden Superkampfes richtig zu schmecken durch die vielen Farben der Sets und Kostüme. Gerade Jacksons schrille Outfits und das irische Grasgrün des Herausforderers stechen doch stark ins Auge.

Die Story ist platt, aber interessant. Man will wissen, wie der Champion auf die Herausforderung desjenigen reagiert, der ihn vor Jahren als einziger in seiner Karriere geschlagen hat. Man hat zwei mit Mankos vollgeladene Boxer vor sich: auf der einen Seite der ungeschlagene Champion, dessen Lustlosigkeit und dessen Bauch jedoch an einem erneuten Sieg zweifeln lassen. Auf der anderen Seite ein wilder, motivierter Newcomer, der aber seit Jahren nicht mehr geboxt hat und dem irgendwie doch am Wohl seiner Mitmenschen mehr gelegen ist als am Vernichten seines Gegners.

Als Zuschauer kann man sich wirklich nicht sicher sein, wer gewinnt. Man würde vielleicht doch zum sympathischen Newcomer tendieren, wenn man sich so die Wampe des Champs ansieht. Wie dem auch sei, der Film erlangt seine Spannung durch das Hinarbeiten auf den Finalkampf und die brennende Frage, wer denn nun gewinnt.

Letztendlich kommt der ganze Streifen, der von seiner Erscheinungsweise her zwischen A- und B-Movie angesiedelt werden muß, doch recht unkonventionell daher. "Great White Hype" macht Spaß, weil man die Art von Film nicht oft sieht und alles unverbraucht und frisch erscheint. Das lässt sich dann auch auf das Schauspiel übertragen, das sicherlich weder bei den Stars noch bei unbekannten Gesichtern Genialität erreicht, das aber jederzeit ambitioniert wirkt. Das ganze Projekt scheint eine Art Herzensangelegenheit für zwischendurch gewesen zu sein.

Fazit: wenn man den Film niemals sieht, hat man auch nichts verpasst. Trotzdem lohnt es sich aus oben genannten Gründen, mal reinzuschauen. Hier haben wir es mal wieder mit jenen sympathischen Filmen zu tun, die keine besondere Aufmerksamkeit erregen und auch inhaltlich eher unauffällig sind - und doch sieht man sie sich immer mal wieder gerne an. Ich schaue jedenfalls fast immer rein, wenn er mal im Fernsehen läuft (was seltsamerweise meistens nach 1:00h nachts der Fall ist). Als DVD würde er bestimmt auch irgendwann Einzug in mein Regal finden - wenn es eine DVD gäbe.
7/10

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