Review

„In putting on the suit and entering the sleigh, the wearer waives any and all rights to any previous identity, real or implied, and fully accepts the duties and responsibilities of Santa Claus in perpetuity until such time that wearer becomes unable to do so by either accident or design.”

Sitcom-Star Tim Allen und US-Regisseur John Pasquin haben nicht nur für 36 (von 202) Episoden der erfolgreichen Comedy-Serie „Hör mal, wer da hämmert“ zusammengearbeitet, sondern auch für Disneys 1994 veröffentlichte Familien-Weihnachtskomödie „Santa Clause – Eine schöne Bescherung“. Eine weitere Kollaboration folgte 1997 mit „Aus dem Dschungel in den Dschungel“, während Michael Lembeck Regie bei beiden „Santa Clause“-Fortsetzungen führte.

Der von seiner geschiedenen Frau Laura (Wendy Crewson, „Das zweite Gesicht“) getrenntlebende Scott Calvin (Tim Allen) ist Vater des kleinen Charlies (Eric Lloyd, „Greedy“), der mit seiner Mutter und deren neuem Mann, dem Psychiater Neil (Judge Reinhold, „Gremlins – Kleine Monster“), zusammenlebt. An Heiligabend kommt Charlie jedoch seinen Vater besuchen. Ein Poltern auf dem Dach schreckt beide auf: Jemand ist im Weihnachtsmannkostüm heraufgeklettert und erschreckt sich nun so sehr darüber, erwischt zu werden, dass er herunterstürzt, kurz besinnungslos im Schnee liegenbleibt und daraufhin spurlos verschwindet. Lediglich sein Kostüm hat er zurückgelassen. Dieses enthält eine Karte mit der eigenartigen Aufforderung, das Gewand anzulegen. Charlie drängt seinen Vater dazu, der diesen Spaß etwas widerwillig mitmacht. Urplötzlich finden sich beide Geschenke verteilend in einem fliegenden Rentierschlitten wieder, der am Ende der rasanten Nacht Halt in der Spielzeugfabrik am Nordpol macht. Dort eröffnet Elf Bernard (David Krumholtz, „Die Addams Family in verrückter Tradition“) dem verdutzten Scott, dass er mit Anlegen der Tracht nunmehr die Aufgaben des Weihnachtsmanns übernommen habe, und verweist aufs Kleingedruckte auf der Karte, die „Santa Clause“.

Als Scott am nächsten Morgen in seinem eigenen Zuhause erwacht, tut er seine Erinnerungen als kuriosen Traum ab, so sehr Charlie auch beteuert, dass alles tatsächlich so geschehen sei. Doch Scott verändert sich: Sein Haar wird immer weißer, sein Bart immer wuchernder und sein Bauch immer größer. Für Charlie ist nach wie vor klar: Sein Dad ist der neue Weihnachtsmann. Laura und Neil hingegen beobachten diese Entwicklungen mit Argwohn, schalten eine Psychologin ein und vermuten schließlich, dass Scott seinen Sohn mit der Weihnachtsmanngeschichte an sich binden will – oder gar unter Wahnvorstellungen leidet. Sie entziehen ihm das Besuchsrecht, sehr zu Charlies Unmut. Doch alles ist wahr: Am nächsten Heiligabend bringt Elf Bernard „Santa“ Scott und Charlie zum Nordpol, von wo aus sie sich der logistischen Herausforderung der Geschenkzustellungen stellen müssen…

Wer kennt das nicht? Der echte Weihnachtsmann ist mal wieder verhindert, also muss man selbst ins Kostüm schlüpfen, um den Nachwuchs zu bespaßen und die Illusion von der Weihnachtsmythologie aufrechtzuerhalten. Dass man dadurch plötzlich zum echten rotweißen Rauschebart wird, der für sämtliche Kinder verantwortlich ist, dürfte jedoch ausschließlich der Fantasie der Drehbuchautoren Leo Benvenuti und Steve Rudnick zuzuschreiben sein, deren Skript von Pasquin sowie seinem Ensemble und Team zu einem launigen Saisonspaß für die ganze Familie umgesetzt wurde. Diese Persiflage auf Knebelverträge hantiert mit einigen wenigen grafischen Spezialeffekten, verlangt ansonsten aber neben der Requisite, die ein nordpolisches Weihnachtsdorf aufbauen musste, Tim Allen sein komödiantisches Talent und Mut zur Wandlung ab. Für den augenzwinkernden, durchaus auch frechen Humor ist er hauptsächlich, jedoch nicht allein zuständig, obschon seine köstlichen, wenngleich tendenziell psychiatriefeindlichen Sprüche, mit denen er den Neuen seiner Ex-Frau bedenkt, dominieren.

Mal schlägt das Pendel in Richtung Fantasy aus, nämlich immer dann, wenn der Film Erklärungen liefert, wie der Weihnachtsmann und sein Team ihre Mammutaufgabe einmal jährlich bewältigt bekommen – eine Erklärung dafür, dass niemand fremde Geschenke und Metamorphosen in Schornsteine und Kamine bemerkt, liefert man jedoch (leider) auch hier nicht und scheint darauf zu vertrauen, dass die Kleinen das nicht hinterfragen und die Älteren geflissentlich darüber hinwegsehen. Werden hingegen Scotts Scheidung und die damit verbundenen Querelen thematisiert, bekommt „Santa Clause“ einen nur allzu realistischen Anstrich. Manchmal gibt sich der Film durchaus sentimental und etwas kitschig, bekommt jedoch über weite Strecken immer wieder die Kurve und übt sogar Kritik an der Polizei, wird zum Ende hin dann aber doch ganz schön rührselig.

Unterm Strich ist Pasquin, Allen und Konsorten aber ein mit viel Fantasie liebevoll gestaltetes, modernes Weihnachtsmärchen geglückt, das zu keiner Sekunde langweilt, auch schauspielerisch bis hin zu den jüngsten Mimen überzeugt und – für mich etwas überraschend – tatsächlich beinahe durchweg gelungene Festtagsfamilienunterhaltung bietet. Lediglich die Stigmatisierung von Übergewichtigen hätte man sich sparen sollen, das hat – bei allem Humor – in einem solchen Film nichts zu suchen.

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