Ach, was waren das noch für herrliche Zeiten, als man für einen Top-Film nicht mehr brauchte als eine handvoll erlesene Actiondarsteller, die im Dschungel nach und nach einem außerirdischen Wesen zum Opfer fallen, bis am Ende nur noch einer übrig ist, der dann das „abgrundtief hässliche“ Viech ordentlich asskicken darf. Natürlich befinden wir uns in den 80ern, natürlich heißt der Typ zum Schluss Arnold Schwarzenegger und der Film „Predator“.
Es stimmt nicht unbedingt, dass dies hier der erste Film ist, der Söldner im Dschungel aussetzt und die sich dann zum Sieg metzeln, das gab’s vorher u.a. schon in „Missing in Action“. Den feinen Unterschied machen in diesem Fall die Science-Fiction- und Horrorelemente, die von Regisseur John McTiernan derart genial in Szene gesetzt wurden, dass „Predator“ zu einem echten Kultklassiker für Fans des straighten Actionkinos wurde. Genrefans werden kaum Besseres finden, wenn es ausschließlich um kompromisslos inszenierte Action geht, die zudem schön abwechslungsreich daherkommt. Da wird mit Wummen allen möglichen Kalibers geballert, aber auch der Predator lässt sich nicht lumpen und schießt mit Lasern um sich. Inzwischen legendär ist die Erstürmung des Dschungellagers, die zudem sämtliche Härten bietet, die das Genre heute größtenteils vermissen lässt, knackige One-Liner inklusive („Bloß nicht weglaufen!“).
Auf großartige Charakterzeichnung hat man zum Glück verzichtet, die Söldner sind allesamt bärenstarke Baumstämme, die ihren Einsatz zum einen höchst professionell durchziehen, zum anderen in jeder freien Minute einen lockeren Spruch auf den Lippen haben. Der Zuschauer weiß um die Hintergründe ihrer Mission und was sie erwarten wird, ebenso wenig wie die Figuren selbst, was an vielen Stellen wirklich für Herzklopfen sorgt. Das große Kunststück, das McTiernan vollbringt, besteht darin, dass das alles keine Sekunde nach gekünstelter Spannung aussieht, sondern einfach nur sauspannend ist. McTiernan erzeugt stellenweise mit minimalem Aufwand maximale Wirkung, so ist selbst bei langsamen Kameraschwenks über die Baumwipfel Fingernägelkauen angesagt und wenn dann noch Alan Silvestris schweißtreibender Score ertönt, hält es einen wirklich nicht mehr auf dem Sofa. Selbstverständlich geizt „Predator“ nicht mit pyrotechnischen Schauwerten, vor allem die letzten zwanzig Minuten, die einzig und allein Arnie gehören, bestehen aus einem Maßstäbe setzenden Feuerwerk. Subtile Spannungsmomente sucht man in dieser fast schon surrealen Zerstörungsorgie dann zwar vergebens, aber der Zweikampf Schaeffer vs. Predator ist ein Fest für die Sinne.
Jedenfalls ist das ein Klassiker vor dem Herrn, der durch seine lange Nicht-Verfügbarkeit in ungeschnittener Version zumindest hierzulande weiter zum Mythos wurde, mittlerweile hat ein ordentliches DVD-Release ja glücklicherweise Abhilfe geschafft. Wer will, kann sogar Parallelen zum Vietnamtrauma der Amis entdecken, aber ich gebe mich auch einfach mit einem der simpelsten und effektivsten Actionfilmen aller Zeiten zufrieden, den man alleine, in der Gruppe, morgens, abends, mit oder ohne fünf Bier gleichermaßen genießen kann. Meilenstein der Güteklasse A!