Review

„Dark Memories“ stellt leider alles andere als eine Überraschung dar.
Es ist ein dröger, überaus ordinärer Stoff, der sich nicht entscheiden kann, ob er lieber Psychodrama oder Mysterythriller sein möchte.
Gut kombiniert wäre auch beides okay, doch hier läuft einiges etwas konzeptlos ab, so dass sich spätestens nach einer halben Stunde Langeweile einstellt, zumal man den Braten der Auflösung bereits nach einer Viertelstunde riecht und sich nur deshalb bis zum Ende geduldet, um sich darin bestätigt zu sehen.

Man ahnt früh, dass mit der Kindheit der Hauptfigur Karen (Gina Philips) etwas nicht gestimmt hat.
Die Werbefachfrau erbt das Sommeranwesen ihrer Großeltern und schon bald vermischen sich Visionen, Halluzinationen und Alpträume. Kindheitserinnerungen erscheinen zum Greifen nah und der Hausverwalter Pierce (Tom Sizemore) nebenan macht auch einen zwiespältigen Eindruck.

Klar, da wird von Beginn an sprichwörtlich das Unheilvolle auf den Weg zum Anwesen gelegt, wenn Karens Freund einen toten Hirsch von der Fahrbahn räumen muss und anschließend im Haus Ratten aus dem Brotkasten vertreibt.
Kurz darauf ist Karen allein im Haus, sie hört nachts Geräusche, folgt ihren Ursprung und öffnet langsam eine Tür, hinter der noch nicht einmal die obligatorische Katze lauert.
Es tauchen allenfalls ein paar Kinder auf, die Karen und Schwester Wendy darstellen sollen.
Die machen aber nichts, außer sich einmal um einen Ball (oder so was) zu streiten, soll das denn wohl gruselig sein?
Nun denn, das ist die eine Seite, die dem Zuschauer das Fürchten nahe bringen soll und dabei kommt nicht einmal in Ansätzen Gänsehaut auf.

Aber es gibt auch noch eine weitere in Form von Tom Sizemore.
Da wird der Messerblock in seinem bescheidenen Heim schon mal direkt ein wenig länger im Bild festgehalten und seine Freundlichkeit stinkt drei Meilen gegen den Wind.
Immerhin sorgt er für eine richtig unfreiwillig komische Szene:
Nachdem Karen, von ihren Visionen geplagt, rücklings aus dem Fenster taumelt und geschätzte fünf Meter Sturz hinlegt, landet sie sanft in den Armen des Hausverwalters.
Hat der die ganze Zeit da unten rumgestanden und seine Arme ausgebreitet?

Im Verlauf der öden Handlung gesellt sich auch vorhin erwähnte Schwester Wendy hinzu und ist so naiv, dass sie sich vom Körpernähe suchenden Pierce tatsächlich auf der Schaukel anschubsen lässt, - die zweite unfreiwillig komische Szene…
Wendy geht´s gegen Ende aber nicht so gut, denn da zeigt Pierce sein wahres Gesicht und drängt sie mit „zeig mir doch mal, was du besser kannst als Tanzen“ in die Ecke.
Das Finale läuft erwartungsgemäß ab: Die beiden Schwestern flüchten vor Pierce zum Auto und was wird passieren? Klar, ist klotten das Teil.
Wenn die Auflösung heraus ist, ist man zumindest neugierig auf die Erklärung dessen und was dann? Ein kitschiger Satz von Karen und Abspann.
Mit der Menge an unbeantworteten Fragen ließe sich glatt eine Fortsetzung drehen…

Besser nicht, denn genossen habe ich hierbei nur den Score und der hat sich recht dreist einiger Passagen aus „Eyes wide shut“ und „Hannibal“ (von Hans Zimmer) bedient.
Das Geschehen schleppt sich müde, unspannend und ideenlos bis ins Finale und auch hier kann ein Tom Sizemore keinen überzeugenden Psychofritzen abgeben, wahrscheinlich hatten sie keinen anderen.
Gina Philips ist als sein Opfer ´n Ticken besser, aber auch nicht mitreißend.

So bleibt unterm Strich ein dutzendfach gesehener Thriller, der mit seiner vorhersehbaren Auflösung unzählige Fragen offen lässt.
Kaum unterhaltsam, lahm und wenig beachtenswert.
3 von 10 Punkten

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