Review
von Con Trai
Die versunkene Stadt (1984)
Die versunkene Stadt (1984)
"They tend to treat me like one the guys on the set. We sit around telling jokes with the crew they're all men, too. Sometimes they pull this macho act on me and have their own little clique. But that's the nature of the show. There are times when men need to be with men and women need to be with women. There are times I feel a little bit left out I don't want to sit around talking about guns all day but I have a wonderful make-up woman and hairdresser, so we have our own little female clique."
~ Melinda Culea
“Whenever the studio slips an actress on to the team, she becomes a distraction. She always slows down the action. She's someone who's only there for the glamor shots. Everything stops for the sexy smiles - and I can't see why that's necessary on The A-Team.”
~ George Peppard
Eine ungeschriebene Regel brechend, in der Serienspecials bzw. Langepisoden zu Beginn der neuen Staffel, zum Ende oder in der Mid Season und somit schon 'herausragend' platziert ausgestrahlt werden, hat das von den Serienerfindern Frank Lupo und Stephen J. Cannell geschriebene und vom umtriebigen Regisseur Michael O'Herlihy mit gewisser Detailfreude gedrehte "Die versunkene Stadt" den Vorzug der Eröffnung zur Dritten Staffel vom A-Team der Routinefolge und dem Zuschauerköder "Schatten im Sonnenparadies" um das im Sonnenstaat Florida gelegene „Surfsider Hotel“ und den Ärger zweier erbender Schwestern mit einem lokalen Gangsterboss überlassen. Der hiesige 'Anschluss' ist dabei in mehrerlei Hinsicht schon ein anderes Kaliber, nicht nur wegen der Ausdehnung auf 2x45min Sendezeit, sondern dem Wechsel der Location an den Amazonas und der speziellen Natur der Handlung her, wird hierbei doch das (erst zur Zweiten Staffel, bei "Die neue Dame“) als optische Augenweide involvierte Teammitglied der Reporterin Tawnia Baker schon wieder herausgeschrieben; ein Schicksal, dass zuvor der Kollegin Amy Amanda Allen passierte und womit die Produzenten der Serie auch endlich – und auch wegen eher unkollegialen bis bei Peppard wohl auch frauenfeindlichen Verhaltens und der Ingroup/Outgroup-Differenzierung der männlichen Darsteller am Set – darauf verzichten, das A-Team (auch unnötigerweise) mit weiblicher Verstärkung und einer Art Sexappeal für die Herren unter den Zuschauern auszurichten. (Favoriten der Dritten Staffel beim Publikum waren übrigens Episoden wie "Roulette auf Rädern" um einen spielsüchtigen Waisenhausbetreiber, "Die Auferstehung des toten Ingenieurs" um unerklärliche Vorfälle beim Bau eines neuen Kraftwerks, "Kopfgeldjäger" um die Entführung von Murdock durch einen geldsüchtigen Familienclan, "Elfenbein aus Kenia" um eine Bande skrupelloser Trophäenjäger und "Richtig ködern will gelernt sein" um einen geplanten Urlaub des A-Teams, die prompt in eine von Decker gestellte Falle geraten.)
Ausgestrahlt im September 1984 bedient die Folge dabei zeitlich passend das Abenteuerkino von Hollywood gleich mit, geht es vom sonst oft verwendeten Backlot der Universal Studios hier hinaus in die Wildnis, per Holzboot auf den Fluss, hinein in die schwüle Hitze und entlang vorbei an Krokodilen und anderen Getieren. Indiana Jones und der Tempel des Tod (wo man sich auch die Nazis als explosive Überraschung her entliehen hat) ist im Mai des Jahres angelaufen, Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten schon Ende März, gefolgt von Trittbrettfahrern wie Der Tempel des blutigen Goldes und Das Geheimnis der Phantomhöhlen. Auch hier wird eingangs viel mit Mythen spekuliert und der leichte Grusel bediente, Vorurteile gegenüber dem Unbekannten weitab der sogenannten Zivilisation geschürt und mit den üblichen Utensilien wie Schatzkarten, Talismänner, Totenschädeln und schmuddeligen Flusspiraten in zu kurz und klein gewordenen Ringelpullovern und natürlich atmosphärischen Stock footage Aufnahmen (wie bspw. von der mexikanischen Ausgrabungsstätte Palenque) einer so niemals direkt vom Drehteam besuchten Landschaft hantiert. (Gedreht wurde bei Stockton, Kalifornien.)
Die Verlegung vom Schauplatz hinein in Dickicht und Dschungel und die Arbeit von Requisite und Kulisse macht dabei auch den hauptsächlichen Reiz der stark grün mit ein wenig sandfarben gehaltenen Folge zwischen Kolonialismus, Ethnozentrismus und Auslandstourismus aus, das wenige Zwischengeplänkel mit der Organisation des A-Team, ihrer Besprechung, der 'Befreiung' von Murdock aus der Nervenheilanstalt und dem Austricksen von B.A. bezüglich seiner Flugangst sind sich stets variierende Lückenfüller und simple gruppenspezifischen Positionsbestimmungen, die man bspw. bei dem später justierten Zweiteiler Eine Seefahrt die ist lustig nicht mehr benötigt bzw. schlauerweise nicht mehr verwendet hat, sondern dies vorausgesetzt oder negiert und ignoriert, und wo das dortige Gebaren auch positiv effizient in der Hinsicht wirkt. Darüberhinaus ist man hier gerade in der notdürftig zusammengehauenen Zeltstadt vom El Cahon und dessen Menschenfängersieldung verbal etwas aggressiver ("Hol ihn her, El Cahon, oder ich pusste dein stinkendes Herz aus. Und wenn du nochmal dieses Gewehr auf mich richtest, schlag ich dir die Zähne ein!", oder auch das liebliche "Du dummes, fettes Schwein!"), außerdem muss man sämtliche Waren selber herantransportieren und die Sonne knallt unerbittlich. Eine Wiederholung des Waldkampfes, welches den Amerikanern aufgrund ihrer Kriegserfahrungen in Südostasien bekannt vorkommen dürfte, ähnlich zu der komplizierten Ortsbestimmung und dem feucht-heißen Klima.
Hier wie dort sprechen auch bald die Kugeln, erst wird eine Art lokale Hafenkneipe durchlöchert und dann mit der örtlichen Fuhrtruppe und bellenden Maschinengewehre angegriffen und entsprechend auch vom verschwitzten Quartett (+ der hier auch auffällig wenig im Bild gehaltenen, dann einfach nur schmuck aussehenden Tawnia) reagiert. Reifen platzen, Motorblöcke zerbersten, und ein Auto versucht den Sprung auf die abfahrende Barke; die Kamera immer dicht dran, teilweise auch als dritte Person fungierend bis mittem im Geschehen involviert; wobei die Actíonszenen in sämtlichen Jahren durchweg gleich gehalten sind und stets auf ein und dieselbe effektive Art und Weise fotografiert. Allzu viel passiert ansonsten bis auf den großangelegten Showdown nicht, aufgrund der Umgebung schon, ein kurze Flusschlacht mit explodierenden Schiff noch und etwas Improvisation mit den Materialien des Waldes zum Ausbau von Stolper- und Katapultfallen sowie der Machete.