Eine Seefahrt, die ist lustig (1985)
Eine Seefahrt, die ist lustig (1985)
"The show isn’t working because we’re flipping jeeps over. People are getting a kick out of the characters; we have specific things that make them funny."
~ Stephen J. Cannell
"We are not looking for Emmy award nominations, but to get the blood pumping at the network. In that, The A-Team has exceeded my expectations. As long as 42 million people keep watching, I don’t see any reason to change.”
~ Brandon Tartikoff
Besonders wegen der zweiten, der die bisherigen Ereignisse auf engen Raum (der frisch gebauten Tropicale der Carnival Cruise Lines) zusammenschnürenden und dort eskalieren lassenden Hälfte gelungener Zweiteiler als Staffeleröffnung zur Season 4, ursprünglich im September 1985 als Doppelfolge namens "Judgement Day" ausgestrahlt und auch als eine der (insgesamt) wenigen Episoden der Serie zusätzlich auf Video, dort mit dem nichtssagenden (Beisatz)Titel Sie kämpfen für das Recht veröffentlicht. Die vom Gespann Frank Lupo und Stephen J. Cannell kreierte und überwachte Serie selber hatte nach schnellem Höhenflug ab Frühjahr 1983 und einem stabilen Aufenthalt in den Top Ten der Nielsen Ratings, also der überragenden Beliebtheit beim Publikum nunmehr mit leichten Schwierigkeiten zu kämpfen, ist man plötzlich und dies sicher wegen der zunehmenden Wiederholung und geringfügigen Variation nur der stets gleichbleibenden Geschichten – ein Teil der Autoren wurde für die zeitgleich laufenden Trio mit vier Fäusten und Hardcastle & McCormick abgezogen – in der Gunst der Stunde herab und hierbei auf Platz 30 gerückt. Als verstärkt gelungen in dieser letzten 'originalen' Staffel, die von der finalen angehängten Season (unter dem neuen Produzenten Tom Blomquist und der Ergänzung durch Eddie Velez als Frankie „Dishpan“ Santana sowie Robert Vaughn als CIA Operative Hunt Stockwell) im Ton und in der Erzählführung noch grundlegend abweicht und auch kreativ und qualitativ frische sowie mit Stunt Casting gefüllte Wege geht, werden im Übrigen die Erzählungen "Mutter in Not" um die von einem Schlägertrupp und Immobilienmakler terrorisierten Mieter eines Hauses, die Caddyshack-Spielart "Nur für Mitglieder", "Der Pennbruder" um wegen Idenditätsdiebstahl für Terroristen verschwundene Obdachlose, "Die lieben Nachbarn" mit dem A-Team als Unterschlupf in der Vorstadt, "Wo ist das Monster, wenn man es braucht?" um die Differenzen zwischen einem Horrorfilmdreh und einem international gesuchten Kriegsverbrecher, "Der Schein trügt" über die Verwechslung des A-Teams mit einem anderen Söldnertrupp, "Diagnose - Größenwahn" um Murdocks entführten Psychiater, "Der rote Tod und seine Tochter" um eine als Begnadigung für Faceman getarnte Falle, "Glücksrad" und die eher sentimentale "Zurück in Vietnam" gezählt.
"Ich freue mich, dass mein Bruder kommt. Dann kann ich ihm zeigen, wie wir die Dinge in Amerika regeln."
Mit einem abenteuerlichen Hubschrauberstunt direkt wie aus Airwolf entliehen eröffnet der Zweiteiler, das Kidnapping einer Richtertochter per Bell 222 nur ein, zwei Meter über dem Wasser dahinfliegend; die Entführung als Hebel für die Prämisse, die das A-Team eine lange Reise anstreben und gleich mehrere schillernde mafiöse Personen hochnehmen lässt. Hier steht die Mannschaft gar im Dienst eines Vertreters für Recht und Ordnung, des von Dana Elcar gespielten Richters, eines der Leute, die sie zwar nicht selber festnehmen können, aber als Vertreter der Judikative im Staat verurteilen und hinter Gittern bringen. Eine Überschneidung von Familie und Beruf und die Abwägung davon in gleich mehreren Belangen, sowohl der Richter als auch der Angeklagte, der Gauner ist Blut-verwandtschaftlich gebunden und privat instruiert.
"Ja, aber das...bin ja ich."
"So gut haben sie nie ausgesehen."
Die gesamte Eröffnung ist ordentlich mit Aufwand gehalten und in mehreren größeren Aufnahmen wie dem Anrollen der ebenso bald eintreffenden Militärpolizei vor einem Hochhaus inmitten in der Metropole und dem rettenden Fallschirmsprung direkt im Stadtzentrum gestückelt, keinerlei preiswerte Trickaufnahmen, sondern jederzeit direkt vor Ort und gleichzeitig abenteuerlich und handfest ausgedrückt. Der Rest der Episode wird dann zunehmend kleiner, fast intim gar, geht es hinaus vor die Tore der Stadt und in die Nähe eines Campingplatzes, stilecht in eine Wohnwagensiedlung mit abgezirkelte Parzellen und dem kleinen Lattenzaun aus dem Traumkatalog für freiheitsliebende Hobby- und Reisemobiltouristen. Eine Welt für sich, die hier gezeichnet wird, zwischen Eskapismus und Trutzburg, eine Welt der Isoliertheit außerhalb der Gesellschaft, aber auch dem Gefangensein ohne wirkliche Privatsphäre, bekommt nicht nur der Nachbar (oder hier die Nachbarin) alles mit, sondern läuft man sich auch ständig selber über den Weg, was den Versuch einer heimlichen Dreiecks- (oder Vierecks)Beziehung zwischen den Bewachern der Geisel bald aufdeckt, das Misstrauen zueinander offenlegt und jede Zusammenarbeit oder gar das Zusammenleben vollends scheitern lässt. Die Siedlung ist bald Kleinholz, erst werden die kleinen Handfeuerwaffen, dann die Großkaliber und die Munitionsstangen gezückt, mehrere glorreiche Explosionen lassen ein Inferno los und in offensiver Kameranähe die Leute weglaufen und wegspringen und hinter ihnen Haus und Wagen aufglühen.
Den Anschluss hat speziell Lupo geschrieben, der erst mit einem (Sand)Straßenkrieg, einer explosiven Verfolgungsjagd mit hohem Munitionsverbrauch und viel Blechschaden einsteigt, eine rasante motorisierte Verkehrsschlacht, in der mit entzündeten Benzinkanistern Flammenmeere auf dem Untergrund ausgelöst werden und schließlich und endlich ein ganzes Flugzeug pulverisiert; nicht ohne das durch das sowieso schon brennende Wrack noch ein Auto geschleudert wird. Das eigentliche Geschehen findet auf dem Luxusschiff statt, eine frühe tongue-in-cheek Stirb langsam - Variante auf Hoher See mit Terroristen an Bord, "ich will sie tot, und wenn ich diesen ganzen Dampfer hochgehen lassen muss" als das Motto der Verbrecher, die sich bald unter die Touristen mischen und das weiße Traumschiff unsicher machen und zunehmend begrenzen. Lag die erste Hälfte der Folge als Meister der Effizienz – mehrere wichtige Leute von dort verschwinden einfach aus der Handlung oder haben nur einen Auftritt, der gesamte Aufenthalt in Italien ist bloß ein Shoot 'Em Up – der Fokus vermehrt auf Peppard, der mit seiner Doppelrolle logischerweise schon die Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist hier nun Schönling Benedict die treibende Kraft und hier auch tatsächlich mit unterstützendem Skript, einer Vielzahl von besseren Mit- und Gegenspielern und einer insgesamt ausgewogenen Figurenkonstellation inkl. präzisen Nebendarstellern gesegnet ist: June Chadwick als der Unterhaltungschefin, die erst den Einstieg aufs Schiff ermöglicht, der singende Nebenbuhler Michael DeLano, der misstrauische vorgesetzte Arzt, welcher von Regisseur David Hemmings gegeben wird, aber auch das junge und recht offenherzig gekleidete oder eher unbekleidete Zielobjekt. Überhaupt hat diese Episode, welche schon aufgrund der Location vom schwimmenden Konsum- und Vergnügungstempel deutlich als Kommentar zu Aaron Spellings zeitweise die Konkurrenz dominierenden Dauerbrenner The Love Boat (1977–1987) wirkt, am Pooldeck und auch in den Kabinen viele Bilder von nackter Haut und sparsam gehaltenen Bikinis zu bieten; eine visuelle deutliche Sexualisierung der 'Männer-' oder 'Jungsserie', die mit ihren zwischenzeitlich ins Team aufgenommenen Kolleginnen Melinda Culea respektive Marla Heasley nicht gerade feinfühlig umgegangen ist und die Entbehrlichkeit weiblicher Charaktere auch am Set und deren Gruppen-Narzissmus mehrfach zum Ausdruck gebracht hat.
Die hier zur Schau gestellte Gruppendynamik der vier Herren gibt ihnen dabei (und dies ohne die eigentlichen Sexismusvorwürfe zu entkräften) durchaus recht, gerade das Geplänkel vor dem Showdown zeigt ein blindlings eingespieltes, in aller Vertrautheit harmonierendes und auch jederzeit gleichberechtigtes maskulines Quartett, welches trotz erst später weiterer Actionszenen wie einer mehrfache Abseilaktion an Außenbord, dem Durchbrechen der Kabinenfenster, einer engen Kajütenprügelei und dem Hinterherjagen eines Schnellbootes erneut per Hubschrauber jederzeit den Betrieb aufrecht und gerade auch den Humor in seinen unterschiedlichen Facetten (Wortwitz, Slapstick, Komische Personen, Running Gags, die Parodie der Mafiosi, die Farce der Verkleidungen und speziell die Karnevalsveranstaltung etc.) oben hält.