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Nach wenigen Minuten stellt sich bereits die erste humorige Überraschung ein: „Hey, das ist doch Tom Sawyer…!“ – Und tatsächlich, es handelt sich um Sammy Snyders, der 1979 an der Seite von Brigitte Horney in der bislang besten Serienverfilmung Sawyer/Finn mitwirkte.
Dies ist zugleich so ziemlich seine letzte Präsenz auf der Leinwand, die Grube des Grauens hat ihn also entweder einbehalten oder der trashige Ruf dieses Streifens hat ihm die Zukunft verbaut.
In entsprechender Stimmung macht der Streifen jedoch Laune, auch wenn über weite Teile einfach gar nichts geschieht.

Denn im Grunde spricht der zwölfjährige, autistisch veranlagte Außenseiter Jamie nur mit seinem Teddy, flirtet seine Babysitterin an, bespannt Omas beim Duschen und bringt den Grummelmonstern in der Grube im Wald Essen. Erst in legaler Form vom Metzger, dann stößt er alle aus dem Dorf hinein, die ihn besonders ärgerten.

Mehr als schwarze Komödie konzipiert, kann man sich bei einer FSK 18 nur an den Kopf packen, denn Blut fließt nahezu gar nicht und allzu beklemmend wird die Lebenssituation der Hauptfigur auch nicht gezeichnet.
Vielleicht führte da der überdimensionale Score, der wie aus einem Jack Arnold Werk dröhnt, als würde in jeder zweiten Szene der Schrecken vom Amazonas das Ufer betreten, zu einiger Verwirrung, denn selbst wenn ein Junge einfach nur vor dem Kindermädchen flieht, knallen einem wuchtig dramatische Streicher entgegen.
Mitreißend ist hier allerdings gar nichts, denn es wird weder spannend, noch actionreich, allerdings sorgen einige Szenen für kleinere Lacher.

Die Dialoge sind überaus hölzern und können selbst von den bekannten Synchronstimmen, die jedes 80er Kind kennt, nicht aufgewertet werden. Snyder spielt den Unberechenbaren allerdings recht passabel, zwischen frühreifer Notgeilheit und Hilfsbereitschaft gegenüber seinen Freunden in der Grube, mimt er einen interessanten Charakter, dem Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Angenehm albern wird das allerdings erst, als Jamie versucht, eine Kuh zu bitten, freiwillig in die Grube zu latschen, versucht Hühner zu fangen und später eine Omi im Rollstuhl hinein schüttet. Zeitweise nimmt sich der Streifen überhaupt nicht mehr ernst, was verstärkt im letzten Drittel auffällt.

Von den Trollen im Erdloch sieht man lange Zeit kaum etwas außer gelb leuchtenden Klüsen und man hört deren Gebrüll, was eindeutig als solches von Löwen zu identifizieren ist.
Was mit den Opfern dort unten geschieht, kann man sich lediglich ausmalen, zu sehen gibt es weder Fressszenen, noch sonstiges Gekröse. Erst gegen Ende sieht man ein Zubeißen im Halbdunkel, - der Höhepunkt aller Splatterelemente.
Witziger wird es, als die mindestens hunderttausend Jahre alten Viecher an die Oberfläche gelangen und sich sogleich über eine Badenixe hermachen und später von den Dörflern mit Gewehren gejagt werden: Wieder ein paar Statisten, die sich durch das Überstreifen fusseliger Felle einen Donat dazu verdienen konnten.
Überraschend fallen allerdings die letzten Einstellungen aus, die für diese Drehzeit eine ungewöhnliche Pointe liefern und die Erwartungshaltung des Zuschauers doch in die Irre zu lenken vermögen.

Das macht aus „Grube des Grauens“ natürlich noch lange keinen passablen Horrorbeitrag, da es dem käsigen Geschehen über weite Teile am Vorankommen mangelt und die heimlich geschossenen Polaroids von einer Nackten, sowie das wiederholte Weglaufen vor der Babysitterin nur unnötige Längen entstehen lassen, zumal lange Zeit niemand in der Grube landet.
Doch nach einer Stunde verstärkt das Treiben die heitere Grundstimmung, endlich fallen Opfer in die Grube, nur warum die Troglodogs so heißen und warum die ausgerechnet Tom Sawyer entdecken muss, bleibt ungewiss.
Knapp
5 von 10

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