„Sabotage - Dark Assassin“ ist ein B-Film, wie er im Buche steht – und das ist in diesem Fall uneingeschränkt als Kompliment zu verstehen:
Mit verhältnismäßig geringen technischen und finanziellen Mitteln inszenierte Regisseur Tibor Takacs, welcher den Semi-Kultfilm „Gate“ sowie unzählige andere „direct to Video“-Produktionen (“Sanctuary“/“Deathline“) umsetzte, einen spannenden und actionreichen Film, bei dem er sich zudem auf eine Reihe guter Darsteller (Mark Dacascos, Tony Todd, Carrie Anne Moss, Graham Greene) verlassen konnte. Entscheidend ist sicherlich auch, dass die Drehbuchvorlage mehr als nur Standard-08/15-Actionkost hergab, denn die Handlung entfaltet sich in diesem Fall erstaunlich mehrschichtig und wendungsreich (ohne sie an dieser Stelle als (im allgemeinen Sinne) „ungewöhnlich komplex“ bezeichnen zu wollen).
Bosnien, 1993: Der Scharfschütze Michael Bishop (Dacascos), Mitglied der Navy S.E.A.L.s, erhält von seinem kommandierenden Offizier (Greene) den Auftrag, zusammen mit seinem Partner eine Geiselbefreiung inmitten des Kriegsgebiets durchzuführen. Kurz vorm Zugriff erscheint jedoch plötzlich der Söldner Sherwood (Todd) am Einsatzort und liefert sich ohne erkennbare Zurückhaltung ein Feuergefecht mit den Entführern – als die beiden Soldaten eingreifen, richtet er sich ebenfalls gegen sie, wobei er Bishop mit einer Salve aus seiner Uni niederstreckt und dessen Partner tötet. Ferner erschießt er im Anschluss alle Geiseln und „säubert“ den Tatort schließlich mit einer Sprengladung…
3 Jahre später: Bishop hatte den Anschlag damals schwer verletzt überlebt, war aber wegen des Missionsausgangs unehrenhaft aus der Armee entlassen worden – seitdem verdient er sich seinen Lebensunterhalt als Personenschützer, aktuell im Dienste des einflussreichen Geschäftsmanns Trent sowie dessen Frau. Als dieser am Flughafen beim Verlassen seines Privatjets Opfer eines Scharfschützen wird, gerät Bishop wegen seiner Vergangenheit in den Blickpunkt des FBI, vertreten durch die zuständige Agentin Louise Castle (Moss). Zusätzlich zu eigenen Nachforschungen, erfährt Michael von seinem Mentor, dem querschnittsgelähmten Follenfank (John Neville), dass Trent vor seinem Tod in Waffengeschäfte verstrickt gewesen sei, welche auch mit den Ereignissen damals (in Bosnien) in Verbindung standen. Nachdem Trents Frau kurz darauf ebenfalls vom Attentäter ausgeschaltet wird, kann Bishop den Schützen gar eindeutig als Sherwood identifizieren. Die Spuren scheinen tatsächlich auf jene Mission zu deuten, denn inzwischen ist sogar die CIA an den Untersuchungen beteiligt – und ein gewisser Agent Tollander (Greene), der Befehlsführer des damaligen Einsatzes, leitet nun die Ermittlungen für die Company. Die Verschwörung scheint sich quer durch alle Behörden bis in höchste Kreise zu ziehen, und aufgrund ihrer Untersuchungsergebnisse geraten Castle und Bishop schon bald direkt ins Visier von Sherwood, dessen Komplizen sowie den Hintermännern der Operation…
Mark Dacascos, der trotz der beiden fantastischen Christophe-Gans-Filme „Crying Freeman“ und „Pakt der Wölfe“ noch immer auf seinen großen Durchbruch wartet, wird zwar nie einen Oscar für seine Schauspielkunst gewinnen, überzeugt jedoch einmal mehr in einer sympathischen Hauptrolle. Leider bekommt man seine Kampfkünste nur in einer Szene richtig zu sehen, doch den Gebrauch diverser Arten von Schusswaffen beherrscht er ebenfalls perfekt. Im zur Seite steht Powerfrau Carrie Anne Moss (vor ihren Erfolgen mit „Chocolat“ oder der „Matrix“-Triologie), die Gegenseite bilden Graham Greene (“Wounded“/“Dances with Wolves“) sowie der eiskalt und souverän agierende Tony Todd (der „Candyman“ himself). Die Riege aus Vertretern der „zweiten Garde“ wird schließlich von John Neville („X-Files: Fight the Future“) als Bishops geheimnisvoller Mentor vervollständigt.
Die Regie bietet zwar keine wirklichen Überraschungen, ist aber absolut solide ausgefallen und vermag dabei jederzeit zu unterhalten, was diesen auf jeden Fall zu dem bislang besten Film von Regisseur Takacs macht. Die Story verleiht dem Gesamtbild einen weiteren Pluspunkt, denn sie bietet einige nette Wendungen und Verstrickungen (vor allem zwischen den beteiligten Parteien und Behörden), präsentiert gelungene Details, die man so bisher nicht oft zu sehen bekam (wie das Präzisionsgewehr von Sherwood, welches man wegen des Rückstoßes am Boden verankern muss), und hält bis zuletzt die Aufmerksamkeit neben der Action zusätzlich auf die Handlung gerichtet. Die interessante, wenn auch nicht ganz unvorhersehbare Auflösung (bezüglich des Drahtziehers) gefiel mir persönlich recht gut – noch mehr hingegen die im Anschluss daran folgende starke Schlußsequenz.
Die Härten des Films beschränken sich auf blutige Einschüsse, allerdings bekommen Actionfans fast ständig irgendwelche Anschläge, Verfolgungsjagden, Schusswechsel und Explosionen geboten, welche zudem an abwechslungsreichen Schauplätzen stattfinden (Bosnien, Flugplatz, Eisstadion etc). Es ist zu erwähnen, dass der zweite Akt etwas gebremster daherkommt – in ihm entwickelt sich verstärkt die Story weiter, was aber geringfügig auf Kosten der Spannung sowie des Tempos geschieht. Die finale Konfrontation zwischen Bishop und Sherwood fand ich durchaus gelungen, persönlich hätte ich mir das Duell jedoch ruhig ein wenig länger und direkter gewünscht. Trotzdem: „Sabotage“ lebt von seiner straffen Inszenierung, den überzeugenden Darstellern und der gut umgesetzten Action, welche sich trotz des begrenzten Budgets absolut sehen lassen kann.
Fazit: Ein hervorragender B-Film – knallhart, action- und abwechslungsreich, verpackt in einer überraschend interessanten Story … 8 von 10.