Review

Einmal mehr weist sich „The Gate“ – Erfinder Tibor Takács („Viper“, „Deathline“) als überaus fähiger B-Regisseur, der leider nur allzu oft die falschen Drehbücher angeboten bekommt, aus. Die allerdings hier vorgefundenen Vorrausetzungen könnten für ein Vorzeigeprodukt der Güteklasse B kaum sein. Offensichtlich standen Takács nicht nur ein Budget zu Verfügung, bei dem man nicht alle 5 Minuten Kompromisse eingehen musste, sondern auch ein Drehbuch, das genreuntypisch voller Überraschungen steckt und nicht zuletzt ein recht prominenter Cast, der „Sabotage“ den nötigen professionellen Anstrich verpasst.

Mark Dacascos („Crying Freeman”, „Drive” ), in seinen fruchtbarsten Jahren, zweites von drei Engagements unter Takács vernachlässigt zwar sträflich seine hervorragenden Martial-Arts-Kenntnisse, setzt dafür jedoch ausführlich und meist in Zeitlupe zelebrierend, auf äußerst blutige Shootouts inklusive explodierender Sets.

Michael Bishop (Dacascos) war einst ein Seal, musste nach einer fehlgeschlagenen CIA-Operation gegen Terroristen in Bosnien aber als Sündenbock herhalten, weil die zu befreienden Geiseln starben. Nach seinem unehrenhaften Ausscheiden aus dem Militär entschied er sich für den naheliegendsten Job: Bodyguard.
Als sein derzeitiger Arbeitgeber, der Magnat Jeffrey Trent (Richard Coulter), zusammen mit seinen Bodyguards auf dem Rollfeld eines Flughafens von einem Sniper ermordet wird, ergreift Bishop, der zu diesem Zeitpunkt lediglich dessen Frau beschützte, Eigeninitiative und drängt sich der ermittelnden, allein erziehenden FBI-Agentin Louise Castle (Carrie-Ann Moss, „The Matrix“, „Red Planet“) förmlich auf. Schnell muss sie feststellen, dass hier mehr im Argen liegt, als es scheint. Nicht nur, dass mit Arlen Bitterbuck (Graham Greene, „Dances with Wolves“, „Die Hard: With a Vengeance“) ausgerechnet Bishops einstiger Befehlsgeber vor Ort auftaucht, Sherwood (Tony Todd, „Night of the Living Dead“, „Candyman“), der Söldner, der seinerzeit Bishops Versagen verschuldete und schwer verletzte, verübte offensichtlich den Anschlag...

Zugegeben, „Sabotage“ verfügt über einen außergewöhnlich finessenreichen Plot, indem viele Personen ihre wahren Motive bedeckt halten. Trent war beispielsweise in Waffengeschäfte verwickelt und damit, wie später klar wird, in die Vorfälle in Serbien involviert. Aber so überraschend hier auch einige Offenbarungen sind, ich fand die Entschlüsselungen ehrlich gesagt nicht sonderlich interessant. Es mag an der Umsetzung gelegen haben, aber diese vielen Querverbindungen und Verstrickungen sind teilweise etwas zu wirr. Auch die Hinweise des ungelenk in den Film eingebundenen Mentors (John Neville, Gesicht bekannt aus „The Fifth Element“ oder „Spider“) Bishops, helfen meist nicht weiter.

Von daher sollte man sich als Zuschauer lieber auf die Action konzentrieren, denn davon gibt es reichhaltige Portionen mit einem ordentlichen Schuss Innovation, denn Geschossen aus der Egoperspektive zu folgen, zählte 1996 noch längst nicht zu den gängigen Standards. Curtis Petersen („No Contest“, „Direct Action“), neben George Mooradian der wohl beste Kameramann im B-Sektor, bietet hier einige unorthodoxe Kamerafahrten auf. Immer wieder beeindruckend in dieser Hinsicht die großkalibrige, fest montierte Sniper-Rifle von Sherwood.

Von der eröffnenden Serbienmission zu Beginn, über das Abschlachten auf dem Flughafen und diverse Attentate bis hin zu Hauserstürmungen hat „Sabotage“ abwechslungsreiche Kost anzubieten, die durchweg mit blutigen Shootouts (Gut, wenn man von solchen Kalibern perforiert wird...), schicken Explosionen und zahlreichen Toten auf beiden Seiten auffährt. Takács frönt hier wirklich in jeder Actionszene der Gewalt, am Liebsten in Zeitlupe.

Fazit:
Dank des angenehmen Tempos, das die komplizierte Story mit den erstklassigen Actionszenen in Einklang bringt, bleibt hier nur die Empfehlung. Mich hat der Plot zwar nicht vom Hocker gehauen, aber er ist weit über dem gängigen B-Standard und fördert tatsächlich einige Überraschungen ans Tageslicht. Der prominente Cast bekleckert sich zwar nicht mit Ruhm, man bemerkt den Unterschied zu mindertalentierten B-Mimen allerdings deutlich. Todd spielt eben mal wieder fies und Dacascos mit ausdrucksloser Mimik den Heroen.
Nicht zuletzt dank der relativ teuren Ausstattung, sowie den innovativ zelebrierten Actionszenen und dem damit verbundenem Härtegrad gibt es hier nicht viel daran auszusetzen.

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