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Pixar hat es geschafft, durch tricktechnisch beeindruckende Animationen den guten alten Zeichentrickfilm vergessen zu machen. Doch langsam scheinen den Machern der Trickschmiede die Ideen auszugehen. Oder wie kommt man sonst auf die haarsträubende Idee, in "Cars" sprechende Autos in einem öden, da unoriginellen Standardplot aufeinander loszulassen?

Zur Story: Der arrogante, junge Renn-Flitzer "Lightning" McQueen und zwei seiner Kontrahenten überqueren beim "Piston Cup", dem wichtigsten Pokal für Autorennen überhaupt, allesamt zeitgleich das Ziel. Also muss im entfernten Kalifornien in einem Entscheidungsrennen der Sieger ermittelt werden. Doch auf dem Weg dorthin kommt McQueen buchstäblich vom Weg ab und landet mitten in der Pampa: einem Wüstenkaff mit Namen Radiator Springs. Da er die dortige Straße demolierte, muss er sie als Strafe neu teeren. Doch das dauert seine Zeit und das Entscheidungsrennen rückt immer näher...

... und dann findet der arrogante Flitzer dort rostige und hysterische Auto-Freunde, verliebt sich in einen schönen Sportwagen (!), lernt etwas fürs Leben und möchte eigentlich gar nicht mehr weg. Das kennt man doch irgendwoher? Richtig: Da hätten wir "Doc Hollywood" oder entfernt "Das Haus am Meer", "Garden State" etc., die eine ähnliche Story erzählen. Folglich ist der Plot von "Cars" komplett vorhersehbar: Tradition trifft auf Jugend und erzieht diese (das ortsansässige Polizei-Auto war früher mal ein Rennwagen), der Wert des bornierten Kleinstadtlebens wird zu schätzen gelernt und moralische Werte zählen letztendlich mehr als der Gewinn eines schnöden Pokals. Gähn. Dabei ist "Cars" tricktechnisch perfekt animiert, formal also nahezu perfekt, doch inhaltlich kaum mehr wert als ein unterdurchschnittlicher Rosamunde-Pilcher-Roman. Unterstützt wird dieser Eindruck auch durch die teils unfreiwillig komisch anmutende Melodramatik und die unterkühlte Liebesgeschichte, da das abstrakt-absurde Minenspiel der Autos nun einmal nicht glaubwürdig genug ist, um mitzureißen. Dort ist auch die ein oder andere Länge auszumachen. Was dagegen in Erinnerung bleibt - und eigentlich auch die große Stärke von "Cars" ausmacht - sind die vielen kleinen selbstreferenziellen Gags in der totalen Autowelt. Da hätten wir Wolken in Form von Reifenprofilen; Insekten, welche aussehen wie VW-Käfer mit Flügeln; Felsen in Form des Hecks von einem Cadillac um nur einige zu nennen. Auch die schrulligen, aber geschwätzigen Figuren - die allerdings mehr und mehr zur Konvention werden - sorgen für Humor: der Hippie-VW-Bus und der italienische Reifenverkäufer mit Vorliebe für Ferrari bleiben dabei noch am ehesten im Gedächtnis. John Lasseters frühere Filme ("Das große Krabbeln", "Toy Story") waren allerdings innovativer und unterhaltsamer.

Fazit: "Tage des Donners" meets "Doc Hollywood" in gewohnter Pixar-Manier animiert. Das birgt nicht gerade für hohe Ansprüche und Tiefgang, wohl aber für Blockbuster-Qualitäten. Die originell anmutende Ausgangsidee, sprechende Autos zu animieren, ist zwar fantasievoll aber leider unglücklich, da zu abstrakt, um wirklich mitzureißen. "Cars" ist ein allzu kalkuliertes Animations-Spektakel mit tollen Effekten und spektakulären Autorennen. Solide bis gut, aber nicht mehr.

Knappe 7 von 10 Punkten

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