Lightning McQueen ist der neue Champ auf der Rennpiste. Besser gesagt, er ist die große Hoffnung des Rennsports und er ist getrieben von Ehrgeiz und Gier. Nach einem unentschiedenen Rennen, muss sich Lightning zu einem Stechen gegen seine zwei ärgsten und nicht minder starken Gegner einlassen. Dem Tatendrang und dem Erfolg Untertan möchte Lightning natürlich glänzen und sich bei einem reizvollen Sponsor einschleimen, von dem er sich neben dem Ruhm beim Rennen auch noch die Anerkennung und das angemessene Prestige verspricht.
Als Lightning seinen Fahrer Mack zu einer Nachtfahrt überredet, kommt es zu einem folgenschweren Mißgeschick. Während Mack einem seligen Sekundenschlaf frönt, geht Lightning im Nirgendwo verloren. Und was passiert einem Rennwagen in der Einöde des amerikanischen Niemandslands? Genau. Er rast in eine verschlafene Stadt, zertrümmert Zäune und einen gesamten Straßenzug. Kurzum wird er vom örtlichen Richter verurteilt, den Straßenzug wieder zu erneuern, bevor er sich weiter auf den Weg zu seinem großen Auftritt machen kann. Lightning geht unwillig an seine neue Aufgabe heran, da er, eitel und verwöhnt, sich an einem Platz wähnt, wo ein Rennwagen seine Kalibers im Prinzip nichts verloren hat.
Das hört sich alles so gar nicht nach Autos an, aber wir sind hier bei „Cars“. Lightning McQueen ist ein Auto und zwar in dem aktuellen Film aus der Pixar-Schmiede.
Trotz aller vermutlichen Anspielungen, die man mit der Story des Aufstrebenden verbindet, sei es Cole Trickle, dem Charakter von Tom Cruise in „Tage des Donners“, oder etwa mit dem Namen die Huldigung an Steve McQueen, seiner Profession und dem Rennfilm „Le Mans“, befinden wir uns in einem Zeichentrickfilm, der, ausgelegt für Kinder, allerdings viel Spaß für Erwachsene bereithält. Zeitweise dürfte der Film allerdings Probleme haben, sein eigentliches Publikum zu finden.
Wie es bei solchen kindgerechten Geschichten nun mal üblich ist, geht das Ganze nicht ohne eine Message über die Bühne. So muss man sich auch hier mit den üblichen Mustern der pädagogisch wertvollen Erzählstränge herumschlagen, in denen sich, in diesem Fall, ein hochnäsiger Schnösel mit Hang zum Größenwahn zu einem beliebten und herzlichen Charakter entwickelt. Die Geschichten drehen sich wie immer um den Erfolg und die daraus resultierende Blindheit vor den Dingen, die wirklich wichtig sind, was dem Charakter bildhaft klargemacht werden muss. Vom Leben auf der buchstäblichen Überholspur, wird der erfolgsgetriebene Lightning McQueen in die 30er-Zone geholt und lernt zu schätzen, was die Freude am Leben bedeutet und wie wichtig Freunde sind. Das zehrt ein bisschen arg an dem runden Verlauf des Filmes, da diese Intention dauerhaft spürbar ist. Auf der anderen Seite werden kindliche Zuschauer mit den blechernen Charakteren zu kämpfen haben, denen man nur schwerlich Sympathien zukommen lässt, weil man die Charaktersymbolik in den Autos nur mit einem hohen Grad der Abstraktion leisten kann. Die zwischen einer „Pleasantville“-Thematik, und dem aus „Valkenvania“ und „U-Turn“ bekannten Motiv des im schrulligen Nirgendwo gestrandeten Charakters aus der städtischen Welt pendelnde Story, kann sich ihrer lehrstückhaften Erzählweise natürlich nicht wirklich entziehen. Die zentralen Eckpunkte der Geschichte sind damit natürlich nach einer guten viertel Stunde schon bekannt und überraschen den wissenden Zuschauer nicht sonderlich. Allerdings erahnt der Zuschauer nicht, wie amüsant diese Eckpunkte abgehandelt werden.
Pixar spart es sich glücklicherweise, die Autos zu anthropomorphen Gestalten zu machen, als vielmehr menschliche Autos zu erschaffen. Verraten Autos über die Eigenschaften ihrer Besitzer etwas, so wird hier mit der Konnotation gespielt, welches Auto welche Charakterzüge repräsentiert. Diese Welt, die so auf sehr humorvolle Weise in Richtung von Autos einen neuen Lack verpasst bekommt, weiß zu überzeugen und erinnert im Sinne der Innovation oftmals an die Familie Feuerstein. Dort wo die Technisierung bekanntermaßen immer irgendwie durch die Ausbeutung der Fauna erreicht wurde, so werden hier die Dinge und die Umwelt in Richtung eines Auto-technischen Kontextes transformiert. Menschliche Eigenschaften und Gewohnheiten, auch gewisse Aktualitätsbezüge werden auf humorvolle Weise mit den Charakteren auf ihre eigene Spielart karikiert und laden den Zuschauer ein, Identifikationspunkte mit der eigenen Alltagswelt zu suchen und letztlich auch zu finden. Lebensweltliche Marotten, dörfische Bräuche und bekannte Stereotype aus dem amerikanischen Film der letzten 30 Jahre werden verquickt mit klassischen Verhaltensweisen und liefern so eine humorvolle Mixtur, die einen hohen Widererkennungswert birgt, aber durch die Transformation auch überspitzt zu unterhalten weiß.
Was von 300 Runden im Kreis fahren übrig blieb:
„Cars“ ist ein Film, der Groß und Klein mit vielen lustigen Einlagen erfreuen kann. Leider stolpert der Film über seine belehrende Art, die fast durchweg vorhanden ist. Die glänzende Situationskomik und gute Witze schaffen mit Mühe und Not, dieses Manko auszubügeln. Dabei bleibt die Erzählweise des Films erfreulich angenehm und verfällt nicht in den bloßen Austausch von Zoten. Ebenfalls positiv fällt die recht geistreich und intelligent gelungene Transformation der menschlichen Lebenswelt in eine aus Autos bestehende Besiedelung auf, was beim Zuschauer für weitere Lacher sorgt. Nicht zuletzt gewinnt man dadurch die Charaktere auch irgendwie lieb, so seltsam dies bei sprechendem Blech auch erscheinen mag. Eine herrliche Optik, schöne Panorama-Einstellungen der Einöde, schöne Bilder bei den Rennen und detailverliebte Motive erfreuen als Krönung das Auge.
WROOOOOOOOM Unbedingt anschauen!