"Es ist garnicht schlecht ab und zu Mal vom Gas zu gehen."
Im letzten Rennen um den Piston Cup fahren drei Rennwagen gemeinsam über die Ziellinie. Die Rennlegende King, der ewige Verfolger Chick Hicks sowie der Neuling Lightning McQueen. Erstmals soll durch ein Entscheidungsrennen in Kalifornien ein eindeutiger Sieger ermittelt werden. Den Vorteil hat wer die Strecke dort zuerst als Training für sich nutzen kann, also macht sich der mit einem übergroßen Ego ausgestattete Lightning McQueen direkt nach dem Rennen auf den Weg. Über Nacht wird er allerdings von seinem Transport-Truck Mack versehentlich verloren. Orientierungslos gelangt er mangels Scheinwerfer in das kleine Städtchen Radiator Springs wo er die Zugangsstraße zerstört. Anfangs nimmt er die Strafe die zerstörte Straße zu reparieren nicht für ernst, da sein verzögertes Training in Kalifornien und der Piston Cup alles ist was ihm von Wert ist. Während seiner Zwangsarbeit öffnen ihm allerdings die im Städtchen lebenden Automobile die Augen und zeigen ihm, dass gemeinschaftliches aufeinander zählen und Freundschaft ein Gut ist, was er nicht so ohne weiteres austauschen kann.
Pixar erweckte bereits mit dem Kurzfilm "Die kleine Lampe" einen toten Gebrauchsgegenstand zum leben. Nicht nur durch einfache Bewegungen, sondern mit einem Persönlichkeitsprofil, das den Unterschied von erwachsener und kindlicher Person zeichnete, und dies völligst ohne Dialoge. Das gelungene Experiment war für Pixar wohl Antrieb genug um es zu erweitern. Mit "Cars" erweckt das renommierte Animationsstudio titelgebende Autos zum leben. Autos die für Menschen und Tiere stehen, oder eben deren Persönlichkeitsprofile übernehmen.
Skepsis ist in diesem Fall angebracht. Und tatsächlich Bedarf es einer kurzen Einarbeitungszeit sich an diese völligst anderen Figuren zu gewöhnen. Pixar macht es dem Zuschauer allerdings zu Beginn auch nicht unbedingt leicht, wirft ihn stattdessen nicht nur in eine Welt voller vermenschlichter Autos sondern gleichzeitig in die laute Welt des Motorsports. Mit einem Blitzgewitter und lautem Getöse brummender Motorgeräusche lässt Pixar seine Fahrzeuge auf den Zuschauer los, actionreich und überladen inszeniert. Hier fängt das Animationsstudio die Begebenheiten des glamorösen Rennsports realistisch und gleichzeitig charmanter Überzeichnung ein.
Was darauf folgt ist eine Geschichte um einen ungestümen Jüngling der sich von niemandem Ratschläge geben lassen und meint, er wüsste alles besser. Auf dem Weg Abseits seines normalen Lebens erlebt er aber Läuterung und entdeckt, dass das Leben mehr bietet als nur den schnellen Ruhm und kurzlebigen Erfolg. Weder Handlung noch Thematik erweisen sich als neu, "Cars" schafft es allerdings seine Komponenten in eine Einheit zu bringen. Neben der eigentlich unterhaltenden Inszenierung präsentiert Pixar die Thematik um Freundschaft und Loyalität sowie deren Wertevermittlung ganz offensichtlich aber unaufdringlich und erlaubt sich ganz Nebenbei viel Liebe zum Detail.
Dies betrifft insbesonders die Formung der Charaktere und deren Zusammenspiel. "Cars" nimmt sich Zeit für seine Charaktere und gibt ihnen Profil sowie eine Hintergrundgeschichte. Ein tolles und vor allem herausstechendes Merkmal, dass gerade für einen Animationsfilm ungewöhnlich runde Charakterporträts zur Folge hat.
Langweilig wirds dadurch nicht, denn immer wieder unterbricht "Cars" die Figurenzeichnung mit ansprechend pointiertem Witz für groß und klein. Dieser ergibt sich durch Pixar-typische, skurrile Nebencharaktere, eleganten Anspielungen auf die reale Welt, schrägen Wortwitz oder cartoonhafter Situationskomik. Und da dies noch nicht genug ist setzt Pixar noch einen obendrauf. Zum Abspann finden sich Varianten bisheriger Spielfilme von Pixar, gnadenlos durch das Autodesign von "Cars" überzeichnet. Hier findet jeder etwas zum lachen.
Was bei "Cars" jedoch am meisten begeistert ist die nahezu perfekte Animation. Noch nie zuvor wurden derart real wirkende, beinahe fotorealistische, Landschaftsaufnahmen als Hintergrundmotive auf die Leinwand gezaubert. Ebenso grandios ist die Animation um die Blechkarossen, gerade wenn es um Licht- und Spiegelungseffekte geht. Zahlreiche Umgebungsdetails wie Rauch und Nebel oder ein aufwendig animierter Wasserfall runden die hervorragende visuelle Darbietung ab.
Ein flotter, moderner Soundtrack mit einigen bekannten Interpreten aus Country und Rock, wie beispielsweise Sheryl Crow oder Chuck Berry, sowie ohrenbetäubende Soundeffekte bieten atmosphärische Untermalung, nebst der beeindruckenden Optik.
"Cars" ist eine gelungene Mischung aus Witz, Action und Anspruch. Technisch gibt sich Pixar keine Blöße und erzeugt ein Effektgewitter perfekter Computeranimation. Auch wenn die Handlung wenig innovativ ist, besticht sie durch ihre erstaunlich runden Figuren und der glaubwürdigen Überbringung ihrer Moral. Nach wie vor kennt Pixars Mut keine Grenzen, der nun nach "Toy Story" weitere leblose Objekte menschlicher erscheinen lässt, als manches Individuum selbst.
10 / 10