Ich kann mich dem insgesamt doch eher positiven Grundtenor gegenüber "Millennium" nicht anschließen. Bereits bei der TV-Erstausstrahlung hat mich die Serie nicht mitgerissen und ergo habe ich die meisten der späteren Folgen nicht mehr angesehen. Der negative Ersteindruck hat sich bei der zweiten Sichtung auf DVD leider bestätigt. Dieses Review bezieht sich insbesondere auf den Serieneinstieg der Season 1, d.h. dem Pilot und den nachfolgenden drei Episoden.
Gerade mit etwas zeitlichem Abstand stellt sich schnell ein Überdruss ein, was das eigentliche Konzept (reduziert man dieses mal auf die Stichworte Profiler vs. Serientäter) angeht. Kaum ein Sujet wurde - spätestens seit die bekannteren (und oft auch die besseren) cinematischen Genrebeiträge die möglichen Inhalte in jeder Hinsicht ausgelotet und damit auch weitgehend erschöpft haben - auch fürs TV so gnadenlos ausgereizt, wie das Globalthema "Serienkiller". Mit "Millennium" gingen die Serienkiller für ein weltweites Fernsehpublikum in Serie, zu einem Zeitpunkt, als das Thema sich noch relativ betrachtet größter Popularität erfreute und also die Inflation noch anfeuerte. Die Abnutzungserscheinungen, insbesondere die Originalität betreffend, waren jedoch damals schon feststellbar und sind es in der Retrospektive erst recht.
Die ersten vier Folgen von "Millennium" sind in Bezug auf das Sujet nur eine Handbreit von der Parodie entfernt - ungewollterweise, versteht sich. Dies ist der hohen Anzahl an Klischees geschuldet und wird durch den bierernsten, geradezu biederen Ansatz noch unterstrichen. Mit etwas Ironie und galligem Humor hätte man ergo leicht eine makabere, schwarze Comedy aus der Serie machen können - auch wenn das ursprüngliche Konzept diese Möglichkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals auch nur in Erwägung gezogen hatte. Allein die Vorstellung dieser möglichen Interpretation zeigt jedoch die Probleme auf, mit der "Millennium" von Anfang an zu kämpfen hatte. Optimale Anfangsbedingungen sehen anders aus.
Dem eigentlichen Pilotfilm mag man seine Mängel noch nachsehen, da ein Pilot immer neben der Umsetzung des Inhalts auch noch die Aufgabe hat, die Charaktere und das Gesamtkonzept einzuführen und trotz der vorhandenen oder potentiellen Komplexität für den Zuschauer auf einen nachvollziehbaren Nenner zu reduzieren. Trotz durchaus einiger schöner, düsterer Bilder, bleiben jedoch vor allen Dingen die Klischees in der Erinnerung haften - zu den bereits erwähnten Abgedroschenheiten gesellen sich noch zusätzlich die eingefahrenen Stereotypen einer typischen (US-)TV-Serie. In dieser Hinsicht sei insbesondere das Privatleben und familiäre Umfeld des Profilers Frank Black genannt, welches für die jeweilige Handlung der einzelnen Folgen kaum oder überhaupt nicht relevant ist und - man ahnt oder befürchtet es bald - was die weitere Entwicklung angeht sehr langfristig ausgelegt ist. So verkommen die Szenen, in denen das fast schon spießige, bilderbuchhafte Familienglück von Frank Black dargestellt wird zu unnötigem Ballast.
An diesem Ballast trägt "Millennium" jedoch doppelt schwer, weil es der Serie insgesamt deutlich an Tempo und Drive fehlt. Die Behäbigkeit mit der in den einzelnen Folgen ermittelt wird, bzw. das Böse sein Unwesen treibt, ist nahezu beispiellos. Dazu gesellen sich recht seichte Dialoge, die - genretypisch mit ein paar vulgär-psychologischen Schlagworten angereichert - unerfreulich oft lediglich die Handlung paraphrasieren oder gar erklären. Nur sind die Inhalte selten so anspruchsvoll, dass man dem Publikum eine derartige Ahnungslosigkeit unterstellen bräuchte, um wiederum solch tumbe Erzählmethoden zu rechtfertigen. Mit anderen Worten: Nachdem sicherlich selbst schlichtere Gemüter im Zuschauerkreis die Motive und Zusammenhänge allein aufgrund der gezeigten Darstellung kapiert haben, darf irgendein Charakter eben jene Sachverhalte noch einmal expressis verbis erläutern. Da ist inzwischen so manche triviale TV-Soap im Mainstream-Bereich schon weiter.
Nebencharaktere wirken oft unglaubwürdig und verhalten sich bisweilen auch nicht wie reale Menschen, sie integrieren sich einfach nicht in den Gesamtkontext. Dialoge verkommen zu Phrasendrescherei. Frank Black läuft die meiste Zeit mit der immer gleichen Leidensmiene durch die Gegend und scheint dabei den Begriff der Laaannngsaaamkeit neu zu definieren. Überhaupt scheint er wenig zu tun zu haben (kümmert er sich nicht grad um seine Familie oder schwadroniert pseudo-wichtig mit einem Kollegen), als zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, damit sich ihm dank seiner Hellsicht die erforderlichen Informationen aufdrängen, um den Fall lösen zu können. So dankenswert ergiebig die Konzeption der Hauptfigur als gestandener, melancholischer, leidgeprüfter Ermittler mit der besonderen Gabe auch sein mag - in der Umsetzung ist sie zumindest sehr gewöhnungsbedürftig und unspektakulär. Endlich sind auch gerade die Stories selbst (insbesondere die Episoden "Heute hier, morgen tot" und "Der Richter") inhaltlich alles andere als überzeugend. Im Ergebnis wirkt "Millennium" meist weder plausibel, noch unheimlich oder spannend, sondern vielmehr unglaubwürdig, träge und langweilig.
Fazit: Zumindest der Einstieg in Season 1 und somit in die Serie als Ganzes konnte mich nicht überzeugen. Ob die weitere Entwicklung von "Millennium" (oder auch einzelne, möglicherweise herausragende Folgen) etwas an diesem Eindruck verändern mag, sei dahingestellt. Mein Ersteindruck ist jedenfalls unterdurchschnittlich ausgefallen. (4 / 10).