Es ist eine dunkle und kalte Welt da draußen. Eltern ermorden ihre Kinder, religiös-motivierte Serienkiller foltern, verstümmeln, töten Menschen und viel Böses scheint im Schatten des aufkommenden Jahrtausendwechsels zu gedeihen. Doch ganz hilflos steht die Welt dem Bösen natürlich nicht gegenüber, gibt es doch Männer wie Frank Black die uns als tapfere Ritter zur Seite gestellt werden.... in diesem Fall von Akte-X Vater Chris Carter.
Millennium setzte mitte der 90'er neue Maßstäbe im Bereich der TV-Serien, und das im mehreren Faktoren. Keine Serie zuvor wurde gründlicher recherchiert und liebevoller inszeniert (die Dreharbeiten des Pilotfilms glichen in Dauer und Umfang der eines Spielfilms). Keine Serie zuvor beschwor die einzigartig beklemmende Stimmung herauf, wie MILLENNIUM es vermochte.
Allerdings stieß Carter's zweites Kind, welches er auf die Bitte von FOX hin kreierte, auf wenig Gegenliebe. Dank der phänomenalen Promotion verzeichnete der Pilot der Serie zwar einen ebenso phänomenalen Erfolg, aber bereits mit der zweiten Episode viel das Interesse der Zuschauer um fast die Hälfte. Auf diesem Pfad der mittelmäßigen Beliebtheit (zumindest was die Quoten anging) sollte der Weg von Millennium bis zum Ende verlaufen.
Staffel 1 von 3 - Definitiv die beste Staffel der Serie.
Düster und beklemmend wie nie zuvor wurden Themen wie die Apokalypse, Serienmorde und übersinnliche, böse Mächte so schonungslos thematisiert. Einige Folgen der ersten Staffel zeichneten sich durch eine ungewohnte Brutalität aus (z.B. Der Richter, der in Deutschland bei seiner Premiere gekürzt wurde), die in den USA sogar eine recht kurzlebige Debatte über Gewalt im Fernsehen auslöste.
Die Stories basierten oft auf wahren Begebenheiten, und der Mystery-Part entlieh seine Ideen auch nahezu ausnahmslos aus dem wissenschaftlichen Bereich oder alter Mythen und biblischer Geschichten. Sicher muß man schon ein Faible für düstere und beunruhigende Geschichten haben, um den Einstieg in die Welt von Millennium "genießen" zu können, denn schön (im eigentlichen Sinne des Wortes) ist diese Serie eigentlich nicht.
Note dieser Staffel: sehr gut
Extrem düster, dramatisch und ungewohnt hart.
Staffel 2 von 3 - Die Wandlung
FOX fand Millennium zu düster. Man gab der blutigen, dunklen und oft perversen Mord- und Totschlagmentalität die Schuld für die niedrigen Einschaltquoten, was teilweise wohl auch der Wahrheit entsprochen hat. Man wollte sich von nun an mehr an die Gebiete "Apokalypse" und "Mystery" herantasten, also die Grundidee in Richtung der X-Akten zu shiften, mit denen FOX ja phänomenale Ergebnisse erzielte. Außerdem hatte FOX es tatsächlich vor, Frank einen "heiteren Partner" zu Seite zu stellen, der die Geschehnisse auflockern sollte! Millennium sollte "witziger" werden! Carter lief verständlicherweise Sturm und legte sein unmißverstänliches Veto ein: Mit solchen Änderungen würde es keine weiteren Millennium-Staffeln geben! FOX besaß zwar die Rechte an Millennium, allerdings lagen die Rechte für die Charaktere bei Carter, waren also SEIN geistiges Eigentum. Und Millennium ohne Frank Black wäre ja ziemlich lau. Man einigte sich also auf einen Mittelweg: Weniger Düsternis, mehr Mystery. Also verschwanden die Serienkiller aus der Serie. Aus MM wurde eine unterhaltsame und interessante Mystery-Serie, für die oft Konzepte verwendet wurden, die vorher eigentlich für die X-Akten gedacht waren. Zwar wurde dadurch das wirklich Einzigartige an Millennium von FOX ausgelöscht, aber da die Geschichten immer noch einen unvergleichlichen (und immer noch düsteren) Charme hatten, blieb Millennium ein Genre für sich. Deshalb sind trotz der Abkehr von der ursprünglichen Idee viele Episoden der zweiten Staffel äußerst spannend und interessant. Es ging also vermehrt um biblische Themen, Verschwörungen verschiedener Gruppen, geheime Experimente und zu guter Letzt wurde die Millennium Gruppe selbst zum Mittelpunkt der Serie. Der entbrannte Konflikt zwischen Frank und der Gruppe stieg ab Mitte der Staffel immer weiter an und gipfelte in einer umwerfend spannenden Final-Doppelfolge....
Note diese Staffel: sehr gut (wenn auch auf andere Weise als Staffel 1).
Obwohl sich MM von Carter's ursprünglicher Idee entfernte, war die Serie nach wie vor einzigartig und anspruchsvoll.
Staffel 3 von 3 - Das traurige Sterben
Millennium findet seinen Äther-Tod in einer ziemlich laschen und nur von ganz wenigen interessanten Episoden aufgelockerten dritten Staffel. Die Geschichten wirken fahl, uninspiriert und oberflächlich. Auf viele in der zweiten Staffel (besonders dem Finale) aufgetauchten Fragen gibt's keine Antworten. Und viele liebgewonnene Charaktere wurden eingestampft (eigentlich alle außer Frank, Peter Watts und Jordan), und sehr blass mit neuen Charakteren ersetzt. Chris Carter hatte sich fast völlig von der Serie entfernt, fungierte nur noch als Executive Producer. Glen Morgan und James Wong die früher für einige der besten Serien-Scripte überhaupt verantwortlich waren, gingen ebenfalls. Das endgültige Finale der Serie wurde auch diesmal in eine Doppelfolge gepackt - Allerdings hätte diese Doppelfolge eher in die Mitte der Staffel gepasst, als ans Ende. Völlig lau! Kein spektakuläres Ende für eine der besten Mystery-Serien aller Zeiten, wie man es sich gewünscht hätte.
Note diese Staffel: mangehalft
Was als geniale düstere Vision begann ebbte ab in eine trockene, platte Durchschnitts-Serie.
Für absolute Fans ist es natürlich keine Frage: Die ganze Serie wird gesehen und sauber auf Tapes oder VCD archiviert (bzw. in Form von DVD-Boxen gekauft - allerdings wird's diesen Luxus für die deutschen Fans wohl erstman nicht geben). Für alle Anderen dürfte lediglich Staffel 1 (und evtl. auch Nummer 2) eine lohnende Zeit- und Geldinvestition darstellen.
DIE DARSTELLER
Lance Henriksen ist einfach die Idealbesetzung für den Profiler Frank Black. Sein markantes, faltiges Gesicht und seine dunkle, rohe Stimme harmonieren perfekt mit dem Charakter Black. In keiner Episode versagt der routinierte Schauspieler, dem die Rolle sehr gefiel, und der damals gerne an einem MM-Kinofilm mitgewirkt hätte. Kleine Anekdote: Es war für Henriksen eine richtige Überwindung nicht mehr zu gestikulieren, während er als Frank Black seine Texte sprach :-)
Für Terry O'Quinn als Peter Watts gilt EXAKT das Gleiche wie für Henriksen: einfach die Ideal-Besetzung! Der intelligente und völlig undurchsichtige Peter Watts, der sachlich die Fassung bewahrt, nervös an seinen Prinzipien zweifelt oder der Verzweiflung nahe seine entführte Tochter retten will, alles wird erstklassig von O'Quinn gemeistert.
Megan Gallagher macht ihre Sache gut, allerdings kann man es ihr nicht verdenken, daß sie nach der zweiten Staffel austeigen wollte. Ihre Figur, Catherine Black, war einfach zu eingeengt und oberfächlich.
Außerdem begann Catherine im Laufe der Zeit mit ihrer engelsgleichen Art zu nerven, besonders weil die Fans durch (meiner Meinung nach) unvorsichtiges Drehbuchschreiben etwas gegen sie aufgebracht wurden, weil sie sich Frank gegenüber etwas zu zickig gab (im Laufe der zweiten Staffel).
Weiterhin positiv:
Allan Zinyk als Brian Roedecker (Staffel 2). Absolut Top war die Besetzung von Bill Smitrovich als Bob Bletcher in der ersten Staffel. Ebenso liebgewonnen hatte man nach der ersten Staffel Stephen J. Lang als Det. Giebelhouse. Ein Highlight einer Episode war immer Sarah-Jane Redmond als die dämonische Lucy Butler (sie hatte zum Glück in den letzten beiden Staffeln mehrere Auftritte).
Eher Mittelmäßig:
CCH Pounder als Ceryl Andrews (ihr Charakter war einfach... nicht gut geschrieben). Brittany Tiplady als Jordan Black (wie das mit Kindern in Filmen nunmal so ist - in vielen Fällen nerven sie. Jordan ist aber eine positive, wenn auch nicht überrragende Ausnahme).
Leider eher schlecht:
Klea Scott als Emma Hollis (halbherzig hingezimmerte FBI-Partnerin für Frank Black in Staffel 3 - öde!)
MUSIK
Mark Snow bescherte den MM-Fans ein wunderschönes Theme und eine exzellente musikalische Untermalung, die sich auf dem gleichen Level wie seine Akte-X-Arbeit bewegt. Er sackte dafür mehrere Preise ein, und dies auch völlig zurecht. Ein paar der schönsten Passagen gibt's im Pilotfilm und in der Episode "Force Majeure" (Staffel 1).
FAZIT
Ohne Millennium wäre die TV-Serien-Landschaft um einiges ärmer! Obwohl später wenig beachtet und recht unerfolgreich war MM beispiellose Krimi-Thriller-Mystery Unterhaltung der anspruchsvollen Art. Wer weiß was draus geworden wäre, hätte man Carter freie Hand gelassen...
Okay, hier endet das eigentliche Review. Zum Abschluss noch einmal (fast!) jede Folge mit Schulnotenbewertung, und einigen Worten.
---------------------------------------
STAFFEL 1 - Pilotfilm (The Frenchman)
Note 2-
verstörend, düster, guter Einstieg in die Serie
STAFFEL 1 - Gehenna
Note 2+
mystisch, noch düsterer, eine meiner Lieblingsfolgen
STAFFEL 1 - Dead Letters
Note 1
bodenständig und realitätsnah (keine Mystik). Intelligent und clever.
STAFFEL 1 - The Judge
Note 2-
brutal, gut geschrieben, nur nicht sehr spannend
STAFFEL 1 - 5-2-2-6-6-6
Note 1
sehr spannend, intelligent und wahrlich "explosiv"
STAFFEL 1 - Kingdom Come
Note 3
routiniert aber etwas blass
STAFFEL 1 - Blood Relatives
Note 2
Gut inszeniert, coole Darsteller und ein tolles Ende
STAFFEL 1 - The Well-Worn-Lock
Note 4
Die "Catherine-Episode". Ein reines Vergewaltigungs-Drama. Kaum Frank,
nichts "millenniumistisches".
STAFFEL 1 - Wide Open
Note 3+
Nicht sehr spannend, aber solide.
STAFFEL 1 - The Wild and the Innocent
Note 1
Wundervoll geschrieben und gespielt. Zwar keine Mystik, aber einfach eine
tolle, traurige Geschichte!
STAFFEL 1 - Weeds
Note 2
Tolle Script-Idee, gut umgesetzt. Gute Darsteller, verliert leider gegen Ende
etwas Schwung.
STAFFEL 1 - Loin Like a Hunting Flame
Note 4
Sex im amerikanischen TV ist ne schwerde Sache. Die Folge wirkt zu
weichgespült, sonst wäre evtl. ne 3 als Note drin.
STAFFEL 1 - Force Majeure
Note 2
Etwas abgehoben, aber toll inszeniert. Super Musik von Mark Snow!
STAFFEL 1 - The Thin White Line
Note 1
Sehr psychologische Story. Gut gemacht!
STAFFEL 1 - Sacrament
Note 3
Keine richtige Tiefe, aber die Darsteller sind gut!
STAFFEL 1 - Covenant
Note 3
Völlig Spannungslos, eher ein Drama. Aber nett inszeniert.
STAFFEL 1 - Walkabout
Note 3-
Toller Anfang (Frank in Gefahr!), aber die fortlaufende Story und das Ende
sind eine Enttäuschung.
STAFFEL 1 - Lamentation
Note 1
Düster, Gruselig, Dramatisch. Ein absoluter Höhepunkt der Serie!
STAFFEL 1 - Power, Principalities, Thrones and Dominions
Note 2
Quasi-Fortsetzung von Lamentation. Ruhiger als der Vorgänger, aber immer
noch gut!
STAFFEL 1 - Broken World
Note 2-
Interessant, düster und dreckig.
STAFFEL 1 - Maranatha
Note 1
Hart, kalt, cool... russisch! :-)
Neben Lamentation der Höhepunkt.
STAFFEL 1 - Paper Dove
Note 4-
Als Finale leider zu peinlich. Das Ur-Script war für's TV zu pervers und krass,
weswegen wie einen Killer sehen, der Frauen tötet, um sich mit ihnen zu
unterhalten! Eigentlich sollte es um Nekrophilie gehen.
------------------------------
STAFFEL 2 - The Beginning and the End
Note 2
Gute Wiedereinstieg. Routiniert und dramatisch.
STAFFEL 2 - Beware of the Dog
Note 3+
Die Einführung des "Alten Mannes". Storymäßig eher Durchschnitt.
STAFFEL 2 - Sense and Antisense
Note 1
Kryptisch, schnell und ein Ende mit sehr viel Interpretationsraum
STAFFEL 2 - Monster
Note 3
Nette Idee, aber eigentlich sehr harmlos (es passiert so gut wie nichts).
STAFFEL 2 - A Single Blade of Grass
Note 5
Sorry, aber der Bodensatz der Serie. Langweillig und blöd.
STAFFEL 2 - The Curse of Frank Black
Note 1
Ungewöhnlich. Gruselepisode zu Halloween mit kryptischem Ende. Toll!
STAFFEL 2 - 19:19
Habe gute Erinnerungen, muss sie aber nochmal gucken um mehr zu schreiben.
STAFFEL 2 - The Hand of Saint Sebastian
Note 1
Millennium in Deutschland mit Gottfried John als deutscher Polizist.
Storymäßig schon toll - dazu kommt der "Deutsch-Bonus" :-)
STAFFEL 2- Jose Chung's Doomsday Defense
Note.... öhm
Eigentlich nicht wirklich Millennium. Sehr abgehoben, und schräg. Lustig zum
anschauen, aber irgendwie... etwas deplaziert.
STAFFEL 2 - Midnight of the Century
Note 1
Wundervolles Weihnachts-Drama um Frank, seinen Vater und seine verstorbene Mutter. Supertolle Musik von Snow!
STAFFEL 2 - Goodbye Charlie
Zu lange her, aber aber sehr schlechte Erinnerungen. Unter Vorbehalt,
Note 4-
STAFFEL 2 - Luminary
Nicht gerade millenniumistisch und spannend, aber in Maßen interessant.
Brion James als Gaststar! :-)
STAFFEL 2 - The Mikado
Note 1
Spannend, toll und durch die derzeitigen Video-Ermordungen aus dem irak im
Internet, leider erschreckend realistisch.
STAFFEL 2 - The Pest House
Note 2-3
Gewinnt gen Ende an Spannung.
STAFFEL 2 - Owls
STAFFEL 2 - Roosters
Note 1 (beide Episoden)
Fast schon ein Millennium-Spielfilm. Super Doppelfolge.
STAFFEL 2 - Siren
Note 3
Die Folge führt leider nicht wirklich irgendwohin, aber ist zumindest sehr
kryptisch und rätselhaft.
STAFFEL 2 - In Arcadia Ego
Note 1-
Kühles Drama mit klasse Darstellern und einem interessanten Ende.
STAFFEL 2 - Anamnesis
Ist zu lange her.
STAFFEL 2 - A Room with no View
Note 2
Lucy Butler strikes again. Düster und bizarr.
STAFFEL 2 - Somehow Satan got Behind me
Note 2
Eine Art Episoden-Episode in der nicht Frank im Mittelpunkt stehtm sondern
vier greise Teufel, die über die Menschheit philosophieren.
Nicht wirklich Millennium - aber lustig.
STAFFEL 2 - The Fourth Horseman
STAFFEL 2 - The Time is Now
Note 1+ (beide Episoden)
Der absoluter Millennium-Oberhammer als Finale der 2. Staffel!
------------------------------
STAFFEL 3
Habe leider die gesammte Staffel lange nicht mehr gesehen, und werde die Bewertungen nachreichen, nachdem ich im September die DVD-Box erhalten und durchgeschaut habe. Aber erwartet lieber ein große Anzahl von eher schlechten Noten :-|