Review

Heißa, was ein Spaß! Normalerweise hat man ja Nachsicht mit den Trash-SF-Klassikern der goldenen 50er Jahre, als man mit einem Alienmonster und zwei, drei billigen Darstellern das Beste aus seinem nichtvorhandenen Budget rausholte, aber "Invaders from Mars" übertreibts wirklich etwas. Und das ist um so schändlicher, weil Regisseur William Cameron Menzies wahrlich kein Nichtskönner war.

Natürlich ist das Ding allein durch Tobe Hoopers Remake ein Klassiker geworden, aber woran liegts denn?
Vielleicht an der urigen Künstlichkeit. Wir sehen: Raumschiff landet hinter einem Hügel hinter einem Wohnhaus in einer Art Sandgrube und wird dabei von Sohnematz beobachtet, worauf ihm natürlich keiner glaubt, weil sich das Untertäschen sofort im Sand verbuddelt hat. Trotzdem marschieren fleißig alle über den Hügel und plumpsen in ein Loch, von dem wir immer nur den sich öffnenden (vorwärts gedreht) oder sich schließenden (rückwärts gedreht) Sandtrichter sehen. Allein der im Studio aufgebaute Hügel mit der Sandgrube dahinter ist so aufregend künstlich und die Hintergrundswände so unglaublich falsch, daß es eine wahre Pracht ist.

Tatsächlich kann man aus diesen Mängeln einen gewissen Reiz ziehen, denn Menzies steht zu der totalen Künstlichkeit und erzielt damit einen zeitweise beunruhigenden Verfremdungseffekt. Zahlreiche Räume (insbesondere das Polizeipräsidium und das Observatorium) sind natürlich im Studio nachgestellt. Extrem hohe Studiowände lassen die Menschen verschwindend klein wirken, während der kahle Hintergrund gar nicht ausgefüllt wirkt. So konzentriert sich der Blick z.B. nur auf die Rezeption des diensthabenden Beamten, der in etwa ein Sechstel des Bildes ausmacht. Der Rest des Hintergrunds ist leere, ungeschmückte Wand, ein Spareffekt, der wirkt, als hätte man ein Billig-E.C.-Comic 1:1 verfilmt.

Auch eine gewisse Bedrohlichkeit kann man dem Film nicht absprechen, denn die veränderten Opfer wirken fies gefühllos und bedrohlich. Vor allem die Nachbarstochter kann einem die Schuhe ausziehen. Wo es jedoch gebricht, sind Drehbuch und Tricks.
Zunächst mal zur inneren Logik: Findet nicht statt. Sämtliche Figuren sabbeln einen dermaßen hanebüchenen Quark zusammen, daß sich alle Haare sträuben. Da erklärt der Observatoriumsexperte, daß man Jupiter und Neptun als Landeplatz für Raumschiffe nutzen könnte, bekennt sich zur unbekannten Rückseite des Mondes, führt dann aber eine handgemalte (!!!), nicht zu deutende Marslandschaft auf und ergänzt diese noch mit Erklärungen zu Atmosphäre und Lebensbedingungen. Später gibt er erst zu, die Existenz von Außerirdischen nur zu ahnen, weiß dann aber über vier Arten von Raumschiffen bescheid, kennt die Lebensformen des Mars und weiß, daß sie androidenhafte Diener gebaut haben und wie sie heißen. Von solchen Krachern gibt's noch mehr Beispiele, die hier den Rahmen des Erträglichen sprengen würden.
Und im Dienste einer gesunden amerikanischen Familie müssen natürlich alle Übernommenen nach ihrer Ergreifung sterben, nur die Eltern unseres Protagonisten klappen nicht ab, sondern geraten an den rettenden Hirnchirurgen. Währenddessen rückt die Armee an und führt sich ziemlich dämlich, aber dafür schön weltrettend auf. Garniert wird das Ganze von endlosen Einspielungen von Archivmaterial der Army (bisweilen dreimal wiederholt), die bestimmt gut 8 Minuten im Film ausmachen, der nur 80 lang ist. Wohl kaum noch erwähnen muß ich, daß Sohnemann extrem nervig und kreischig ist, noch dazu gegeißelt mit einer entsetzlichen Synchronstimme.

Quietschig aber sind erst die Tricks. Abgesehen von den Studiokulissen und dem Archivmaterial schießt so ziemlich jeder Trick den Vogel ab. Die leuchtende Untertasse ist nur kurz reinkopiert, die Wühlerei in den Sand zeigt irgendetwas Undefinierbares. Unter dem Sand gibt es zack-zack ein Höhlensystem mit lustigen Kugeln an Wand und Decke und das Raumschiff ist lotterleer. Dafür gibt's ein paar Alltime-Favorits der schlechten Monstermasken: die androiden Helfer, für die man Statisten in ein Teddyfell eingenäht hat (was sag ich...hinten gibt doch einen wunderschön riesigen Reißverschluß...) und ihnen eine abgesägte Gasmaske aufsetzte. Ihr Laufstil schwankt zwischen Tanzbär und Neandertaler, wobei sie aber schön die Reihe halten können. Einigermaßen akzeptabel gemacht ist der Marsianer, ein kleines Geschöpf daß nur aus Kopf und ein paar Tentakeln besteht, mittels Spiegeltricks recht angenehm von der Optik. Noch dazu hält er die Klappe, was wohl auch besser so war. Die Montage der Sprengungen sind Quatsch mit Soße und man ist wahrhaft froh, wenn der Clipper endlich explodiert, womit die Erde aber noch nicht ganz außer Gefahr wäre.

Als Garnitur führe ich noch die notwendige Erwähnung an , daß in der geheimen Fabrik, auf die die Marsianer es abgesehen haben, natürlich KEINE Atomwaffen hergestellt werden, sondern Raketen für eine Station im Weltraum, auf die dann Atomraketen kommen. Soviel zur Beruhigung der Jugend und den Ideen für SDI!

Für Trashfans ist das ein super Abend, den Film samt knalliger Farben zu genießen. Und wer aufmerksam zuhört, hat den Rest der Woche was zu beömmeln, weil die schonungslos doofe Naivität, die hier verkauft wurde, schon fast intellektuell bedenklich ist. Aber da ich weiß, daß die 50er ihre Flachbeiträge schon besser verkauft und professioneller getrickst haben und das alles unterhaltsamer und gewitzter rüberkamm, reicht es hier nur für 4/10. Wobei ich jedem einen Pflichtdurchgang schon wegen des Lachfaktors ans Herz lege.
Und kaum zu glauben: damit ist Hoopers Remake tatsächlich intelligenter als das Original.

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