Liebe laesst haeufig die seltsamsten und unergruendlichsten Auswuechse spriessen, und schlaengeln sich die Ranken einer solchen dann auch noch bis in die Zeitungs- und TV-Schlagzeilen hoch, setzen sich langsam die Muehlen der Filmindustrie in Bewegung.
So geschehen nach den hinlaenglich bekannten Geschehnissen im hessischen Rotenburg, die in "Cannibal" ihre Amateurfilm-Umsetzung fanden, leider jedoch ohne Low Budget-Bonus.
Der Umstand einer niedrig finanzierten Produktion macht sich hier naemlich ausgerechnet dort am heftigsten bemerkbar, wo es nicht haette sein duerfen: an den 2 Darstellern. Zu ambitioniert wird versucht, emotionale Kaelte in den Persoenlichkeiten zu vermeiden, zuviel Kraft darauf verwendet, die beiden Menschen Menschen bleiben und nicht zu Bestien werden zu lassen. Das aeussert sich vor allem dann, wenn es zu (oft abgrundtief schlechten) Dialogen kommt, die unfassbar gekuenstelt und "over the top" ueberbracht werden, erinnert teilweise an schlechtes Theater, teilweise an eine Persiflage(Geschlechtsverkehr-Szene).
Was die Erotik zwischen den beiden Maennern allgemein betrifft, wurde bedauerlicherweise auch ziemlich danebengeschossen. Statt verzweifelt-sehnsuechtiger Zaertlichkeit ist nur der Versuch zu sehen, die koerperliche Beziehung vor dem eigentlichen Akt moeglichst so zu romantisieren, dass dem Zuschauer eben wieder klar wird, keine unmenschlichen Monster vor sich auf dem Bildschirm zu haben. Vor allem die Gestik des "Fleisch"-Darstellers ist zu unnatuerlich und krampfhaft konstruiert, ebenso wie die Idee(wie sieht es mit dem realen Hintergrund dbzgl. aus?), das eigentliche "Opfer" die dominante Rolle einnehmen zu lassen, die dann bis zur Demuetigung("Du bist zu schwach!") des "Taeters" reicht, als dieser es nicht schafft, sozusagen den ersten Schritt zu vollenden.
Danach geht es recht zuegig und bald setzen die aeusserst (und durchaus ordentlich und glaubhaft gemachten(Genital-Szene))expliziten Szenen ein, deren Eindruecke allerdings von der kitschigen und klischeehaften Umgebung getruebt werden, i.e. trueb-duesterer Keller/Stall, generell viel zu dunkel gehaltene Raeume, semi-stimmungsvolle Kerzenszenen etc. Schade, denn obwohl auch der Ausweidungs- und "Portionierungs"-Einstellung die schlussendlich so wichtige Glaubhaftigkeit fehlt, wurde es zumindest auf technisch gutem Niveau vollfuehrt, wie auch so gut wie saemtliche Bild- und Kameraangelegenheiten.
Der Film kulminiert in einem "dinner for one" mit dem wohl unnoetigsten Detail ueberhaupt, das mir letztendlich ALLES versaut hat. Man wird wissen, was ich meine.
Ich respektiere es, dass Wert darauf gelegt wurde, die Sache in einem neutralen Licht und die Maenner nicht als beknackte Perverse darzustellen, dem fertigen Produkt fehlte es dann aber an der adäquaten Umsetzung des Vorhabens und ist daher nicht viel mehr als ein "Fleshploitation"-Streifen.
2 Punkte fuer die gelungenen "Splatter"-Szenen und 1 Punkt fuer den Soundtrack-Beitrag von Foetus und Hacke.