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Sehr verehrter Leser.

Suchen Sie etwas aussergewöhnliches ? Eine Grenzerfahrung ? Haben Sie all die ästhetisierenden Gewaltverherrlichungen satt ? Dann probieren Sie es doch einfach einmal mit "Cannibal - Aus dem Tagebuch eines Kannibalen". Der Titel - Hauptsache was in Englisch - deutet es schon an, hier gehts zur Sache, sind doch schließlich so ziemlich alle Kannibalen Filme die je gedreht wurden eine Aneinanderreihung expliziter Schläge in die Fresse der deutschen Zensur gewesen.

Doch ein einfacher Film über´s "Fressen-und-gefressen-werden" holt heutzutage ja nichtmal mehr ne alte Oma von ihrem Strickzeug weg. Was für ein Glück, dass es immer wieder Leute gibt deren Taten man verfilmen kann: damit erreicht man schonmal einen gewissen Bekanntheitsgrad, hat man doch, "taff"-sei-Dank, schon einiges über die Psychopaten, Lustmörder und Pädophilen dieser Welt gehört. Also, es war einmal ein Mann namens Armin Meiwes. Dieser Mann hatte einen ausgeprägten Mutterkomplex und Phantasien vom Verspeisen anderer Männer. Also hat er sich einen leitenden Angestellten einer großen Firma gesucht, der sich zufällig "vernaschen" lassen wollte. Der Rest dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein.

Nun zum Film. Da läuft so eine Art Ralf Zacherl für Arme durch die Kneipen der Stadt (Rothenburg ?) und trifft sich mit schwulen Fixern, Geschäftsmännern, etc. Sein Ziel ? Siehe zweiter Absatz. Endlich hat er den richtigen für sein Candlelight dinner deluxe gefunden, und nun gehts "zur Sache": Was folgt sind gefühlte 140 Minuten Schwulenporno (Ich danke dem Mann der die Vorspul-Taste erfunden hat). Von hinten, von vorne, mit Mund, ohne Mund. Richtig explizit wird man dabei nie, so oft allerdings wie man die beiden nackich rumlaufen sieht. Richtig bescheuert wirkt das aufgesetzt Romantische an diesen Szenen. Wobei ich zwei nackte Boules spielende Männer nicht für die Definition par excellance von Romantik halte. Gut, weiter im Text: Zacherl bringts irgendwie noch nicht so richtig über sich, zur Tat zu schreiten.. Nun folgt eine Aneinanderreihung bescheuertster Dialogszenen á la "Du bist zu schwach!" Lange Rede, gar kein Sinn, letztendlich kommts wie´s kommen muss. Schwanzerl ab. Schwanzerl wird verzehrt. Der Gast wird zerlegt und komplett verspeist. Toll ! Dazwischen wird immer mal wieder Scheiße (oder etwas das verdammt danach aussieht) gegessen, gekotzt, aufs Unappetitlichste gepanst.

Dabei kann ich dem Film nicht einmal als schlecht gemacht oder mies gefilmt abtun. Das würde einiges einfacher machen. Nein, die Kamera ist für ein Low-Budget Werk ziemlich gut, die Effekte erstaunlich.
Macht den Film selbst aber nicht besser. Wäre er nicht so offensichtlich überflüssig, vielleicht fände ich das alles nicht so beängstigend krank. Da aber weder Motiv, Vor- noch Nachgeschichte in irgendeiner Form Erklärungen und /oder die Möglichkeit zum Nachvollziehen der Tat geben, bleibt rückblickend einfach nur ein überaus unästhetisches Schwulenfickfilmchen mit hohem Gewaltanteil über.

Zum nächsten Punkt. Nach der Penisentfernung essen die beiden zusammen. Logischerweise müsste das Hauptgericht ja die einäugige Schlange sein. Aber stattdessen essen die beiden ganz in der Tradition toller Wohlfühlfilme wie "Die 120 Tage von Sodom" ihren Kot .. oder was soll das sonst sein !? Ähnliche Ungereimtheiten fallen dauernd auf. Am schlimmsten jedoch wiegen die jämmerlichen Psychospielchen auf. Da will man zeigen, der Kannibale ist nicht von Grund auf gewalttätig, er macht all das aus Liebe. Beispiel: Zwischendrin bringt er "das Fleisch" (Mensch wie originell, gebt dem Mann einen Oscar) zur Bahn. Da ist ein Regenwurm auf dem geteerten Platz. Ein echter Psychopath würde ihn natürlich zerquetschen, nicht so unser Freund. Nein, er tötet nur aus Liebe. Was für ein hirnverbrannter Oberschmarrn !!

Nun, ihr mögt mir nun vorwerfen ich sei homophob, keine gewalttätigen Filme gewohnt, etc. Und in gewisser Weise muss ich euch natürlich recht geben. Vergleichbare Filme wie etwa "Slaughtered vomit dolls" habe ich mir (und werde mir auch) nie angesehen. Aber ich erkenne perversen, überflüssigen und in jeder Beziehung kranken Dreck wenn ich ihn sehe. Und solange ich ein Mensch mit einem Funken Ehre, mit einem gewissen Gefühl für das was richtig und das was falsch ist, solange ich nur einen Hauch ethische Korrektheit in meinem Herz spüre - solange es also noch schlägt - werde ich Filme wie diesen hassen und verabscheuen.

Manche von euch werden darin noch einen Grund mehr sehen sich diesen Mist anzusehen. Und ich kanns sogar verstehen. Denn wie sagt man so schön, auch eine schlechte Propaganda ist dennoch eine Propaganda. Von mir aus, schaut ihn euch an. Vielleicht hab ich ja Unrecht. Aber sagt hinterher nicht ich hätte euch nicht gewarnt. Nach Ende des Films - ein Freund von mir hatte gerade seine letzte Wurstsemmel verspeist (!) - hatte ich eigentlich nur noch den brennenden Wunsch, dem Regisseur eine reinzuhauen. Mittlerweile ist diese Wut verflogen, doch mein Hass auf "Cannibal" wird bleiben. Für immer !

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