"One of the great things about him (Eastwood) is that he’s never been afraid to take a chance on new people. I remember we saw The Wild Bunch together in New York at a theater. It was myself, my producer, Joann Carelli, and Clint. We watched it and then walked down to P.J. Clarke’s and had a hamburger. No big deal. Jeff Bridges, the same way. I was unbelievably fortunate to have both of them in my first film. And never have I had such a good time making a movie. I would go to Clint every day and say, “Hey, boss, you happy with the dailies?” He said, “Michael, you just keep shooting what you’re shooting.” He said, “I’ve done so many films with great backgrounds, and it looks like it could have been shot in Burbank, but you have an eye for scope.” When I look back, given all of my experiences, it was by far the best. And I’m still collecting checks on that movie, if you can believe it. It’s still shown all over the world."
~ Michael Cimino
Regiedebüt vom eigentlich mit einem architektonischen Hintergrund ausgestatteten Michael Cimino, welcher zuvor nur als 'Mike Cimino' am Drehbuch von Lautlos im Weltraum (1972) beteiligt war und zusammen mit John Milius an Calahan (1973), der ersten und besten Fortsetzung von Dirty Harry (1971); Cimino selber konnte das Skript mitsamt der Bedingung auch der Führung der Regie an Eastwoods The Malpaso Company und United Artists verkaufen und hat auch speziell mit Eastwood als Hauptrolle im Hintergedanken geschrieben. Eine glückliche Zusammenfügung von beiden Männern, der Schauspieler war auf der Suche nach einem Road Movie, der frische Regisseur (Eastwood hat auch bezüglich der Regie überlegt, dann aber dem Neuling das Feld überlassen) konnte seine Modernisierung von Wenn die Ketten brechen (1955) a.k.a. Captain Lightfoot (“A pair of Irish rebels have swashbuckling adventures in 1815.“) durchsetzen und aufgrund des allgemeinen Erfolges auch an den Kinokassen weitere entscheidende Projekte in Angriff nehmen:
John 'Thunderbolt' Doherty [ Clint Eastwood ], wird als flüchtiger Bankräuber von seinen ehemaligen Kumpanen um Red Leary [ George Kennedy ] und Eddie Goody [ Geoffrey Lewis ] gejagt, die die ihren Anteil der Beute vermissen, die Doherty versteckt hat. Als dieser zufällig auf den Jungspund 'Lightfoot' [ Jeff Bridges ], einem Autodieb stößt, entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den Beiden, zudem gerät man irgendwann doch in Bredouille mit den alten Genossen und versucht sie mit einem neuen Plan, einem weiteren Raubüberfall zu vertrösten. Gemeinsam wird sich ans Werk gemacht.
“Bist du Indianer?“ - “Nein, nur Amerikaner.“
Neuling Cimino hier mit seiner noch leichtesten Arbeit, ein Buddy Picture Schrägstrich Actionkomödie, der längst bewährte Eastwood als Paarung mit der frischen Hoffnung aus New Hollywood, Bridges schon Hauptrollen gespielt, beim Publikum angenommen und angekommen, hier zwei gleiche und doch zwei unterschiedliche Figuren, ein Team, zwei Identitäten, zwei Identifikationen, ohne große Formalitäten. Auf der Straße gesetzt, auf dem Asphalt spielend, im Titel gleichwertige Nennung, im Film Eastwood alleine vor dem Filmnamen genannt, ein Geschehen erst irgendwo im Nirgendwo, in der Mitte von Amerika, ein Auto rast heran, zu einer Kirche hin, der Choral singt schon fleißig, man kommt zu spät. Man ist dennoch rechtzeitig. Bridges taucht auch bald auf, “die jungen Leute von heute“, beim Autodiebstahl gezeigt, nur kurz überlegt, sich einen flotten Schlitten ausgesucht, während in der Kirche scharf geschossen wird, eine fußläufige Verfolgungsjagd quer durch die Weiden. Ein zufälliges, ein verhängnisvolles, ein handfestes und stuntfestes, von Buddy Van Horn choreografiertes Zusammentreffen, ein flinker Start, ein Sprint, es geht nach Süden. Es wird sich rasch geduzt, es wird sich einander vorgestellt, die prächtige Landschaft bewundert, Bergseen und Hochwälder, dann wieder städtisches Leben, die Autos werden getauscht, gegen den Willen der Besitzer, ein moderner Butch & Cassidy hier, “Ich will nicht deine Uhr, Mann. Ich will deine Freundschaft.“, die Orte werden gewechselt, immer auf der Flucht, das Leben genießend, die Freiheit, die Ungebundenheit, es wird sich sporadisch organisiert, viel improvisiert, ähnlich verhält sich die Inszenierung.
Bridges ist offener als der ältere Mann, er kommt schneller zum Punkt, schneller zum Ziel, es gibt eher rauen Humor statt Situationskomik, es herrschen stramme Schnitte, viel Orts- und Luftwechsel, Stillstand bedeutet Tod und Gefahr hier, es wird geflirtet, es wird geschwiegen, es werden schicke Hemden aufgetragen, bald wieder geschossen, nicht bloß die Hinterscheibe ist dahin, die Verfolgungsjagd diesmal auf vier Rädern, erneut querfeldein, mitten ins Grüne, an Sprüchen und Flüchen nicht leise. Der junge Mann kennt sich besser aus, er ist aktiver und agiler, beide Männer bislang auf sich alleine gestellt, nun als Paarung, “ständig auf Achse“, “und kommst nicht mehr zur Ruhe“, Vor- und Nachteile werden aufgezählt. Es wird sich gegenseitig ergänzt, der Eine hat Träume und Hoffnung, der Andere die Erfahrung, der Eine den Wagemut, der Andere ist eher der Haudrauf, eine seltsame Mischung, viel neue Erlebnisse und Eindrücke und Erkenntnisse. Manches davon ist nicht wirklich witzig, das wird selbst von den Kompagnons so kommentiert, manches ist selbst Ihnen eine Spur zu drüber, zu abgefahren, zu sehr Holzhammer, von einem Bankraub wird dann gesprochen, der Eine hält es für ein Kinderspiel, der Andere kennt sich besser aus.
Eastwood kommt auch besser weg als Bridges, vielseitiger, profilierter, Bridges spielt den “Pistazienlecker“, den gutaussehenden Strahlemann, den Unbedarften, den Frischling, noch grün hinter den Ohren, den Bewunderer, den Rookie und den Rowdy.; Eastwood die Erzählerfigur, das “ausgebuffte Riesenbaby“, den Führer. Der Fortschritt und die Tradition, Cimino bedient beides, der dritte Wagen in einer Dreiviertelstunde, wieder hinaus zum Bergsee und dem Hochwald, Eastwood hat hierfür Der große Coup (1973) abgelehnt, finanziell eine weise Entscheidung, qualitativ möglicherweise nicht. Das Werk hier hat auch ausgesprochen seinen Reiz, später wächst man eher unfreiwillig auf ein Quartett an (“Warum wolltest du ihn dann umlegen?“ - “Weil wir Freunde sind.“), man hat seine eigenen Ideen und Interessen, man spielt diversen Arten von Humor, auch Slapstick und Sketchen, auch politisch unkorrekten.
Viel Bier wird getrunken, oft Alkohol konsumiert, sich getröstet über die jeweils Anderen, über den Kummer der zwischendurch normalen Arbeit zum Auskundschaften und zum Ablenken; außerdem gibt's eine ganze Riege Neben- und Charakterdarsteller, es gibt Feministisches und Country & Western. Cimino behält seine Vision im Fokus, ein Heist wird geplant und angegangen, die amerikanische Olsenbande, mitten in der Glut, der Hitze des Areals, in Tarnung und Verkleidung, eine Wiederholung eines früheren Bruchs, einiges hat sich verändert, viel ist passiert, die Mannschaft ist anders, die Technik ist neu, “Und später?“ - “Der Film soll sehr gut sein.“ Zum letzten Drittel hin steht auch hier der große Coup an, mit verschiedenen Mitteln, auf verschiedenen Wegen und Ebenen, mit einem präzisen Timing, mit unleugbaren Hindernissen und nicht vorhersehbaren Zufällen. Nur die Regie hat alles im Griff, es wird auch etwas grimmiger, Richtung Crime, nichts im Vergleich zum Folgewerk, aber mit eigenen Spannungsfeldern, mit emsigen Blechschäden durch ein größeres Polizeiaufgebot und fleißig Scherereien; später ist man schlauer als wie zuvor.