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Dem gebürtigen Mexikaner Mario Van Peebles (Full Eclipse, Gunmen) ist der ganz große Durchbruch nie gelungen, egal ob als Regisseur oder Schauspieler. Dabei verkörperte er bis heute achtzig Rollen und damit weit mehr als Kollege Wesley Snipes (Blade, Passagier 57). Jedoch haben beide eine Gemeinsamkeit, denn ihre Karrieren wurden durch "New Jack City" erheblich angekurbelt, der Streifen hat mittlerweile schon zwanzig Lenze auf dem Buckel. Bei "Hard Luck" arbeiten Snipes und Van Peebles seitdem das erste Mal wieder zusammen. Besonders Peebles scheint an diesem Stoff einen Narren gefressen zu haben, denn er füllt nicht nur die Rolle eines Detectives aus, sondern führte auch Regie, produzierte und schrieb am Drehbuch mit. Ein Actionfilm ist hier nicht zu erwarten, sondern ein etwas unglücklicher Mix zwischen Thriller, Gangsterfilm und einigen dramatischen Elementen.

Lucky (Wesley Snipes) war ein eiskalter Gangster, was ihn schließlich ins Gefängnis gebracht hat. Der erste Versuch seine kriminelle Vergangenheit hinter sich zu lassen scheitert. Nun versucht er sich mit einigen Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten, doch es dauert nicht lange, da ist er mit einer halben Million Dollar auf der Flucht vor Gangstern und der Polizei. Dabei kidnappt er die Stripperin Angela (Jackie Quinones) und freundet sich mit ihr an. Auf der Flucht vor seinem alten Kumpel Davis (Mario Van Peebles) und einigen korrupten Polizisten landet er mit Angela in der einsamen Hütte des Pornoproduzenten Mendez (Luis Guzmán). Die liegt direkt neben der Farm des sadistischen Killerpärchens Cass (Cybill Shepherd) und Chang (James Hiroyuki Liao). Die entführen junge Frauen, um sie in ihrem Folterkeller qualvoll zu töten. Als Angela angeschossen wird, will Lucky auf der Farm Hilfe holen.

"Hard Luck" erzählt eigentlich drei Geschichten, die am Ende miteinander verknüpft werden. Das erinnert natürlich an Tarantinos Stil, leider fehlt Peebles das nötige Können, um daraus ein unterhaltsames Thrillerdrama zu kreieren. Dabei birgt das Drehbuch ein gewisses Potential, welches leider durch langweilige Dialoge und Ereignislosigkeit zu Nichte gemacht wird. Die erst später kommende Story um den jungen Boxer und seine Freundin hat man zu einem Rumpf zusammen gekürzt, um somit den beiden interessanteren Episoden den Vortritt zu lassen. Hauptsächlich beschäftigt man sich mit dem ehemaligen Gangster Lucky, dessen erster Versuch seine kriminelle Vergangeheit hinter sich zu lassen durch den Hurrikan Katrina kaputt gemacht wird. Nun wird er in einen fingierten Deal verwickelt und kann nach einer Schießerei mit einer halben Million Dollar entkommen. Dabei entführt er Angela und muss mit ihr von nun an vor korrupten Polizisten und Davis fliehen. Schließlich hätten wir noch Cass und Chang mit ihrem behinderten Sohn, die aus Freude junge Frauen in ihren Hobbyfolterkeller töten und von Davis schon lange gesucht werden. Das will nicht so recht zusammen passen, ganz besonders da Peebles bei dieser ernsten Thematik auf unpassenden Humor zurückgreift. Den hätte er mal lieber in die oft überlangen Dialoge bringen sollen, denn "Hard Luck" hat mit drastischen Temposchwankungen zu kämpfen und funktioniert auch auf dramatischer Ebene nicht sonderlich gut. Lediglich die kleinen Kabbeleien zwischen Lucky und Angela sorgen zwischendurch für ein paar Schmunzler.

Aber ansonsten hat "Hard Luck" nicht viel zu bieten, skurrile Ideen und schwarzer Humor sind Fehlanzeige. Stattdessen gibt es überzogene Figuren wie den Pornoproduzenten Million Dollar Mendez, oder das unglaubwürdige Folterpärchen Cass und Chang, deren Motiv für die bestialischen Morde ein schlechter Scherz sein soll. Auch mit Action sieht es ganz mau und die vorhandenen Szenen hat Van Peebles durch optische Hilfsmittel unkenntlich gemacht. Ein bisschen Schusswaffengebrauch, eine lahme Autoverfolgungsjagd und auch der kurze Finalkampf gegen Chang will nicht viel taugen. Bei den Folterszenen macht Van Peebles nur Andeutungen, die hohe Altersfreigabe darf man zu Recht in Frage stellen. Immerhin gelingt es Lucky sich ins Herz des Zuschauers zu spielen, während die aufkommende Lovestory eher ein nerviges Klischee ist, welches wohl abgearbeitet werden muss. Optisch sieht "Hard Luck" ganz vernünftig aus, wenn es Van Peebles nur nicht so mit den Stilmitteln übertrieben hätte. Der pseudo-coole Hip Hop Soundtrack vermag da auch nichts mehr auszurichten, immerhin war Snipes motiviert und liefert eine gute Show. Jackie Quinones (Anne B. Real) als vorlaute Angela geht auch in Ordnung, während Cybill Shepherd (Das Model und der Schnüffler, Taxi Driver) und James Hiroyuki Liao (Management, World Invasion) als Killerpärchen überhaupt nicht überzeugen.

Wirkt wie gewollt aber nicht gekonnt. Die Story um Lucky und das sadistische Pärchen will nicht zusammenpassen, Episode Nummer drei hat man zur Straffung auf das nötigste gekürzt und sie damit unbrauchbar gemacht. Den Dialogen mangelt es an Pepp und Wortwitz, mehr Spannung und Action wären angebracht gewesen. So sind gewisse Ansätze vorhanden, ein paar Schmunzler kann Van Peebles herauskitzeln, doch größtenteils ist "Hard Luck" nur eins, nämlich belanglos.

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