Vermutlich wird es, vor allem im Horrorfilmbereich, immer Nachahmer geben, die sich an einer Kopie von Überraschungserfolgen versuchen.
Und erzähle mir bitte niemand, Regieneuling Robert Krause hätte da nicht direkt die Idee von „High Tension“ übernommen, sie ins bayrische Alpenland verfrachtet und zu einer Hatz auf dem Mountainbike umgebaut.
Vielmehr geschieht in den knapp 86 Minuten zumindest nicht: Anne wird von Chris verfolgt.
Vor zwei Tagen hatte Anne einen One-Night-Stand mit Chris und seitdem ist sie nicht mehr so ganz auf der Höhe. Deshalb wird sie von Freund Michael zu einem Abstecher zur Blockhütte (soll irgendwo in den USA spielen) überredet, um von dort aus ausgiebige Mountainbike-Touren zu unternehmen.
Geht auch erst gut, bis Chris auftaucht und den Nebenbuhler mit einem aberwitzigen Stunt ausschaltet. Von da an heißt es: Flucht durch den Wald.
Nun kann man so ein Katz – und Maus Spiel spannend gestalten und es mit einem alles entscheidenden Plot Twist versehen, wie in „High Tension“ geschehen.
Oder man ist sich nicht schlüssig, wie man die Motive des Killers erklären soll, bringt deshalb gar keinen Plot Twist und lässt die komplette Verfolgung ebenfalls unschlüssig ablaufen.
Opfer Anne meint nämlich, sie sei mit einem Mountainbike schneller unterwegs und verschmäht deshalb das leicht erreichbare Auto. Und wenn man schon mal Handyempfang hat und zum Notruf durchkommt, verlässt man eben das halbwegs sichere Versteck, um wieder zur offenen Zielscheibe zu werden.
Das Drehbuch geizt hier wahrlich nicht mit Filmfehlern, von denen man noch weitaus mehr aufzählen könnte.
Mitreißend gestaltet sich die Hatz leider nur selten, da Killer und Opfer sich einfach nicht einig werden, in welchem Tempo ihre Aktionen ablaufen sollen.
Täter Chris lässt sich zwar grundsätzlich Zeit, ist aber dennoch immer zur rechten Zeit am rechten Ort, wie hingebeamt.
Anne hingegen wartet manchmal richtig ausgiebig im Dickicht, rast dann brüllend mit dem Mountainbike los, um kurz darauf wieder minutenlang auszuharren, - übrigens ohne dass man Chris in ihrer Nähe sieht, weil Script und Kamera zu töffelig sind, das dem Zuschauer zu suggerieren.
Ohnehin arbeitet die Kamera nicht immer sorgfältig. Man ist zwar um viele verschiedene Blickwinkel bemüht, doch oft ergeben diese keinen dramaturgischen Effekt. Zudem bleiben Weitwinkelaufnahmen fast völlig außen vor, so dass die Kulissen beinahe willkürlich wirken, wie Szenen-Stückwerk. Die schnellen Mountainbike-Montagen sind allerdings durchweg gelungen.
Zurück zum Protagonistenpaar. Da fällt nämlich noch auf, wie wenig bedrohlich Chris´ Figur erscheint, weil Darsteller Ben Price zwar okay performt, aber nichts Unberechenbares ausstrahlt. Überdies werden seine Ziele zu keiner Zeit verdeutlicht. Er taucht wortkarg auf, metzelt sämtliche Randfiguren wie Ranger und Waldarbeiter nieder, zeigt ansonsten aber keine Gefühlsregung.
Anne hingegen tut dies schon, nur fehlt bei ihr in nahezu allen Momenten die Nachvollziehbarkeit ihrer Aktionen. Darüber hinaus äußert sich bei ihr der Hang zum Tollpatschigen, etwa, indem sie mit dem Bike in einen Wildbach stürzt oder unter einem frisch gefällten Baum begraben wird, was man in Sachen Wahrscheinlichkeit erst einmal hinbekommen muss.
Darstellerisch gibt sich Rebecca Palmer aber redlich Mühe, sie kann ja nichts für das unausgegorene Drehbuch, welches auch für den Showdown keine sonderlichen Höhepunkte parat hält, es sei denn man mag da S/M-technisch etwas hineindeuteln.
Bleiben noch ein paar wenige Bluteffekte, wie Kehlenschnitt, Messer in Bauch mit Aufwärtsbewegung und Schnittwunde zu erwähnen, die okay gestaltet wurden und vielleicht der Score, der nur in den Momenten brauchbar klingt, wenn gerade mal keine Technobeats ertönen.
So bleibt unterm Strich kein wirklich spannend erzähltes Duell. Es mangelt an Situationen die zum Mitfiebern anregen, zudem leidet man kaum mit der Flüchtigen, weil sie sich unentschlossen durch die Waldkulissen bewegt.
Mit leicht ironischem Augenzwinkern wäre die Sache sicher süffiger vonstatten gegangen, so sieht man nur ab und zu hin und freut sich zumindest, dass die Grundthematik nicht komplett in den Sand geschrieben wurde und einige wenige Szenen durchaus gekonnt inszeniert wurden.
Sicherlich keine Empfehlung wert, aber für ein Regiedebüt aus Deutschland vergleichsweise…sehbar, mit ambitionierten Ansätzen.
4 von 10