„Subterfuge“ ist ein Fest für Trash- und B-Movie-Fans, die sich mal so richtig amüsieren wollen, denn was Regisseur Herb Freed abliefert, kann er gar nicht ernst gemeint haben, so dass sein Machwerk, dass vor Goofs, Logikfehlern und wilden Szenenwechseln nur so strotzt, getrost als Parodie auf sämtliche B-Actioner abgetan werden kann. So werde ich in diesem Fall auch eher eine Filmbeschreibung, die für sich spricht und keine Kritik verfassen.
Dabei darf man zu Beginn noch an einen ernsthaften, zweitklassigen Actioner glauben, in dem ein Flugzeug, dessen Navigationssysteme von einem bösen Unhold in seiner megageheimen Basis manipuliert werden, durch ein Ungewitter fliegt. Doch als das erste, blöd dreinschauende, hässliche Kleinkind durch den Mittelgang läuft und herausfordernd in die Kamera schaut, ist es aus mit der Ernsthaftigkeit und die Lachorgie beginnt. Der folgende Abschuss durch eine MIG, die das amerikanische Zivilflugzeug umgehend vom Himmel holt, muss, abgesehen von der Explosion eines Modellflugzeugs, woanders her geklaut worden sein.
Szenenwechsel nach Washington D.C.: Die C.I.A. sitzt mächtig in der Scheiße, denn an Bord war eine wichtige Person (mit wichtigem Köfferchen) und die Russen glauben von den Amerikanern verarscht worden zu sein (???), so dass schnellstens eine Lösung gefunden werden muss. Jonathan Slade (Matt McColm), ehemaliger Mitarbeiter, muss den Karren aus dem Dreck ziehen, weil er bei zwei Schwimmwettbewerben besser war, als der aktuelle Topagent (!!!)
Szenenwechsel nach Venice Beach, Kalifornien: Jonathan, der während des Films bestimmt 30 mal sein Hemd wechselt, um seinen Adoniskörper zu präsentieren, poliert in einer Bar ein paar Jungs die Fresse, nachdem die ihn nicht Nachrichten schauen lassen haben, da sie Actionfilme bevorzugen. Immerhin, fighten kann McColm, so dass die Kämpfe auch sehr ansehbar ausfallen. Sein Bruder Alfie hackt derweil ein paar Konten, um den Schaden in der Bar zu bezahlen und verdient damit auch den Lebensunterhalt der beiden, denn der Laden der Brüder wirft nichts ab.
Als sehr amüsant erweist sich die nächste Szene, in der zwei C.I.A. Agenten Jonathan (absolviert den gesamten Film in Muskelshirt und Badeshorts) auf dem Wasser besuchen und ihm zu dem Job zu überreden versuchen, ihm jedoch, als er ablehnt, schnurstracks eine Handgranate in sein Boot werfen, worauf in der nächsten Szene (!!) dieser schon an Land ist und dem erstbesten C.I.A. Agenten auf’s Maul haut. Schlussendlich muss er das Angebot aber doch annehmen, weil er seinen Bruder aus dem Knast holen muss, in den die Agency ihn wegen Hackerei verknackt hat.
Ein wenig Gelaber und ein paar Privilegien (freier Zugang zum Pentagoncomputer etc) später, befindet man sich auf einer Urlaubsinsel, auf der die beiden Brüder von einem notgeilen Taxifahrer ins Hotel gefahren werden, wo sie auch umgehend verwanzt werden und die Klospülung betätigt wird. Zwischendurch erhalten sie noch ein Stealthboot, dass wie ein normales aussieht, jedoch wie eine Flugzeugturbine klingt und machen die Verleiher platt, wobei sie urplötzlich von einer Frau (fette Sonnenbrille, Armykostüm) unterstützt werden, die ihnen klarmacht, dass sie jetzt in einem Drogenkrieg stecken. Als sehr humorig erweist sich dabei eine Szene, die suggerieren soll, dass Jonathan einem Bösewicht ein Messer ins Bein haut, es statt dessen aber, deutlich sichtbar, nur zwischen Hand und Bein schiebt.
Bei der darauf folgenden Flucht fährt man nicht nur direkt an den Bösewichten vorbei, ohne dass diese reagieren, nein, die verladen ihre modernde Taucherausrüstung auch noch in einen schäbigen, von Rost zerfressenen VW-Bulli vom Schrottplatz. An statt sich weiter um den Job zu kümmern, sonnt man sich am Strand, unterbricht seinen Traumurlaub aber, nachdem aus einem Auto auf sie geschossen wurde.
Die folgenden Tauchgänge finden eindeutig in einem Aquarium statt, weil während eines Kameraschwenks auf einmal das Fenster zu Ende und das halbe Bild darauf schwarz ist. Das Haiproblem umgeht man, indem Alfie ein Gerät bastelt, dass die Schallwellen eines Killerwals aussendet, bis ein männlicher Killerwal (!!!) vorbeikommt und Jonathan ans Leder will *gg*
In einer späteren Szene, in der Jonathan mit der weiblichen Agentin, in einer Bar sitzt, schießen zwei böse Figuren auf sie, verfehlen aber trotz massivem Einsatz von Maschinenpistole die beiden doch klar(Eigentlich treffen sie sonst alles…).
So geht es dann auch lustig weiter und wenn man das Geschehen nicht ernst nimmt, hat man einen Riesenspaß. Alfie hackt sich in das Netzwerk des russischen Militärs, steuert MIGs, am Ende tauchen von irgendwoher noch amerikanische Soldaten in Hummern („Wo sind sie gewesen?“ „Das ist unwichtig!“ bruhahahahaha)auf, die wenig später den Ort des Übels erstürmen, dabei aber in jeder Szene die Klamotten wechseln und teilweise ihre Bierplauze präsentieren.
Immer wieder werden während des Films völlig unsinnige Szenen eingespielt, die so gar nichts mit dem Rest des Films zu tun haben, aber gerade deswegen ungemein witzig sind. So ziemlich jeder Charakter scheint sich nach Belieben an jeden Ort beamen zu können, so dass man mal im Wasser, am Strand und dann wieder in der Wohnung ist, um irgendwelche unsinnigen Dialoge zu führen („Warte ich helfe dir“ *muskelmassier* oder den Bösewicht auszuschalten.
Bleibt natürlich die Frage, ob Freed „Subterfuge“ wirklich ernst meint oder schlicht und einfach keinen Plan von Regiearbeit hat. Der konfusen und mit vielen Fehlern behafteten Inszenierung, die das Zwerchfell auf das Äußerste strapaziert, stehen ein paar ordentlich inszenierte Fights und Stunts gegenüber, die ausnahmslos ordentlich gerieten, sowie sehr auf lustig getrimmte Musik, die auf eine Parodie schließen lässt.
Fazit:
Ist „Subterfuge“ einfach nur schlecht oder eine freche Parodie? Das muss wohl jeder Zuschauer mit sich selbst ausmachen, aber als Verarschung funktioniert der Film wenigstens, so dass nicht mal der Diebstahl von Filmmaterial (deutlich an der wechselnden Bildqualität zu erkennen) sonderlich negativ auffällt. Immerhin schien Matt McColm riesigen Spaß an der Rolle des sorglosen Lebenskünstlers zu haben, so dass er sich besseren Projekten nahezu aufdrängt. Für Liebhaber von B-Movies ein echter Geheimtipp, sofern man ihn mit der richtigen Einstellung angeht.