Richard Attenborough spielt einen Unternehmer, der mit Hilfe des Blutes einer, vor Jahrmillionen konservierten Stechmücke Dinosaurier klont und plant eine Art Zoo für die prähistorischen Giganten zu eröffnen. Nach ein paar kleineren Unfällen sitzen ihm jedoch seine Geldgeber und deren Anwälte im Nacken, weswegen er renommierte Experten in seinen Park einlädt, die diesen nun absegnen sollen. Die Experten, ein Paläontologe, gespielt von Sam Neill, eine Paläobotanikerin, gespielt von Laura Dern, und ein Chaostheoretiker, gespielt von Jeff Goldblum, befinden sich gerade mit den Enkeln des Unternehmers und dem Anwalt der Geldgeber auf der ersten Fahrt durch den Park, als die Bestien durch Mithilfe eines Mitarbeiter des Parks entkommen.
Mit "Der weiße Hai", "Jäger des verlorenen Schatzes" sowie Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" hatte Steven Spielberg bereits in den 70ern und 80ern des Öfteren beweisen können, dass er ein exzellenter Regisseur für Blockbuster aller Art ist und sowohl Tempo als auch Spannung auch da noch weiter zu steigern vermag, wo andere Regisseure bereits mit dem Showdown das letzte Pulver verschossen haben. Und auch "Jurassic Park" bietet hervorragende Unterhaltung und das auch noch 16 Jahre nachdem die Computertricks von Kritikern und Publikum als visionär gefeiert wurden.
Zunächst einmal führt Spielberg im Schnellverfahren die Charaktere ein, die dabei nicht allzu deutlich an Profil gewinnen, was angesichts der etwas substanzvolleren Vorlage von Michael Crichton im Grunde vermeidbar gewesen wäre, aber auch nicht wirklich weiter stört. Dann werden erste Einblicke in den Park riskiert und auch heute versetzen die überragend in Szene gesetzten Dinosaurier durchaus in Staunen, denn wenn bei diesem Film eines besonders über jeden Zweifel erhaben ist, dann sind es die brillanten Computer-Tricks.
Für die wissenschaftlichen Hintergründe des Dino-Klonens lässt sich Spielberg dabei im Grunde überhaupt keine Zeit, die wird aber auch nicht benötigt, weil der Film auch so durchaus zu fesseln vermag, denn ähnlich, wie den Protagonisten, die ihr Leben lang versteinerten Knochen hinterher gegraben haben und nun verblüfft feststellen müssen, dass ihre über Jahrzehnte angehäuften Erkenntnisse unter Umständen lückenhaft sind, teilweise auch nicht zutreffen, tritt auch beim Zuschauer der Alice-im-Wunderland-Effekt ein, so sind die Einblicke in den Park nach wie vor sehenswert und von Spielberg fesselnd und hochinteressant aufgearbeitet.
Was folgt sind Diskussionen darüber, ob der Mensch hier nicht zu sehr Gott spielt, ob der Park funktionieren kann, diese bleiben aber eher an der Oberfläche, auch wenn ein paar ganz nette Anhaltspunkte dabei sind und vor allem Goldblum und Attenborough ihren Teil dazu beitragen, dass auch dieser Abschnitt durchaus zu unterhalten vermag.
Dann folgt genau das, wofür man Spielberg kennt und schätzt. Eine enorm spannende Achterbahnfahrt, die einen zu keinem Zeitpunkt loslässt. Untermalt von John Williams überragenden Score, der sicherlich zu seinen besten Arbeiten zählt und sowohl die Aufnahmen des Parks und der ersten Dinosaurier aus der Totalen mit auffälligen, kräftigen Klängen perfekt untermalt und auch in den spannenden Momenten das Tempo weiter anheizt, startet mit dem Ausbruch des T-Rex und der Velociraptoren schließlich ein packender Survival-Thriller.
Spielberg behält dabei perfekt die Übersicht über die verschiedenen Schauplätze im Park, über die, in Kleingruppen aufgespalteten Beteiligten, die nun ums nackte Überleben kämpfen müssen und beschleunigt das Tempo dabei immer weiter. Zahlreiche Höhepunkte, etwa die Verfolgungsjagd mit dem T-Rex, der finale Kampf mit den Raptoren oder die Szene am, kurz vor der Aktivierung stehenden Elektrozaun, lösen sich dabei gegenseitig ab, einer spannender als der andere. Die Atmosphäre der ständigen Gefahr bleibt dabei durchgehend bestehen und trägt den Film bis zum Ende. Ein Spielberg-Blockbuster durch und durch, in meinen Augen neben "Der weiße Hai" sogar sein bester.
Sam Neill und Laura Dern bringen ihre sympathischen Charaktere dabei reibungslos auf die Leinwand und leisten sich keinerlei Fehler, wirken neben den übrigen, sehr stark aufspielenden Darstellern jedoch recht unauffällig. So besticht Jeff Goldblum als zynischer Chaostheoretiker, sorgt stellenweise auch für ein paar Gags und den nötigen Kurzweil und trägt die Diskussionen über das Vergehen des Menschen an der Natur quasi im Alleingang. Ebenfalls loben zu erwähnen ist Richard Attenborough, der den sympathischen, idealistischen Gründer des Parks durchgehend souverän verkörpert, sowie Samuel L. Jackson und Wayne Knight in Nebenrollen.
Fazit:
Die Effekte sind nach wie vor verblüffend gut und neben dem optischen Reiz, besticht auch der grandiose Score von John Williams sowie der ordentliche Cast, in dem besonders Jeff Goldblum einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Das Lob für diesen annährend makellosen Blockbuster, dem man allenfalls vorwerfen kann, dass nicht das komplette Potential der Vorlage ausgeschöpft wird, gebührt jedoch Steven Spielberg, der von Anfang an fesselt und in der zweiten Hälfte einen derart spannenden Survival-Thriller aufzieht, dass man sich kaum abwenden kann. Ganz klar einer der besten Popcorn-Filme der 90er.
92%