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Neulich hab´ ich mir mal Gedanken über die Amischen gemacht, diese Glaubensgemeinschaft, die sich von der Außenwelt abkapselt und technischen Fortschritt ablehnt.
Eigentlich kann man nur so leben, weil man es nicht anders gewohnt ist.
So muss es auch den Einwohnern in „Rockwell Falls“ gehen, auf dessen Ortseingangsschild „Population 436“ steht.

Seit weit über 100 Jahren die stets gleich bleibende Anzahl an Einwohnern?
Da kann doch etwas nicht stimmen und so schickt die staatliche Behörde Steve Kady (Jeremy Sisto) in das ländliche Örtchen, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Steve bemerkt sogleich, dass mit den Einwohnern etwas faul ist. Fast alle benehmen sich ihm gegenüber freundlich und zugleich distanziert, als hätten sie ein großes Geheimnis zu hüten.
Nach außen hin wird eine heile Welt vorgegaukelt: Frei von jeglichem Verbrechen (dennoch gibt es mindestens drei Sheriffs oder Deputys), sie haben alles, was sie zum alltäglichen Leben benötigen (auch den selbstgebrannten Whiskey) und einen Arzt, der ohne Approbation arbeitet, weil das Wissen an ihn über Generationen weitergegeben wurde.
„Gesetze anderer gelten nicht für uns“ sagt irgendwann ein Sheriff zu Steve und das trifft den Nagel auf den Kopf.

Wenn jemand den Ort verlassen will, sprechen die Einwohner vom „Fieber“ und der Betreffende muss „geheilt“ werden.
Trotzdem werden hier Babys geboren, also herrscht entweder die totale Inzucht oder jemand aus dem Nachbardorf streut seinen Samen herum…
Und wenn ein Kind geboren wird, muss zum Ausgleich jemand den Löffel abgeben, was manchmal auch feierlich in Selbstopferung zelebriert wird.
Wäre ja auch alles nicht so tragisch für Steve, doch für die Einwohner zählt er bereits zum neuen Gemeindemitglied. Na ja, und Flucht…

Regisseurin MacLaren hat den Stoff um das merkwürdige Völkchen ohne großen Schnickschnack inszeniert, setzt auf subtile Farbfilter und verlässt sich vollkommen auf groteske Gegebenheiten, die durchaus reichlich vorhanden sind.
Allein die Erscheinung einiger skurriler Personen lässt auf nichts Gutes schließen, wie einen stummen Jungen mit starrem Blick oder den ewig grinsenden Bürgermeister. Exemplarisch für den Ort ist „Harmony“: Kleid von 1801, Tippsen-Stimme und grenzdebiles Augenrollen…

Aber es wird an und wann auch leicht mystisch, wenn Steve die Kinder in der Schule beobachtet, wie sie in einer fremden Sprache eine Art Ritual aufsagen, umgeben von apokalyptischen Malereien an den Wand.
So wirklich nachvollziehbar ist das Verhalten der Leute nicht, da nur ansatzweise Hintergründe für die Entstehung ihrer eigentümlichen Gesetze geliefert werden.

Jedoch unterhält dieser Thriller in sehr solidem Maße, da man glücklicherweise auf alberne Szenen oder gar überdrehten Klamauk verzichtet hat, wie es teilweise in dem ähnlich gelagerten „2001 Maniacs“ der Fall war.
Es geht in einem flotten Tempo voran, auf Blut - oder Schockeffekte wird größtenteils verzichtet, auf ein Happy End ebenfalls.
Und da ich mich ohnehin die ganze Zeit in einer längeren Episode aus „Geschichten aus der Gruft“ wähnte, vermisste ich tatsächlich die sarkastischen Abschlussworte des Cryptkeepers…

„Population 436“ hebt sich angenehm vom Einheitsbrei der typischen Backwoodfilme ab, da man ohne großes Blutvergießen auskommt und sich auf die Unberechenbarkeit der Figuren verlässt, die größtenteils sehr glaubhaft verkörpert werden.
Jedenfalls, meine Empfehlung hat das Teil.
7 von 10 Punkten

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