Manchmal taucht irgendwo aus den Untiefen des Vergessens ein Film auf, den wirklich kaum noch jemand auf dem Schirm hat und da stürze ich mich dann immer drauf wie Ewald beim Maurerfrühstück auf die Buletten, um dann 90 einschläfernde Minuten später meistens mit Magengrimmen wieder aufzuwachen.
„The Treasure of Jamaica Reef“ ist so ein Wrack (inhaltlich eine angemessene Bezeichnung), das bei uns unter dem Titel „Das Böse in der Tiefe“ (nicht „aus…“) gestrandet ist.
Die Welt hätte diesen Schatzsucherzores längst vergessen, wäre da nicht eine noch sehr ofenfrische Cheryl Ladd, eins der Traummodels der 70er, mit ihrer blonden Mähne nicht durch jede zweite Szene gesprungen und hätte so dem Film nicht einen Hauch attraktiver Relevanz verliehen.
„Jamaica Reef“ findet sich heute nur noch, wenn man nach „Jaws“-Epigonen googelt, die ja quer durch die 70er aus dem Meer aufstiegen wie Blähungen im Vollbad und meistens genauso gern gesehen.
Was ich da gesehen habe, ist schwer zu beschreiben. Offiziell ist das so ein Schatzsucher/Abenteuerfilm mit Tauchern, aber weil Haie eben so irre in waren, hat man ein paar von den Beißern zwischendurch mit rein kopiert, wobei man tatsächlich ein paar Taucher mit einigen Farbpatronen in die karibischen Gewässer abgelassen hat, anstatt nur auf stock footage zu setzen.
Das Ganze beginnt aber irritierend ganz anders, nämlich als Polizeiermittlungen zu einer Mordserie, die dann angeblich (der Film wirkt stark nachsynchronisiert) mit einer Schatzkarte zusammen hängen. Offenbar sind solche Ermittlungen sehr frustrierend, denn der ermittelnde Beamte, gespielt von Stephen Boyd (der ehedem den „Massala“ bei Ben Hurs Wagenrennen gegeben hatte), quittiert seine Marke und wird dann mit ein paar Kumpels im Schlepptau Profi-Schatztaucher. Einige Verbrecher sind auch noch im Körbchen, die wild um sich schießend eine Verfolgungsjagd generieren, die stark an „Pink Panther“ und einschlägige Belmondo-Filme erinnern. Vor Ort im Sonnenschein schließen sich dann noch Miss Ladd als unternehmungslustige Blondine (mit Tauchschein in spe) und ein fröhlicher Hippie-Kumpel an und dann wird auch mal ordentlich nach einer Galeone getaucht.
Irgendwann findet man zwar beinahe ein wenig was von dem Gold, dann kommen auch schon die Böslinge (die durchaus rücksichtslos jeden meucheln würden, auch wenn sie nicht sonderlich geschickt sind) und machen die Tauchausrüstung kaputt. Nach der Halbzeit sind alle natürlich ganz schön down und abgebrannt, weswegen sie dann einen Bergungsjob übernehmen, um wieder flüssig (hihi!) zu werden. Der endet dann fast fatal, weil einer von ihnen sich in einem Wrack verkantet. Mit ganz viel Mühe kann man ihn dann dort herausholen.
Eigentlich wären sie so also wieder liquide (noch mal hihi!), aber dann ist der Film irgendwie zu ende, der Polizist ist demotiviert und irgendwo auf dem Festland lässt sich der Nächste in den Fluch-Schatz-Strudel reinziehen, wobei es in der Schlusseinstellung noch ein random Todesopfer einer Unbekannten gibt, aber dann ist auch wirklich Schluss.
Das Publikum ist konsterniert.
Entweder hat man den Film nicht ordentlich zuende geschrieben oder irgendwann war mal ein anderer Plot geplant. Das Ding war seit 1971 in der Mache, wurde dann aber erst mit extra Haien anno 1974/75 hervor gerülpst und existierte da schon in mehreren Schnittfassungen als das Wrack, welches jetzt übrig ist.
Wer unvorbereitet dazu kommt, könnte es für den Zusammenschnitt zweier TV-Folgen halten, die Rahmenhandlung ergibt aber keinen rechten Sinn und scheint zu einer ganz anderen Produktion zu gehören. Der Tonfall ist meistens unangenehm lässig, dann wieder albern, dann todernst, aber führt, wie gesagt, nirgendwo hin und hat auch eigentlich kein Ende. Tatsächlich sagt der Protagonist sogar wortwörtlich, dass man nach der lebensgefährlichen Bergung keinen Bock mehr hatte und das Vorhaben aufgegeben wurde. Ja, supi!
Die Gnadenpunkte spendiere ich für hübsche Locations, ein Handvoll lustiger Szenen, Miss Ladd in der Azubi-Rolle und ordentliche Tauchszenen, die aber im Drehbuch keine wirkliche Entsprechung finden. Die vielen Haie, die überall draufkleben, sind zwar auch dabei, haben aber mehr Gastauftritte.
Per se, ohne Stabangaben und Internet, hätte ich fast vermutet, das wäre ein Nachzieher für „Die Tiefe“, aber dieser verkrachte Abenteuerkracher war schon vorher da und eiert jetzt ankerlos durch den „public domain“. Von den horrenden Titelbildern sollte man sich aber nicht täuschen lassen, das ist mehr Cousteau als Spielberg und eher eine Orientierung für den nächsten Tauchurlaub (3/10)