Bei einer Mordermittlung wird eine alte Schatzkarte sichergestellt, auf der ein Fluch liegen soll. Der ermittelnde Detective versammelt eine Gruppe Taucher und begibt sich mit ihnen in die Karibik auf die Suche nach einem über 200 Jahre alten spanischen Schatz.
The Treasure of Jamaica Reef ist ein Abenteuerfilm, der unter dem deutlich irreführenden Titel Evil in the Deep wiederveröffentlicht wurde. Vermutlich sollte der auch ins Deutsche transportierte Titel zusammen mit den allseits beliebten Haien den Verkauf fördern. Doch hier handelt es sich in quasi allen Belangen um eine Mogelpackung.
Hai-Szenen sind Mangelware, echte Bedrohungsszenen gibt es gar nicht. Ab und an schwimmt mal ein Hai durchs Bild und am Ende wird einmal etwas gesnackt. Für einen Haifilm ist das etwas mau. Auch Action ist rar. Hier gibt es lediglich eine Verfolgungsjagd zu bestaunen, die besser in irgendeine Car-Crash-Comedy gepasst hätte, als in einen Film, der sich weitgehend ernst nimmt. Stattdessen stolpert die Crew durch wirre, oft belanglos und zusammengestückelt wirkende Szenen.
Regisseur Stewart Raffill scheint dabei selbst den Überblick verloren zu haben. Das Drehbuch wirkt manchmal wie ein Puzzle aus willkürlich aneinandergereihten Szenen. Der Off-Kommentar fungiert als Notnagel, um wenigstens halbwegs einen stringenten Plot vorzutäuschen. Dabei klingt das eher nach einem dokumentarischen Kommentar zu einem Urlaubsvideo. Szene für Szene wird uns brav erklärt, was wir gerade sehen, was leider auch notwendig ist, denn die Geschichte hat mehr Löcher als ein Schweizer Käse. Das Drehbuch ist schlicht ein einziges Desaster. Die Figuren bleiben eindimensional und austauschbar, ohne Tiefe und ihr Handeln ist oft unlogisch. Auch die Motivation der Figuren bleibt oft unklar. So lacht der von Stephen Boyd gespielte Detective erst über den angeblichen Fluch, nur um kurz darauf fest von der Existenz desselben überzeugt zu sein.
Auch die Darsteller:innen tragen nicht gerade zur Rettung des Films bei. Das Ensemble um Stephen Boyd, Cheryl Ladd und Chuck Woolery spielt pflichtbewusst, aber ohne je echtes Charisma oder emotionale Tiefe zu zeigen. Viele Momente wirken eher funktional als lebendig, Spannung verpufft in ihren starren Gesichtsausdrücken und hölzernen Dialogen.
Und selbst die Unterwasseraufnahmen können das dramaturgische Vakuum nur bedingt füllen, retten den Film aber zumindest ansatzweise. Korallen, Wracks und klares, türkisfarbenes Wasser sehen tatsächlich nach Abenteuer aus und sind die unbestrittenen Highlights des Films. Die Kamera fängt diese Momente so ein, dass man fast vergisst, wie konfus die Handlung eigentlich ist. Diese Szenen vermitteln tatsächlich einen Hauch des exotischen Abenteuerfeelings, das man sich bei einem solchen Film wünscht. Leider sind sie aber das Einzige, das den Film anschaubar macht.
The Treasure of Jamaica Reef ist ein filmisches Lehrstück darin, wie man Spannung sabotiert, dramaturgische Logik über Bord wirft und aus einem Schatzsucherfilm so eine öde, wirre Angelegenheit basteln kann. Dramaturgisch ist das ein einziger Offenbarungseid. Für Fans von 70er-Jahre- oder Unterwasserfilmen mag das Ganze ein leicht nostalgischer Zeitvertreib sein. Alle anderen werden sich eher an der Belanglosigkeit der Handlung und den ständig erklärenden Off-Kommentaren stören.