Fünf Männer, teils gefesselt, mit Verletzungen, keine Erinnerung. Aber jede Menge gegenseitige Verdächtigungen. Bald fliegen die Fäuste und böse Worte sowieso. Aus der Handlungsprämisse "Wer sind die Guten, wer die Bösen" hätte man im Fall von "Unknown" viel mehr machen können, wenn nicht Regisseur Simon Brand sich nicht so sehr in Richtung Harte-Kerle-Kino orientiert hätte.
Schauwerte sind kaum zu vermelden, die Haupthandlung spielt in einem nüchtern gefilmten hässlichen Gebäude, und die Handlungen der Figuren sind auf nervige Weise sprunghaft und hysterisch. Ständig greifen sich unsere fünf Agonisten gegenseitig an und brechen in Schimpfattacken aus, was auf Dauer ganz schön auf die Nerven fällt und bewirkt, dass der Film, auch wenn nach und nach die Erinnerungen der fünf Rüpel wiederkehren, dramaturgisch weitgehend auf der Stelle tritt. Die Grenzsituation der Figuren, ohne jede Erinnerung an sein Vorleben aufzuwachen, wird dem Zuschauer nüchtern aufgetischt; sie wird nicht einfühlsam psychologisch ausgelotet - das würde ja auch nicht zu dem von Brand offenbar bevorzugten Hartmännerkino passen -, sondern nur als (mittlerweile auch nicht mehr ganz) neuartige Handlungsprämisse benutzt, um dem Publikum eher lieblos Bröckchen der Vorgeschichte hinwerfen zu können. Einer der wenigen Momente, in denen eine Figur eine gewisse menschliche Dimension gewinnt, ist die von Jeremy Sisto, der ein weiteres Mal beeindrucken kann, vorgetragene längere Passage über eine Kindheitsreminiszenz.
Denn die Situation heizt sich nicht nach und nach auf, sondern bleibt durchgehend aggressiv und man weiß nie, wer als nächstes wen attackiert, was mir als Zuschauer zumindest aber auch irgendwann ziemlich egal war. Es findet einfach kein Stimmungsaufbau statt und die Regie verlässt sich ganz auf die in billig verfremdeten Flashbacks aufgetischten Erinnerungen als strukturierendes Merkmal. Da ist die beschränkte Laufzeit des Films von ca. 80 Minuten gar kein Nachteil.