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Ok, nach Herr der Ringe kannte jedermann Viggo Mortensen, und da er ja gerade noch geübt im Führen der Klinge war, dachte man sich wohl, es wäre eine prima Idee ihn für diesen spanischen Historienfilm als Zugpferd zu casten. Nun, es hat geklappt, denn wir haben uns den Film angesehen - eigentlich nur wegen Viggo (Gerüchte, meine Frau habe etwas mit dem Ausleih dieses Streifens zu tun, sind maßlos übertrieben, sie hat einen hervorragenden Filmgeschmack und steht viel mehr auf Hugh Jackman).


Nun also Alatriste, ein flämischer Soldat, Capitan genannt wohl eher aus Respekt als aus Reputation, doch ein echter Haudegen, dem keine Schlacht zu blutig, kein Auftrag zu gewagt und kein Sold zu gering ist. Und hier liegen die Stärken des Films, der angeblich zu den teuersten spanischen Filmen überhaupt zählt - in der realistischen Darstellung des Krieges und der Kämpfe der 17. Jahrhunderts. Da ist nichts elegant, da ist nichts schön und nett anzuschauen. Das ist brutal, dreckig, Mord und Totschlag. Da dauert die Belagerung einer Stadt halt wirklich 1 Jahr. Und man ist irgendwie angewiedert und fasziniert zugleich. Und so bringt Viggo auch nach jeder Schlacht ein paar neue Narben und Schmisse mit nach Hause.

Neben den Kriegsszenen verliert sich die Literaturverfilmung nun in undurchschaubaren politischen Intrigen und Machenschaften, gepaart mit Kungeleien und Sexkapaden derer bei Hofe, doch irgendwie springt der Funke nicht über. Die Schauspieler sind zwar durchweg gut und sehenswert, dennoch ist der Plot viel zu umfangreich, um von einem bekannten Gesicht allein getragen zu werden. Dazu vergehen während des Films mehrere Jahrzehnte, die man außer dem zum Mann gereiften Schützling Viggos und dessen Liebster niemandem ansieht. Das wirkt etwas komisch. Auch dass sich die Männer von teils schlimmsten Verletzungen vollständig erholen, kann ich mir angesichts der hygienischen und medizinischen Verhältnisse nur schwer vorstellen. Aber Helden sind halt hart im nehmen.

Alatriste hat seine Momente, ermüdet aber schnell und vermag nicht wirklich zu gefallen. Viggo Mortensen mit Cyrano-Bart kann nochmal zeigen, dass er auch ohne Hobbits gut fechten kann, aber alles in allem muss ich leider urteilen: muss man nicht gesehen haben.

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