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Bei meiner kleinen Rundreise durch die Verfilmungen von Skripten des Psycho-Drehbuchautors Joseph Stefano mache ich jetzt mal einen kleinen Sidestep zurück vom TV ins Kino, denn bevor er die Filmserien der TV-Networks belieferte, wurde noch ein ungewöhnlicher Stoff für die große Leinwand adaptiert: ein kleiner Horrorthriller mit Katzen.

„Eye of the Cat“ aka „Grüne Augen in der Nacht“ kam 1969 in die Kinos und stand genau auf der Schnittstelle zwischen klassischen Kinothrillern und vom TV-Look beeinflußten Arbeiten, gewürzt mit Eindrücken aus der Poprevolution. Daher wirkt er unter dem Strich auch ein wenig unentschlossen, ob er nun ein schwarzhumoriger Krimi oder ein latent übernatürlicher Grusler sein soll, denn der Ton ist mal bissig und mal abgründig.

Im Kern ist der Plot ein hübsch komprimiertes 4-Personenstück aus der TV-Krimi-Kiste: als eine Kosmetikerin merkt, dass eine ihrer (begüterten) Kundinnen kurz vor dem Ableben steht, weil ihr bereits zwei Drittel ihrer Lungen entfernt wurden, stöbert sie eiskalt den fehlenden Neffen der Dame namens Wylie auf, der sich als leichtlebiger Hippie-Stecher verdingt und bringt ihn dazu, sich wieder bei seiner Tante einzuschleimen (was praktisch von selbst geht). Das geht einher mit einer möglichst sofortigen Abänderung des Testaments, bevor man der Kranken den (Sauerstoff-)Hahn zudrehen kann. Der Begünstigte ist aber nicht, wie Neffe Tunichtgut feststellen muss, sein brav-devoter Bruder, der hier klagearm die Pflegestelle durchzieht, sondern zu seinem Horror die Herde an Katzen, die Tante Danny daheim hält – und wenn ich von Herde rede, meine ich eine Herde.
Das Problem ist eben: Neffe Wylie ist zwar relativ skrupellos und ein echter Arsch, er hat seit seiner Kindheit auch einen pathologischen Horror vor den Mäusefängern. Also muss der Anwalt her und die Katzen raus. Das funktioniert seltsamerweise dank der Hingabe der Tante an diesen ewig grinsenden Pisser (wunderbar dargestellt von Michael Sarrazin) auch ganz gut. Mit einer kleinen unerwarteten Wendung: die Katzen kehren langsam aber sicher in das Haus zurück.

Hinter all dem steht Gayle Hunnicutt als ruchlose Kosmetikerin, die es praktisch gar nicht erwarten kann, endlich die ältere Dame zu meucheln und deswegen (und weil Sarrazin schwer kontrollierbar ist) sich die ganze Zeit im Haus versteckt halten will, das aber nicht gerade geschickt macht (nicht zuletzt weil aufgrund der sich bietenden Gelegenheit auch mal poppen will).

Die Beziehungen dieser Figuren zueinander bleiben so lange Zeit nebulös, wirken aber faszinierend ungesund: Wylie ist ein kleiner Psycho, der auch mal ohne Drogen immer nach dem größtmöglichen Gewinn und Trouble sucht, der sich aber von Strippenzieherin Kassia weitestgehend dominieren lässt. Gleichzeitig kommt Brüderchen Luke ausgenommen devot rüber, später aber treten die Verwerfungen zu seiner Tante nach und nach an die Oberfläche – was auch kein Wunder ist, denn Tante Danny nimmt seine Arbeit als gegeben hin (die er ausführt, ohne Aussicht auf eine Erbschaft zu haben), während sie eine geradezu inzestuöse Hingabe zu seinem Bruder an den Tag legt, sobald der seinen Kopf zur Tür reinsteckt.
Natürlich hat die Story noch ein paar Twists auf der Schlussgeraden, aber dann kommen auch schon Kitty&Co und sorgen ansatzweise für Gerechtigkeit und lassen gleichzeitig die Überlebenden im Regen stehen, wobei interessant gewesen wäre, zu erfahren, was als Nächstes noch alles geschehen ist.

David Lowell Rich war kein besonders herausragender Regisseur (u.a. sorgte er für den super-schrottigen „The Horror at 37.000 Feet“ mit William Shatner als Exorzist), aber hier reißt die Optik einen streckenweise mit. Die Interieurs des großen Stadthauses sind deutliche Studiosets, aber die Anlage bzw. Ausstattung hat ihren Reiz. Und die abgründigen Straßen von San Francisco weiß die Produktion auch zu nutzen, die Kamera wirkt draußen manchmal delirisch und besonders gut ist eine hitchcockeske Sequenz, in der Danny in ihrem Rollstuhl an einer extrem steilen Straße steht und die Elektrik versagt. Da der neue letzte Will noch nicht im Kraft ist, muss Wylie nun natürlich Tantchen retten, doch während sie sich mit zwei Fingern gegen den Abgrund stemmt, kommt eine Kitty daher, springt auf ihren Schoß und verhindert mittels seiner Phobie jede Rettungsaktion.

Bisweilen hapert es mit der Spannungskurve ein wenig, vor allem wenn wir den Protagonisten durch die Clubszene der Stadt folgen müssen, aber ausnahmsweise sind die Stubentiger (es müssen bestimmt über 30 sein) wirklich gut ins Bild gesetzt und wirken auch ausnehmend bedrohlich, wenn sie denn die Konfrontation suchen.

Nicht wirklich perfekt ausgeführt also, aber insgesamt mit ausreichend Suspens und so schönene Bildern, dass er auch heute noch Spaß macht, auch wenn Eleanor Parkers „Danny“ wie ein Relikt aus einer anderen Hollywoodepoche erscheint. (7/10)

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