GWANGIS RACHE
Der wilde Westen. Hier gibt es Cowboys, Indianer und… Dinos! Dinos? Ja! Seinen Abschied vom Genre des Dinofilms produzierte Stop-Motion-Legende Ray Harryhausen persönlich und ließ sich von einer Geschichte seines Freundes und Mentors Willis O’Brien inspirieren…
Der Wildwestshow von T.J. (Gila Golan) bleiben die Besucher fern. Gerade im rechten Moment gelangt sie in den Besitz eines Eohippus; ein Vorfahre des Pferdes, welcher seit Urzeiten ausgestorben schien. T.J.s ehemaliger Geliebter Tuck (James Franciscus) ist gerade in der Stadt und als das Eohippus gestohlen wird, ist mit ihm schnell ein Schuldiger ernannt. Doch der Hase läuft anders: Professor Bromley (Laurence Naismith) hatte den Verdacht, dass es im „Verbotenen Tal“ - der Herkunft des Eohippus - weitere vorsintflutliche Kreaturen zu entdecken gibt und so entführte er das Eohippus, um sich von ihm in eben jenes Tal führen zu lassen. T.J. und Tuck folgen dem Professor mit ein paar Cowboys und gemeinsam entdeckt man tatsächlich das Tal, in dem haufenweise Dinos leben. Doch leider haben sie noch nicht genug Monsterklassiker gesehen und so können sie nicht wissen, dass man Dinos nicht einfängt, um sie in die Stadt zu bringen und sie dort als Attraktion zur Schau zu stellen…
Ray Harryhausens letzter Dinofilm handelt von dem titelgebenden Allosaurus Gwangi, heißt im Original THE VALLEY OF GWANGI und basiert auf der Geschichte VALLEY IN THE MIST von Willis O’Brien, welcher auch die Inspiration für den „Vater der Dinofilme“ PANIK IN NEW YORK (1953) lieferte. So konnte man im Jahre 1969 noch einmal Harryhausens einmalige Stop-Motion-Geschöpfe bewundern, bevor in den 70er Jahren dann bevorzugt Plastikungeheuer wie die von Kevin Connor über die Leinwand poltern sollten…
Die Aufmachung von GWANGI ist schön nostalgisch und der gesamte Film wirkt niemals billig. James Franciscus gibt überzeugend ein charmantes „Arschloch“ ab, Gila Golan ist tough und unwiderstehlich zugleich und selbst der kleine Lope (Curtis Arden) nervt kaum, obwohl man bei seiner Einführung gleich zu Beginn des Films etwas anderes erwarten konnte. Die Stop-Motion-Animationen sind allesamt spitze, doch leider sehen die Dinos farblich etwas eintönig aus und wechseln ihre Farbe auch gerne mal von einer Einstellung zur nächsten. Dafür gibt es einen Kampf zwischen Allosaurus und Styracosaurus zu erleben, welcher ähnlich beeindrucken kann wie diverse Auseinandersetzungen zwischen Cowboys und Dinos. Außerdem wird Dinos Appetit auf Menschen ums eine oder andere Mal gestillt.
Eigentlich gibt es nichts, was ich Regisseur Jim O’Connolly oder Ray Harryhausen himself vorwerfen könnte und trotzdem war ich nie ein besonders großer Fan von GWANGI! Zwar liebe ich die meisten von Harryhausens Kreaturen (insbesondere seine Dinos), doch will sich hier einfach nicht die richtige Atmosphäre entfalten. Der wilde Westen, in dem ein Tal voller lebendiger Dinos entdeckt wird? Auch wenn man hier nicht die x-te Geschichte von einer vergessenen Insel im ewigen Eis oder einer versunkenen Welt im dichten Urwald erzählen wollte, konnte ich mich persönlich nie richtig mit dieser eigenwilligen Mixtur anfreunden.
Versteht mich nicht falsch: GWANGI ist zu keinem Zeitpunkt schlecht! Der Film ist einfach nur nicht ganz meine Welt! Ich mag da lieber einen Überklassiker wie KING KONG (1933), japanische Man-in-Suits, welche in Plastikmetropolen randalieren oder aber Trash, wie ihn Kevin Connor mit DER 6. KONTINENT (1976) oder TAUCHFAHRT DES SCHRECKENS (1978) abgeliefert hat! Andererseits dürfte kein Dinofan mit GWANGI etwas falsch machen und einen verregneten Sonntagnachmittag vermag der Klassiker ohne Probleme zu retten!
6/10 Punkten, diBu!