Review

Zombies im Wald, das klingt ja schon mal viel versprechend.
Vor ein paar Tagen traf ich auch zwei von ihnen, saßen auf einer Bank, tranken Bier und grölten in WM-Laune „Go West“. Einer von ihnen könnte der Macher dieses Streifens gewesen sein…

…und dieser heißt Carl Bessai und ist für mich schon jetzt der amerikanische Andreas Schnaas, denn viel besser als dessen Horrorstreifen ist „Severed“ auch nicht geworden.

Wald, irgendwo zwischen Bäumen: Waldarbeiter gehen ihrer Arbeit nach, Umweltaktivisten wollen das verhindern und ein böser Konzern spritzt ein genverändertes Hormon in die Bäume. Beim Flexen verletzt sich ein Kettensägenhorst und mutiert zum Zombie. Kurz darauf wimmelt es im Wald vor Mutanten und eine recht große Gruppe von Leuten ist auf der Flucht.

Fängt auch schon richtig doof an: Ein Baum fällt (die beste Szene des Films) und aus den Schnittstellen läuft blutrotes Glimmerzeug, welches offenbar die verhinderte Photosynthese eines genmanipulierten Baumes darstellen soll. Lässt Menschen bei Kontakt zu Zombies mutieren.
Oder ist es das metaphorische Dahinsiechen der Natur, wie es Umweltaktivistin Rita anklagt und damit den Zuschauer nervt?

Egal, es treten klassische Zombies auf, die im Stehen gerne kacken möchten, aber eine saubere Buxe behalten wollen und sich entsprechend bewegen. Einigermaßen geschminkt sind sie ja, aber ihre Blutrünstigkeit zeigt sich nur in herumspritzendem Blut und ein paar herumliegenden Plastikkörperteilen.
Explizit ist da gar keine Szene, selbst bei den Fressattacken steht komischerweise immer ein schlecht agierender Protagonist davor, der zudem noch schlecht synchronisiert wurde.

Die Wackelkamera und die körnige Auflösung bei eher temporeichen Szenen ist das größte Ärgernis. Dieses Pseudo-Stilmittel durchzieht den gesamten Streifen, um vom Unvermögen der Splatter-FX abzulenken. Ständig spritzt Blut, doch nichts ist zu sehen: Ein Zombiefilm für Zartbesaitete. Dazu ein Farbfilter in Blau, der eher wie ein Blaustich im Film wirkt, weil er nicht variiert eingesetzt wird.

Und der Film zieht sich wie österreichischer Bergkäse auf einer Pizza, am Ende hat man das Gefühl, drei Stunden vergeudet zu haben, obwohl es nur etwa 95 Minuten sind.
Unnötige, sowie furchtbar ausgedehnte Szenen muss man erdulden, wie der mögliche Survivor, der eine Partie Billard mit Konzernchef Daddy spielt oder eine Liebesszene mit dem Selben. Minutenlang geschieht nichts Gehaltvolles und streckt die Laufzeit, die auf eine Stunde hätte herunter gekürzt werden können.

Immer wieder diese verwackelten Bilder und dieses fehlende Gespür von Drive.
Und als wenn die Flucht vor den Untoten nicht ausreichen würde (wenn der Film anständig inszeniert worden wäre), so bringt man im letzten Drittel noch eine Truppe von raubeinigen Sadisten ins Spiel, offensichtlich auch Waldarbeiter, aber mit Spaß am Tod im Allgemeinen.
Da sollen dann zwischenmenschliche Töne erklingen, wie das Wehklagen nach einem ehemaligen Freund, der jetzt als Zombie herumzabelt. Oder die Angst der einzigen Frau innerhalb der Gruppe, irgendwer könnte sie mit seiner mülleimergroßen Hand antouchen.

Nein, das ist ein Streifen, bei dem man viel zu häufig auf die Laufzeitanzeige des DVD-Spielers schielt. Null Atmosphäre und so gut wie gar keine Spannung
Da war ja selbst „Return of the living dead 4“ noch besser.
„Severed“ ist zwar kein typischer Einser, aber nicht weit davon entfernt…
2 von 10 Punkten

Details
Ähnliche Filme