Was? Zombies im Wald? Hörte sich interessant an und könnte mal eine gute "Outdoor" Alternative zur Mall, zum Flugzeug oder zum Bunker sein. Gedacht, gemacht und mal wieder böse auf die filmische Fresse gefallen.
Severed - Forrest of the Dead
Gut, ob es jetzt Infizierte, oder Zombies sind, so richtig ist das hier nicht klar und wie und warum das Ganze durch ein "Grüne Daumen"-Pflanzenaufputschmittel passiert, aber egal. Die Monster staksen und stolpern durch die Gegend, sehen sehr grün im Gesicht aus, haben Hunger auf Menschenfleisch und fallen auch des öfteren hin. So weit, so bis auf das Letztgenannte eigentlich ok.
Papi Baumabsäger schickt dann auch gleich den Sohnemann "damit dieser sich mal bewähren kann". Zwar hat der Fillius keine Ahnung und sieht sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäume nicht, viel lieber würde er ja Flieger werden.
So weit, so abgehakt und darauf zurückgegriffen wird eh nicht, müssen doch eine Handvoll Überlebende samt nervig-nervösem Arzt (der natürlich mehr weiß als er zugibt) und vegetarischer Baumknutscherin (+"dunkeles Geheimniss") durch den Wald rennen um sich in den letzten vierzig Minuten in einem schlechten Rip-rip-off durch die nervige Soldaten-Sequenz aus dem Vorbild 28 Days later und Übervorbild Day of the Dead zu langweilen, nur um Sekunden später und total überraschend-unmotiviert den Abspann laufen zu lassen.
"Hol die Axt, hol die Axt. Hol schon die Axt, verdammt nochmal!"
Was zu Anfang noch sehr stimmig rüberkommt wird bereits nach den ersten zwanzig Minuten rapide schlechter und sobald erstmal alle Figuren (Vater, Sohn, Feigling, Frau, Held) vorgestellt sind fängt der Streifen auch schon an mit seinen dummen Aktionen zu langweilen.
Kostprobe gefällig?
Wir töten mit einer Axt einen Zombie, so weit, so Genre-Konvention. Dann lassen wir die Axt neben dem Zombie fallen und gehen weg.
Hallo-ho?
Noch ein Beispiel? Kein Problem, es gibt noch dutzende:
Wir sind in einem Sägewerk und die besten Waffen sind eine Brechstange, ein Hammer und ein Stück Holz? Die Kettensäge wird einmal offscreen eingesetzt und dann anscheinend als zu prakikabel und effizient empfunden. Anders kann man sich ihr verschwinden auch nicht erklären.
Als dann eine der Figuren sich in einen Bagger setzt um einfach ein paar Holzstämme auf die Untonten/infizierten zu schubsen hörte es dann für mich auf.
Leider ging Severed dann noch gute 50 Minuten.
"Ich habe Angst. Ich bin hier die einzige Frau. Das wird nicht gut gehen."
Als ich mich dann schüttelte um diese Zombiekacke wieder aus dem Hirn zu bekommen und sogar noch die leichte Hoffnung hatte, dass ja bei der verbliebenen Laufzeit noch einiges kommen könnte (ich Optimist, ich), kamen die "Helden" im zweiten Camp an.
Leitung: Die fette Asia-Wochen-Variante von Jim Rhodes.
Besetzung: Hinterwäldler, Gewaltgeile und potentielle Psychokiller, die schonmal ein Fleischermesser einsetzen, um ihr Abendbrot zu verteiden. Wohlgemerkt am Tisch mit allen Anderen.
Ab jetzt folgte die schlechte Kopie der schlechten Kopie, erinnerte das Geschehen ab diesem Punkt so stark an 28 Days later das Danny Boyle schon fast eine Plagiatsklage durchbekommen könnte.
Aber keine Sorge. "Bevor wir noch den Schluss kopieren lassen wir den Film jetzt lieber enden!", müssen sich die Verantwortlichen gedacht haben, denn nach verwackeltem Mist von einer Nachtsequenz rollt plötzlich der Abspann über den Bildschirm und ich saß erstmal sekundenlang verwundert da und konnte es nicht glauben.
Keine der ansonsten meist schön eingeflochtenen Nebendhandlungen und Botschaften wird irgendwie auf den Punkt gebracht, dass auf dem Festland auch noch auf jeden Fall ein Zombie rumrennen muss interessiert keinen, oder vielleicht weiß man es auch nicht. Mir ist es auf jeden Fall verdammt egal.
Genauso egal scheint den Machern das Zombiekonzept aber der Hälfte des Films gewesen zu sein, denn plötzlich kann man Untoten auch noch mit einfachen Schüssen in die Brust töten. Oder nicht? Oder kam mir das nur wegen dem verwirrenden Schnitt so vor? Aber dazu gleich mehr.
"Bitte, bitte, verlass mich nicht, verlass mich nicht. Neiiiiiiiinnn!" *heul*
Als ich es dann endlich geschafft hatte mich von dem Schock in Form des Endes, ja, in Form des gesamten Films halbwegs erhohlt hatte hab ich mich gefragt: Was war denn nun eigentlich gut?
Na, gut war auf jeden Fall die gesamte Atmosphäre und teilweise, bis auf das extrem verwackelte Ende auch die Kameraführung. Auch hier bemüht man sich in weiten Teilen den Look von 28 Days later ohne die Digitalkameras nachzustellen und wirkt durch seine Grobkörnigkeit auch sehr stilvoll.
Dafür verliert man aber auch sehr leicht die Übersicht was nun gerade überhaupt geschieht. Was aber auch durch das Drehbuch leider nicht besser gemacht wird, wenn plötzlich "mal eben" jemand mit dem dringend benötigten Auto um die Ecke kommt, oder gerade noch durch zombieverseuchten Wald samt bedrohlich eingeschnittener Zombie-O-Vision-Szenen gestapft ist, unmittelbar danach aber schon wieder zurück im Haus ist um sich über Funk irgendwo zu melden.
Aber wir waren ja bei den positiven Elementen. Auf jeden Fall wären da die teils echt sympathischen Figuren erwähnt wo vor allem der schwarze Baumfäller-Chef ist ein richtig netter Kerl. Leider kann man ihn ob der vielen haarsträubenden Aktionen die ihm das Drehbuch vorschreibt nicht so recht ins Herz schließen.
Ähnlich verhält es sich bei vielen anderen Figuren. Wäre das dumme Drehbuch nicht hätte da was Großes raus werden können.
Oh ja. Ehe ich es vergesse. Das Gore-O-Meter. Tja. Auch hier gibt es angedeutet und teilweise hektisch im Bild einige echt harte Sachen präsentiert, die auch durch den Humorverzicht angenehm hart rüberkommen, im Gegensatz zu den vielen, vielen Fun-Splatter-Zombie-Flicks der letzten Zeit. So resultiert halt die meiste Härte aus der stimmigen Atmosphäre, wenn sie denn mal kurz nicht von einer dummen Idee des Drehbuchs unterbrochen wird. Auf sonderlich viel Gematsche sollte man sich aber definitiv nicht einstellen.
Also, kommen wir doch mal mit einem Fazit: Regisseur feuern, Drehbuchautor zur Nachschulung schicken und das restliche Team auf ein Eis einladen. Oder weniger kryptisch: Look und Atmosphäre, wenn sie sich entfalten können, sind sehr gut, die Zombies eigentlich auch brauchbar und angenehmer Humorverzicht. Dem gegenüber steht aber halt das extrem schlechte und vor allem auch noch schlecht abgekupferte Drehbuch gegenüber. Dafür könnte ein zweiter Teil mit cleverem Skript aber ziemlich nett funktionieren.
Bis dahin lieber nochmal die Klassiker anschauen und wenn es unbedingt rennende Zombies sein müssen, dann nehmt wenigstens 28 Days later oder das gelungene Dawn-Remake und lasst diese schimmeligen (grünen) Untoten in ihrem Wald verrotten.
Kleine Anmerkung am Rande:
Die knappen 8 € haben sich zumindest wegen einer herrlich bösen Szene gelohnt:
Umweltschützer ketten sich an Bäume. Und das in einem Wald voller Zombies. Schlechte Idee. Hehe.